Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geographie, Land und Leute
Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
Seite - 143 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 143 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten

Bild der Seite - 143 -

Bild der Seite - 143 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten

Text der Seite - 143 -

villach. sind so etliche auf's Gerathewohl herausgegriffene Züge aus dem Charakteristikon der „guten alten Zeit", wie sie Villach erlebt. Die Stadt, an welcher gegenwärtig die Schienenstränge von Italien (Pontcbba), Krain (Ratschach-Tarvis), Steiermark und Ungarn (Drauburg-Marburg-Pragcrhof), Oestreich (Friesach-St. Michcl-Bruck) und Tirol (Drauburg- Lienz) sich kreuzen, trat nach der Römerzeit, nachdem von dem alten 8g.ntioum manch eine ^Iig, aä 3,^2.8 übrig geblieben, zuerst unter König Karlmann in dessen öttinger Schenkbrief (878) aus dem Dunkel des Frühmittclalters hervor. Dazumal war eine lange Flußbrücke eine feltsame, eine uiclbcgchrtc und handclswichtigc Erscheinung. Ihrer aber erfreute sich schon das Städtchen; von dem deutschen Kaiser Heinrich II . und dessen Gemahlin Kunigunde, deren gemalte Gestalten wir auf dem Traubrückcnthorc erblicken, wnßtcn die Kirchenfürstcn von Bambcrg diesen Besitz und manchen anderen zu empfangen. Ueber sieben Jahrhunderte währte diese geistliche Herrschaft und sie verstand die Quellen des materielen Lebens reichlich auszuschließen. Aber wie in Venedig, wie zu Augsburg, Nürnberg, Regensburg, dahin Tag um Tag reitende Boten und Frachtwagcn auf den mautreichen Straßen sich tummelten, ebenso stiegen hier edle Bürgerhäuser zu Ansehen und Wolstand und wir betreffen sie im Verlaufe der Zeiten anf ragenden Burgen und bei gedeihlichen Hofämtern. Dem Landesherzogc mußte solche Hoheit gefallen, wie nngcfähr der Zpaä^ ä'ItaiiH unsres Jahrhunderts der Kirchenstaat. Kein Wunder, daß Herzog Bernhard unter dem wachsamen Schlosse Weinberg auf ciguc Hand Brücke und Stapelplatz anlegte; aber die benachbarten östreichischen Herzoge und der Papst traten für das geist- liche Stift ein nnd die Villachcr sahen die gefährliche Nachbarstättc alsbald verschwinden. Die Gcwaffncten der Noscckcr, der Ortcnburger, der Auffenstciner wurden durch die Straßen der Stadt in Haft gebracht; derlei Schau- spiele kamen in mehreren Mcnschcnaltern des Oeftercn vor. Aber gegen die Kraft der Elemente fchütztc nicht der bcstverbricfte Schutz. Das Erdbeben von 1348, welches den benachbarten Hochalpcnblock spaltete, erschreckte und beschädigte die vielumworbcnc Draustadt und auf die Trostzcit einer zehnjährigen Steuerfreiheit folgte wieder Fehde und Vedrängniß durch die Kollnitzer. Die Türkcnangst pochte an die Mauern, die wilden Hccrhaufcn wurden zwar zurückgeschlagen (um 1492), aber das Wiederkommen war zu sehr ihrer Kricgsnatur und dem Koran eingeschrieben. Noch war in diesen Mauern der Vcnediger all zu sehr heimisch, der des Hochlands Waldscgen als ein Heer von Masten in die blauen Wogen der Adria sandte, der den Goldsand aus den Kuppen der Bergrücken billig erkaufte, der die wälschen Arbeiter und im Gerüche des Zaubers stehenden Schatzgräber in seiner Zahlstube kärglich entlohnte. Sie wurden abgelöst durch die deutschen Wcchselstubcnkönige, die Fuggcr aus Augsburg. Und auch der berühmteste der Goldmacher, dessen fabelhaftem Studicnfleißc nur ein modernes Laboratorium fehlte, Theophrastus Paracelfus Bombastus von Hohcnhcim, er weilte als Kind schon in Villachs Mauern und arbeitete, wie es scheint, in Fuggcr'schen Diensten (1553), im Scheidtcnbcrgenschcn Hause neben dem „Löwen". Die Sage vom vergoldeten Stiegcnknauf erinnert an den schicksalreichcn Mann von Einsicdcln. Nach Wohnhaus und Zeit benachbart ist hier auch ein gewaltiger Potentat zu nennen. Kaiser Karl V., vor Churfürst, Moriz von Sachsen aus Innsbruck flüchtend, kam, in einer Sänfte getragen, durch's Drauthal herab nach Villach in der Nacht des 27. Mai 1552, und nahm sein bürgerliches Hoflagcr im Hause Leiningcn, dermal „zum Löwen"; bald darauf auch dessen Bruder, König Ferdinand und der Ex-Churfürst Johann Friedrich. Dazumal gab es Kampf- und Lautenspiele auf dein nahen Schlosse Landskron, farbenreiche Wasserfahrten auf dem See von Ossiach und sowol die Abgesandten der Niederlande als jene der stolzen Vcnczia bemühten sich, im Vereine mit dem Landcsverweser, Welzer von Eberstein, des Kaisers düsteres Gemüt zu erheben. Nach acht Wochen scheidend, verlieh der befriedigte Fürst der festen Draustadt nicht sowol den Aar als Wappcnbild (nur den Reichsstädten geziemt er), als vielmehr des Adlers Klaue; die schaust Du auch auf dem Stadtthorbildc. Seit dein Aufblühen des Vlcigcwinncs aus den nahen Bergen und der Stärkung landcsfürstlichcr Gewalt
zurück zum  Buch Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten"
Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Unser Vaterland