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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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harnten. Villach. ^)ic alte Handelsstadt Villach nennt sich gerne den Vorort Oberkärntens. Und zwar nicht mit Unrecht. Denn die geographische Eunfiguration Kärntcns ist eine derartige, daß fic zwei wirtschaftliche Mittelpunkte begünstiget, indem die das Land rings umgebenden Gebirgszügc der Hauptsache nach eine Ellipse beschreiben, deren Brennpunkte Klagenfurt und Villach sind. Wie gegen erstere Stadt die Thäler Untcrkärntcns gravitieren, so münden, uoch viel regelmäßiger als in Untcrkärnten, die Hauptthäler des Oberlandes oder deren Fortsetzungen in das Becken von Villach. Es ist dies eine Eigentümlichkeit, die in keinem nnscrer Alpenländcr wiederkehrt. Das Drauthal mit seiueu bedeutenden Ncbcnthälern, als Iscl-, Moll- und Licscrthal, das Gailthal mit dem Lesach-, Gitsch- nnd Kanalthale, die verzweigten Thäler und Graben der „Gegend" finden alle ihren Ausgangspunkt bei Villach, während das Oberroscn- thal, die Thalvcrästnngen von Feldkirchen, da'? Hügclgeländc, welches von da in einem weiten Bogen nnd unter verschiedener Vcncnnung bis zur untersten Thalstufc der Gail streicht, ebenfalls noch zur Umgebung Villachs gezält werden müssen. Die einzelnen Punkte dieser Region sind gegenwärtig durch die Bahnen schneller und bequemer von Villach ab zu erreichen als vom zweiten Centrum, Klagcnfurt, aus. Die güustige Lage der Stadt wurde, nachdem der Trubel der Völkerwanderungen vorübcrgcbrnust war, schon frühzeitig gcwürdigct. Sie gelangte durch Kaiser Heinrich I I. an das Erzstift Vamberg mitsammt anderen Herrschaften in Kärntcn, darnnter Wolfsberg, Fcldkirchen, Kanalthal mit Eisen- und Vleiwcrken, dazu das wichtige crträgnißrcichc Blcibcrg mit seinen für unerschöpflich gehaltenen Blei- gruben. Die bambcrger Bischöfe oder vielmehr ihre Viccdome verabsäumten nichts, um Villach cmporzubringcn uud es zu einem Stapelplatz zwischen den italienischen Häfen und den großen deutschen Handclscmporicn Augsburg und Nürnberg zu machen, was ihnen auch vollständig gelang. Sie warfen das Raubritterthum nieder, verbesserten die Wege, verfahen die Gütcrkarawanen mit schützenden Geleiten und statteten ihre Stadt Villach mit allerlei Privilegien aus, die deren Flor sichern sollten. Kein Wunder daher, daß Villach schon zu Anfang des Mittelaltcrs blühende Handelsgeschäfte betrieb, die am Ende des 15. Jahrhunderts den Eulminatiunspunkt erreichten. „Villach war der Stapelplatz für die Waaren, welche Augsburg und Nürnberg von Venedig bezogen", sagt Vonend in der Ehronit der kärntischen Herrschaften des Huchstiftcs Bamberg. Von da ab gicng jedoch die Blüte der Stadt unablässig zurück und es kam dann durch die veränderte Richtung des Handels, durch Erdbeben (1348), Fcnersbrünstc und mehrfache Knegsnötcn derart herunter, daß, als 1745 die Rückstände der Häuscrstcucr allein sich auf 15000 Gulden beliefen, die Bürger fich bereit erklärten, die Hausschlüssel der Behörde zu übergeben und auszuwandern. Doch bereits mit Ende des vorigen Jahrhunderts und später während der französischen Occupation (1809 —1814) trat ein Umschwung ein und als hierauf die Lombardei und Venedig unter östreichische Herrschaft kamen und der kürzeste Weg von Mailand nach Wien über Villach gieng, da hob sich der Handel der Stadt auf's Neue, besonders wurde die Spedition von Bedeutung. Fast sämmtliche Erzeugnisse der kärntischen Eisen-, Stahl- und Bleiindustrie wurden von oder über Villach nach Trieft und Italien erpediert, während Südfrüchte, italienische Weine, Getreide, Reis und fonstige süd- liche Produkte in Villach gestapelt wurden und von hier aus nach Obcrkärnten und Tirol, Obersteier, Salzburg und Bahcrn giengcn. Die Heerstraßen waren belebt durch schwere Güterwagen. In den Magazinen der Kaufleute lagerten Zucker- und Spiritusfässcr zu Häuf, Kaffceballen und Reissäcke in mächtigen Tristen geschichtet, die Keller waren mit Fässern gefüllt, welche die edlen Tropfen aus Steiermark, Kram, Küstenland und Friaul bargen, und vor den Hausthorcn oder im Hofe Gespanne harrend, welche die Geschäftsfrcnnde aus den benachbarten Thälern gesandt hatten, um ihren Waarenbedarf heimzuholen. An Sonn- und Feiertagen in den Schnittwaarcnladcn großes Gedränge nnd regste Nachfrage um Perkail, Iitz, Spaniolett, Madapola» und bunt bedruckte Tücheln. — Dies
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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