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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Steiermark, Eises zerklüftet und zersprengt. — Freilich verlieren solche Berge an Poesie, wenn man an ihnen hinanklettern muß, aber nach zwei Stunden sind wir auf der Höhe des Kamms, wo die Almen anheben und wir am Fuße des Lnntsch stehen. Als riesige Klippe ragt er empor, hat eine grüne Pclzjuppe aus Fichtenwald umgehaugen »nd eine Kappe von Zirm gesträuchen auf. Die Joppe ziehen ihr allgemach die Holzhauer vom Leibe und es quelle» die weißen Kalksteine hervor, die oft so durch- wühlt nnd durchlöchert sind, daß man meint, es wären versteinerte Badschwämme. In mannigfaltigster Weise haben in diesem Gebirge die Wasser gewüthet, man begegnet bei schönem Wetter aber nur ihrer trockenen Spnr. Labende Quellen findest Tu nicht. Nur die bleichen Steine fprndcln hervor, die Wassertropfen versinken in den porösen, ausgehöhlte» Gebirgsstock, bis Du sie nnten in den Wasserfallen der Bärcnschütz wiederfindest. Selbst das Wunderbrünnlein am Schüsserlbrunn, der Kapelle hoch im Gewände des Lantsch, ist im Versiegen. Das ist sonst der Brunnen zum Augenwaschen für kurz- sichtige Wallfahrer. Auf den Höhen des Lantsch findet man schon den Blutstropfen nnserer Alpen, das liebholde, wundcrsüß duftende Kohlröschen. — Mit diesem geschmückt stehen wir endlich auf dem zackigen Felsendiadem, das von unten gesehen über den duftbläulichen Filzen der Legföhren emporragt. Wir starren in den Abgruud der nördlich senkrecht nicderfahrendcn Felswand. Der Wald, der unten liegt, blaut wie eiu See: das Thal von Brcitcnan grünt im Sonnenschein; hinter dem behäbig dalicgciwen Nennfelde ruht in ätherischen Farben, halb mit dem Dufte des Himmels verschmolzen das Hochgebirge. Gegen Sonnenaufgang breiten sich die thalartigcn Huchmatten der Tcichnlpc, wo vor einstmal nach der Sage des Volkes eine Stadt gestanden ist. Arbeit nnd Zufriedenheit war in dieser merkwürdigen Stadt daheim gewesen. Da kam des klaren Bächleins entlang ein Goldfischlein geschwommen, das erzählte allfurt von einer andern Stadt im ferne» Morgcnlande, in welcher kein Spaten und kein Hammer wäre, sondern lauter Gennß, Uebcrfluß und Freude. So haben es die Einwohner nnscrcr Bergstadt auch haben wollen, haben Spaten und Hammer von sich geworfen und in Uebermuth ein lnstreiches Leben geführt. Aber weil sie's zu arg getrieben, so sind über den Lantsch her wüste Stürme gekommen, es haben Erdbeben getobt und die Stadt, die nicht mehr arbeiten hatte wollen, ist versunken. Das Bächlein fließt noch heute durch das Thal und nur ein einzig Wirthshaus steht an seinem Ufer. Das Guldfischlein soll dnrin zuweilen noch zu sehe» sein und will den Leuten erzähle» von dem genußreichen Leben der großen Städte nnd sie zur Unzufriedenheit verleiten. Aber die Aelplcr arbeiten und janchzcn und hören nicht viel auf den Unfriedstiftcr. Hinter der Teichalpe, dem Plankogrl und dem Osser liegt das Engthal der Gaiscn und der Kessel von Fladnitz, der jenseits vom Schöckel begrenzt wird. Hinter dem Schöckel zieht es blau und glatt wie das Meer — die gesegneten Striche der mittleren uud nntern Stciermart. Gegen Sonnenuntergang stehen Haupt an Haupt hohe Berge mit grünen Almen bis hin an den blauen Gürtel der kärntnerischen Alpen. Aber vielleicht noch ehe sich unsere Seele satt getrunken hat an dem Bilde »nd dem Kusse des Himmels, tommt ein Woltenwagen herangezogen. Nasch eilen wir bergab nnd suchen im Gewände das Wallfahrtskirchlcin
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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