Seite - 152 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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152 harnten.
S;Ininern mit zehn Kanonen den Heldentod starb, indem er einer zu großen Uebcrmacht gegenübergestellt geblieben.
Tüstercrnst mahnt das Stcindenkmal des sterbenden Löwen, von Kaiser Ferdinand dem Andenken der Gefallenen gesetzt.
Die Gcmsjägcrstation Oberprcd ladet zum 265!i Meter hohen Mailhart mit dem besten Aufstieg ein; die
hccrdcnbefuchtc Rotwand bietet die erste Rast lind nach fcchs Stnndcn rüstigen Tteigcns kann der Wanderer eines
klaren Mccrblicks bis gegen die MarcuZstadt fich freuen. Aber die mehrfach schwierigen Pfade haben das Dolomit-
gcwändc zu keiner allbekannten Berühmtheit gedeihen lassen.
Nicht westwärts vor dem Raiblcrscc hinauf, wie wir könnten, sondern, um der neuen Sicht willen, draußen im
Hauptthalc setzen wir unsere Fahrt gcu Untergang fort. Die Pontrbbabahn mit den Stationen Saifnitz, Uggowitz,
Malborgct, Lusnitz, Pontafcl ist nur drei Meilen lang und führt mit den Anschlüssen Nesciutta und Gemuua auf
Udinc. Der steigende Thalbodcn bereitet auf die Wasserscheide vor. Bei Taifnitz mündet von Nord her der
schluchtigc Vartolograbcn mit dem Schlängelwcg hinans nach dem gailthaler Feistritz; aber noch zuvor weist uns eine
Engclsgcstalt bergaufwärts. Wer könnte solchem Führer widerstehen?
Der heilige Berg Luschari oder Nunte 83.nto wiederholt das alte, niemals ausgesungene Lied von der
gefnndcncn Ttatnc, und wie in Hellas mit Hera, so ist's in unseren Bergen mit St. Marien gehalten worden.
Statt des Wachholderbuschcs ist's jctzu der Altar in der darüber gebauten Kirche anf dem WischbergAusläufer, der
die Schaarcn heranzieht nicht von Hirten allein, sondern von Städtern sogar aus weiter und weitester Ferne, bis zu
Zwanzigtauscnd jährlich. Ueber hunderttausend Menschen soll das Jubiläum von 1860 hiehergebracht haben! Wol ist
tm'i' ,Uirchlein verschwindend klein, sie inüsseu hinaus ins ZauberhaftFreie alle die Hunderte nnd Tausende, um des hoch
prächtigen Anc-bliäeu bi>5 in die entferntesten Thalgebildc sich zn erfreuen. Am farbenreichsten abtönt sich das verduftende
Scharten-b'unlissenwerk in die ssarnia hinein, ins (5anal di Togna und Raa'olana, hinter Muntatsch, Muggia, Tolmezzo
und Ampczzo fort. Aber auch die nordische Glctscherwelt liegt dargebrcitet, nnd die Wellenlinie bis zum Kur, die
Gefilde Mittclkärntcns lächeln in milderen Farben, besonders klar und zn frcundnachbarlichcr Einsicht erschlossen
liegt das Sauethal, das Kronaucr-Gcschartc und das Dubratschgebict da. Seit fünf Jahrhunderten wiederholen sich
den hicrortigen, an die Abhänge hingenietcten Bcsiedelungcn die fegenden Hochweltstürmc und Schnceeinwehungen; da
starren Schneewällc bis an die Dachräuder, uud oft uuch ist's im Mai verfrüht, mit dem Kirchenschatze nnd den
irdischen Schätzen für Küche uud Keller hcraufzuwaudern aus dem Sitze der Geistlichen nnd Wirte nnd Krämer im
Saifnitzerdorf. lind im Hochsommer, wo die drei Pilgcrhäuser immerhin zweitausend Fremde ans einmal beherbergen
können, pflegt nicht selten der schnöde Blitz mit zermalmendem Grolle in die Felökuppen zu fahren und das bnnte
Marktgewirr zn zerstänben. Auf das gar lustige Leben, welches durch die natürliche Himmelsnähe nicht im Mindesten
geniert ist, blicken die versteinerten bösen Jäger, welche am Echroffgemäncr drüben seit ihrem Schusse nach der
fliegenden Mutterguttcs reglos stehen müssen auf ewigem Anstand, recht finster herüber. Noch immer senden die
Ungar» nnd Kroaten, Tiroler nnd Bayern ihre Dcpntationcn her und sie streiten nicht nm den Vortritt. Halt an,
nnser Schlitten ist vorgefahren. Wie doch? Hat uns weltliche Fahrer, die wir des Annabrünnls und der Heiligen-
derger Almschcnke nns landschaftlich erfreut, die wir uns auch durch die hundert Bcttlerpustcn mit klingenden Kreuzern
und d'enlesimi sieghaft durchgeschlagen, hat uns ein Wintcrfluch erreicht? Ist all die Alpcntrift dem Lawincngestäub
verfallen? Nicht also! Der saifnitzer Bnrsch ladet uns lächelnd auf den schmalen, einsitzigen, hurngriffigcn Holz-
jchlitten, er zieht an und flugs hinnntcr geht's über Gchügcl und Gestein, durch Wildbachrunse und Hohlweggestrüpp
in - sausendem Galopp, bald mit freiem Alisblick, bald uutcr Etranchbeoachung hinweg, bis zur Thalticfc. In
einer halben Stunde anf den Flachboden gesetzt, schauen wir fast zweifelnd zurück lind empor auf den Wegaufwand
von drei, vier Stunden nnd geben dem Summerschlittlcr gerne noch ein Uebrigcs auf seinen Dinglohn. Denn er
soll ja sofort wieder znrück, seine Fahrt äli, c^o zu machen.
Wir müssen von Saifnitz (dem Larix der Römer, dem ssamporusso der Wälfchen nach einer nnbekannten
Fcldschlacht) einen kleinen Gang nach Wulfsbach thun, wo die Franzosen von dein Canal Dugna unter den zerrissenen
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918