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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Oeserthal, Malta- und pöllathal. und Wege, die da zurückführen auf das urmächtig aufklimmcnde und gezackte Gcschroffe des Königsstuhles (2330 Meter), die mußt Du Dir allerdings dermaleinst erklären lassen, wär's anch als Curgast oben in der Sennhütte, wo aus dem Schlafvcrschlllg heraus der Patient in die Hohlstamm-Badwannc schlüpft und das mit Glühstcincn erhitzte Almwasser ausgcnießt. Das ist das heilkräftige Karlbad. Die Stangalm, der südöstlichste Ausläufer aus einer Compagnie von Nocks, lauter Sicbmtauscndcrn mit einem Tcppichgebreitc von Spcik und Enzian, enthält das Freimannsloch; in dieser Höhlkluft geistert derselbe Scharfrichter, der dem schatzgräbcrischcn Bauer die Ansage der Fundstellen entlockte, ihn aber — trotz des Wortes, den Verurthcilten zu befreien — dennoch köpfte. Die „blutige Alm" erinnert an den Rückzug des Bahernhcrzogs Thcodat vor den Slaven in's Obcrlicscrthal und das salzburgische Bundschuhthal. Eben an der Dreiländcrgrenze ragt der Königsstuhl. Im äußersten Oedwinkel zwischen Hafncrspitz und Kesselspitz tröpfeln die Quellen der jugendlichen Lieser. Wer vom Maltathale nach Spital zurückkehrt, kann unter Einem den Millstättcr-Scc besuchen. Er macht dabei einen kleinen Umweg, wird sich aber für aufgewandte Mühe und Zeit reichlich belohnt finden, denn der Mill- stätter-See zält mit unter den landschaftlichen Glanzpunkten Kärntens, und Millstatt selbst ist eben daran, zur Würde eines klimatischen Kurortes (namentlich für Brustleidcn) empor zu steigen. Die Bedingungen sind vorhanden: milde mit Wasserdämpfen gesättigte Seeluft, geschützte Lage vor dem Zug der rauhen Nord- und Ostwinde, treffliches Oncllwasser und stärkende Seebäder. Was fehlt daher als Unternehmungsgeist und guter Wille auf der einen nnd Vorliebe und Vertrauensseligkeit auf der anderen Seite? Und beides scheint sich nach und nach cinftndcn zu wollen. Millstatt wird seit ctwelchen Jahren zusehends schöner, es werden Badeanstalten errichtet und mancherlei Vorkehrungen getroffen, welche den Fremden Annehmlichkeiten, den Einheimischen Vortheile zu bieten versprechen, — aber doch auch andererseits den Zauber der tiefen Bcrgeinsamkeit, der uns ehedem dort umfieng, vielleicht für alle Zeit verbannen werden. Die Sage weiß nicht nur von der Gründung des Ortes durch Tomitian nach den: Umstürze der tausend heidnischen Statuen (miliß 8t^tug.6), sondern auch von den Unthicrcn, Molchen und Drachen, die in der Tiefe hausen und alljährlich einmal ans Land kommen, um sich ein lebensfrohes Menschenbild im kindlichen Alter zu holen, von welchem Raube sie sich dann nähren, bis das Jahr um ist. Der Ort Millstatt, auf einer kleinen Halbinsel erbaut, die sich terrassenförmig an den Fuß der Millstätter Alpe anschmiegt, weist als seine bedeutendste Merkwürdigkeit das einstige Benediktiner Kloster, das der Chronik nach durch einen bojoarischen Grafen Aribo zu Anfang des elften Jahrhunderts gestiftet wnrdc. Es ist ein umfangreicher Bau, von dein der wolcrhaltene Kreuzgang für Kunstfreunde von Interesse sein dürfte. Die ehemalige Stiftskirche erscheint derart durch Um- und Anbauten verändert, daß sich deren ursprüngliche Form kaum mehr erraten läßt. Einzelne Theile, so die Vordcrfronte mit der Vorhalle nnd den beiden Thürmen, das Haupt-Portale und etliches andere Gemäuer, gehören offenbar der ursprünglichen Kirche an, die im romanischen Stile erbaut war, desgleichen die Sculpturcn mit christlicher Symbolik, die hie und da in den Wänden eingemauert sind. Inter- essanter als die Baulichkeiten von Millstatt ist die herrliche Landschaft, besonders gegen Nordwcstcn, wo am unteren Seccnde die prachtvolle Pcrspectivc des Müllthales mit den schwungvollen Cuntourcn seiner riesigen Berge, die sich coulisscnartig in einander schieben, den Hintergrund bildet. Ein niederer bewaldeter Hügclrücken trennt das Becken des Millstätter-Sce's vom Trauthale, in welches ein ungemein malerischer Waldpfad längs der rauschenden Licser zunächst nach Spital führt. Man kann aber anch von Millstatt aus sich über den See setzen lassen, wo man dann dnrch blumige Wiesen und schattigen Wald das Schloß Rotenthurn erreicht, von dessen Anlagen aus das Trauthal meilenweit auf- und abwärts zu überblicken ist. Da stellt sich dasselbe auf der ganzen langen Strecke von Möllbrücken bis Weißenbach oberhalb Villach als schönes fruchtbares und auch wolbcbautcs Gelände dar, durch ausdrucksvolle Berge umsäumt, von dem ansehnlichen Draustrome in mchr-minder scharfen Serpentinen durchzogen, belebt durch zalrciche Ortschaften und Siedlungen. Unterhalb Gummern treten die Berglehnen, die das Thal begrenzen, näher aneinander und bilden ein Defilee, das aber bald in den weiten Thalkcssel von Villach mündet. 36'
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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