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harnten.
lockerte sich die stiftische Zugehörigkeit, und anf das Eintreten in die Landstandsrcihe war endlich im Jahre 1759
die vollständige Einverleibung des Stadtbcrcichcs in den Staatsbesitz erfolgt.
Die Franzosentriege von 1797 herab brachten seit den Türken den ersten auswärtigen Feind. Erzherzog
Karl erkannte die Wichtigkeit dieses Straßcnkrcuzpunktcs und widerstand an diefer Stelle in den letzten Märztagen,
so gut cr's gegen die Uebermacht vermochte. Aber trotz persönlichen Mutes war ihm das Zurückweichen geboten.
Zwei Monate weilte der Franke. Er gieng und kam wieder. Im Jahre 1809 war hier des Erzherzogs Johann
Hauptquartier; jedoch nach allerlei Wandelungen kamen Stadt und Oberlandgcbiet endlich an Frankreich, Kreis
Illyrien. Durch sechs Jahre dauerte die ungewohnte Trennung, welche übrigens der strebsamen Stadt den Sitz der
Intendanz und den Gemeinden eine lebenskräftige Municipaluerfassung, rasch entscheidende Friedensrichter und ins-
besondere ein leibhaftes längst -
vermißtes Metallgeld brachte.
Das Schlnßschanspicl aber war
ein blutiger Strnßenkampf nnd
die Verbrennung von fast 290
Häusern in den Augusttagcn
nach dem Napuleonsfeste des
Jahres 1813.
Mit dem erlcnschattigen
Drauweg, der weiten im Hinter-
gründe gehobenen Stadtplatz-
Sicht, den mehrfach erweiterten
Gassen bildet Pillach nun einen
reizenden Verein von Alt- nnd
Neuzeit, fast möchten wir auch
sagen von Nord nnd Süd,
lians Gaffer-Denkmal.
Deutsch und Wälsch. Viele
Straßen und Firmen sind zwic-
sprachig benannt, der Lombarde
nnd Vcnctcr spricht von mancher
geführte Standbild des Meisters aus dem Licscrthalc; in der Rechten den Vildnerhammcr führend, in der Linken
den Meißel, die franke Stirne, als sprühte sie den Gedanken aus: Handels- und Gasthoftafel, feine
Weise springt aus den Bau-
zicrratcn ins Angc. Das Post-
Haus winkt mit den gekuppelten
Bogenfenstern nnd empfängt
Dich mit den weiten Arkaden
der Hofgänge; dagegen ist das
Minoriten- und Kapuzincrllustcr,
das Khcvcnhüllcrhnns (nnn
Kaserne), das Rathaus, ein
Stück des ächten Altvillach, die
rcstanriertc Burg am Drauufcr,
das Mädchcnschulhaus, insbeson-
dere der nach Horky's Plan bis
1872 ausgeführte Schulpalast
das freundliche Bild der Neu-
zeit. Auf dem Hans-Gasscr-
Platz gegen Ausgang der oberen
Stadt begrüßt Dich das von
Mcßncrs kräftiger Hand aus-
Krieg den Schlechten, Kampf den Bösen
Und Verachtung feiler Gunst, Preis den Rettern, die erlösen,
Preis der Freiheit nnd der Kunst,
(Fr, Nari, Oassers Standbild).
Drüben aber im stillen Fricdhufe jenseit der Stadt liegen des Kunstjüngers Gebeine unter mächtiger Stein-
platte, aus fernem Ungarlande voll Ehren ins Heimatland gebracht durch die erste Anregung des Künstlerfrcundcs
und Poeten Hyacinth von Echulhcim.
Und sollen wir mit Denkmälern der Kunst scheiden vom Oberlands-Vororte, so folgen wir nur noch dem
Winke des hohen, schlanken Iakobskirchthurmcs. Nach der Zeit der reinen Gothik erbaut — das obenerwähnte Erd-
beben zerstörte ja den ersten Bau — sticht die Hallenkirche unter den schönsten und größten des Kärnterlandes her-
vor; das uralte Sandsteinrclief, die Verklärung Maria neben dem Annenaltare, die Weißmarmorkanzel mit Iesse's
Stammbaum (1555), das Taufbecken, die rcichgeschnitztcn Betstühle erfreuen durch ihre edlen Linien, bei anderthalb
Hundert Stcindcntmalc, zum Theil von Notinarmor, in den Kirchwändcn, aber leider auch im Bodenpflaster,
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918