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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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in seiner großartigen und naturgetreuen ''Auffassung und Turchführung seines Gleichen nicht findet und dessen ver- schiedene Glockncrbildcr gerechte Bewunderung erregen — und des Geoplastikers Franz Keil, dessen bedeutendstes Wcrtl „Relief des Großglockncrs und seiner Umgebung mit Bcgleitkarteu" seiner Zeit zur Kenntniß der Gruppe am meisten beitrug und noch iinmer von hohem Interesse ist. Keil starb als Märtyrer seines Berufes, in dem er sich durch uusäglichc Strapazen ein Rückenmarkleiden zugezogen hatte, au dem er Jahre lang dahinsiechte, getreulich unterstützt von dem deutschen und östreichischen Alpenvereine. — Ter Uebergänge von Heiligrnblut in's Salzburgische und nach Tirol sind mehrere. Wir aber kehren längc> der Moll zurück nach Winklern nnd verfolgen ihren 3anf, bis wo sie bei Möübrücken in die Trau mündet, E-i' is> in> Ganzen ein interessantes Hochgcbirgsthal, das untere Möllthal, von Wintlern abwärts, wiewol ohne besonders ausgesprochene» Charakter; doch sind einzelne Gegenden desselben, wie die bei Fragant nnd Obervellach von hervor ragender landschaftlicher Schönheit, die bewirkt und gehoben wird durch die malerische Gruppierung der Gebirge nnd durch die freundliche, üppige Vegetation des Thalbudens und der Berghänge, welche ihn umschließe». Trübselige Unterbrechungen bilden die Erdstürze und Bergrutsche, die im Möüthale von Alters her häufig vorkommen und nicht selten große Timcnsionen annehmen. In ncnerer Zeit hat der Absturz des Klausenkofels mit einem kolossalen Schuttwall die Moll aufgestaut, so daß an der Stelle, wo noch vor wenigen Jahrzehnten wohlbestellte Wiesen und Aeckcr prangten, numnehr zwei Seen fluten, die nimmermehr ablanfen »vollen. Furchtbar sind die Zerstörungen, wenn plötzlich ohne warnende Anzeichen ganze Bergtheile sich loslösen und mit Tonncrgetöse verheerend niederstürzen in die Thalsuhle, wo sie durch Steingerölle, Schutt und Fclstrümmcr alles vernichten, was ihnen entgegensteht, nnd jene Schnttkegrl schaffen, die noch nach Jahrhunderten von derlei Ereignissen Kunde geben. Tie Bevölkerung des Möllthales ist im Allgemeinen ein gedrungener, kerniger deutscher Menschenschlag, der von Westen her oder über die Tanernjoche aus seiner baiuuarischen Heimat Hieher eingewandert sein mag, wie manche Branche'und Gewohnheiten, Aehnlichkciten im Tialekte, besonders aber die Bauart der Häuser anzudeuten scheinen. Der Volkscharakter weist wie bei allen Thalbewohnern des Kärnter-Oberlandes viel Gutmütigkeit und Geradheit, jedoch ohne den gewissen Schliff, der dem Bauer längs der Hauptstraße nnd in der Nähe größerer Orte eigen zn sein pflegt; der Müllthaler ist daher ein gutes Stück „bäuerischer" als sein Nachbar draußen im Drauthale, das gereicht ihm indessen durchaus nicht zum Nachtheile. Man gewöhnt sich vielmehr bald an sein rauheres Wesen, während die dünne Tünche, mit welcher der Bauer in anderen Gegenden überzogen ist, nicht iinmer anheimelnd befunden werden dürfte. In früheren Jahrhunderten erfrentc sich das Möllthal eines ergiebigen Bergbanes auf Gold, Silber und Kupfer und es stand fast bis in unsere Tage herein die Eisenindustrie in erträglicher Blüte; gegenwärtig aber merkt man von alledem kam» mehr die Spuren, dafür hat sich der Bewohnerschaft eine anderweitige Erwerbsquelle erschlossen, die in neuerer Zeit immer reichlicher zu sprudeln beginnt, und das ist die Viehzucht. Möllthaler Rinder sind sehr geschätzt im ganzen Lande und werden auch ausgeführt nach Tirol, nach Salzbnrg, Oberüstrcich und Baiern. Tie Viehmärkte zu Pussarnitz bringen jedes Jahr den Reichthum des Thales zur Ausstellung und sind daher viel besucht vuu Einheimischen und Fremden. Ter Haupturt des Thales, Obervcllach, ist ein alter Marktflecken, der sehr verschiedene Schicksale erlebt hat. Die Anwesenheit der Römer ist mit Bestimmtheit nachgewiesen. Während und nach der Völkerwanderung folgte eiue lange Zwischenpause der Verödung, aber als im Mittelalter die Gold-, Silber- und Kupferbergbaue zur Blüte gelangten, war Obcrvcllach als Sitz des Vcrgmeisteramtes für Kärntcn, Tirol, Steicrmark und Oestreich von weit- reichender Bedeutung. Einige massive, jetzt freilich in Verfall geratene alte Baulichkeiten und die große gothische Kirche sind die übrig gebliebenen Zeugen dieser Blütezeit. Von Burgen der Vorzeit, die als malerische Staffage der Landschaft unfer Auge auf sich ziehen, sind im Thalkessel von Obervellach zwei vorhanden, Obcrfalkcnstcin, eine umfangreiche Ruine auf senkrechter Felswand unterhalb
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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