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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Steiermark, Tages sieben Kinder daselbst um die Gencsnug ihrer kranken Mutter gebetet hadm: kamen aber plötzlich Ameisen i» Schaaren aus dem Maucrwerk gekrochen, so daß sich die kleine» Beter davor entsetzten nnd davonliefen. Kaum hatten die Kinder den Ort verlassen, so stürzte die Kapelle ein. Das Bild lag unversehrt im Schntte. Am Fnße der Ruine, auf sanft ansteigendem Waldanger, steht heute ein neues Kirchlein, in welchem das Bildniß aufgestellt ist. Junge Frauen tragen, wenn sie sich die besondere Gnade des Herrn erflehen wollen, ihre Brautkränze in diese milche, nm die lieblichen Sinnbilder der ewigen Jungfrau und Mutter zu opfern. Solche Kränze sind ein gar frenndlicher Schmuck der einsamen kleinen Bcrgkirchc nnd legen ein seltsam Gefühl inc- Herz des einsamen Peters. Vor dem Kirchlcin zur Rechten nnd znr Linken stehen zwei buschige Fichtenstämmc. Auf einem dieser Stämme hing monate lang ein Kränzlein aus Rosmarin. Man wußte nicht, wer es anstatt in die Kirche auf den Banm gehangen hatte. Einer demüthigen Magd fromme Meinung war es. Vor dem Altare hatte man sie nicht tränen »vollen mit dem Erwählten, denn sie waren blutarm — aber auch blutwarm! So haben sie denn in des lieben Gottes Namen das Maidkränzlein auf den grünen Banm gehangen. Von folch idyllischer Gegenwart zurück in die Vergangenheit. Wann und wer das Bcrgschloß Hohenwang erbaut, das weiß man nicht. Das Volt erzählt sich, der Iudenkönig Herodes habe es gethan, habe den Mörtel znm Baue nicht mit Wasser, sondern mit Wein, der damals im Ueberflusse hier gewachsen, zubereitet, und so dauere das Maucrwcrk bis auf den heutigen Tag und werde fortan danern. Ein einziger Greis lebt in der Gegend, der behauptet, nicht aus Wein, sundern aus Blut sei der Mörtel zu dem Schlosse bereitet worden. Der Mann mag wohl das Richtige getroffen haben: vorcinst haben alle Großen ihre Bnrgen auc> dem blutigen Schweiße der Leibeigenen aufgebaut. Im 15. Jahrhundert taucht uns die erste Urkunde Huhenwangs auf. Herren von Gallcn- bcrg und fpätcr die Grafen von Schärfenberg besaßeil die Burg, welche gegenwärtig der Hut des Ritters von Wachtlcr anheimgestellt ist. Gruße geschichtliche Erinnerungen sind an Hohenwang nicht geknüpft: wohl aber gemahnt das gewaltige, trotzige Wesen des ganzen Baues gar sehr an die wilden Eulturzustände des Mittelalters. Einer Sage nach soll die Burg schon im Jahre 1529 von den Türken verbrannt worden sein; indeß ist die Burg zu Anfang dieses Jahrhunderts noch anständig erhalten gewesen. Da waren jedoch eines Tages schlimme Gäste ge- kommen — die Franzosen. Diese Herren hatten anf der Bergfeste arg gcwirthschaftrt. Die Rüstkammer» hatten sie geplündert nnd mit den Lanzen nnd Harnischen ans altehrwürdigcr Heit im weiten Tchloßhofe Turniere ab gehalten. Den prächtigen Rittersaal mit den üppigen Gemälden ans dem Fabelreiche der alten Römer hatten sie zn einer Reitschule gemacht. Durch das große Redehurn des Thnrmes hatten sie Huhn nnd Sputt hinabgerufen in das Thal, wu der kummervolle Landmann seine kleine Habe zn wahren suchte. Und als sie endlich an Allem ihren Mnthwillen ausgelassen hatten, wollten sie anch noch frevelnd in die Bnrgkapelle dringen. Hier aber stand vur dem alten Bildnisse Mariens der Eastellan, der hatte vur sich ein Pulverfaß stehen und schwang in der Hand eine brennende Fackel. „Ehe ich der lieben Frauen was anthnn lass', rief er, eher sprenge ich vuheinuang in die Luft." Erbleichend wich die welsche Ruttc zurück. 3u ist das Bild der „Heimsuchung" bewacht nnd vcrschunet wurden. Nach der Franzusenzcit sank die Burg rasch dem Verfalle zu. Nur der -alte Eastellan blieb in seiner öden Kammer, hütete das Bild und läutete das auf dem Thurme befindliche Glöcklein zn den Gebetstunden, dreimal dec- Tages. Anch wenn im Sommer die Hochgewittcr drohten, läutete der Alte, um durch den Klang des geweihten Metalles die Gewalten der Elemente zu bannen. Die gute Absicht des betagten, schwachsinnigen, müh- und drang seligen Greises hat den lieben Gott gerührt. In sturmvoller Gcwittcrnacht einen Ilammenwink hat er gegeben — und der Greis war erlöst. Den letzten Bewohner von Hohcnwang, den Eastcllan, hatte der Blitz erschlagen. Aber die eine liebliche Blume des Mittclalters sproßt und blüht noch heute auf dem Schnttc: die Marienmicnc. Ihre süßen Farben leuchten durch den .schattigen Wald. Und wie im Thalc auch die Fabriten poltern und das Dampfruß pustert — auf grüner Bcrgcshöhc weht des Glöckleinc- zitternder Schall nnd ewig jung bleibt in
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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