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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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harnten. Batterien des Forts Malborget, seit dreißig Jahren neuerbaut. Diesem blanken Grcnzwächtcr der Neuzeit war au hiesiger Stelle wol ein Rittcrschloß — wie Valvasor's Bilderbuch von 1688 beweist — vorausgegangen; das hat die anspruchsvollen Raubzüge der Venetiancr bis Villach hinein, den Anmarsch des kaiserlichen Söldnerhauptmauns Schmidt, den Rückwurf und die watschen Brand- und Raubgräuel der heißen Augusttage 1616 gcfchcn. Oberhalb des Hainmerhauses von Talavai starrten, durch einen Fclscngang verbunden, jene zwei Holzblockhäuscr, ivelche in der Pfingstwoche 1809 dem Ingenienrhauptinann Hensel, dem Infantcriehauptmann Knpka, dem Unterärzte Hutzier und Vielen ihrer Schaar den Heldentod, dem Markte aber Brand uud Verderben brachten, Es waren thatsächlich verlorene Posten, jener von Predicl, wie dieser von Talavai, uerbindungslos mit dem Haupttörper hingestellt, mit zu wenig Leuchtkugeln, viel zu wenig Besatzung, eine wahre Sünde gegen den heiligen Geist der gewöhnlichsten Voraussicht und des östreichischen Opfermutes. Der tödtliche Axtstrcich des Pionniers der Division «'sontaneNi auf Hensel geführt, die dreißig Bajunnetwunden des im Etrohlcndorff'schcn Garten sein Leben aushauchenden Kupka, der Echnß auf den labsalbringcndcn Unterarzt — sie alle werden doch nicht hinreichend gesühnt durch die Kolossalpyramide mit dem lautlos verlechzcnden Löwen. — Der seit siebzig und achtzig Jahren größtcnthcils umgebaute Markt ist der Geburtsort des in der Handclswelt hochbcrühmtcn Fr. Th. Frciherrn von Rcher (geboren 1791, gestorben !816 zu Trieft), welcher in Etrohlendorff'schcn Aufträgen nach Baltimore gegangen, mit Benj. Franklin verkehrend, für Oestreichs Handelsverbindungen mit Nord-Amerika und Wcstindien das Vortrefflichste geleistet. Straße und Bahn führen, benachbart den Rasthüttcn der Hulzdammarbeitcr, auf das schwefelhaltige Bauernbad Lusnitz zu, in obstbaumschattiger Wiese liegend, dann auf Leopoldskircheu mit kahlem Stcinhintergrund, zur Vogelbach- brücke, und cildlich weist die Linie gradaus auf ein ganz stattliches Häusergcfolg. Aber was uns da die Perspektive in Eins zusammendrängt, das sind zwei Grcnzurtc deutscher und wälscher Zunge, sind Reichsgrcnzmarken, hie Oestreich, drüben Italien. Pontafel, das letzte Dorf Oestreichs im Kanalthale, von hübfchcn Nuß- und Pfirsichbäumeu umsäumt, hat nur 73 Häuser und nn 500 Einwohner. Die Wassergüsse von 1837 nnd 1838, endlich die große Ueber- schwemmung von 1848 haben den deutschen Ort schier auf das Dritttheil heruntergebracht. Aber das Wenige ist noch gemütvoll, charakteristisch; es ist der treuherzige Klang der deutschen Sprache, die Hansbanart des Huchgiebels nnd der Brcitschindcl nnd niedlichen Fensterschnitte, in der Schenke die alte Lederbank und das etwas gesammelte Bcisammcnsitzcn unter dein veralteten Herbergszeichen. Ucbcrschrcitcst Du die Brücke, da zeigt Dir die wolgequadcrte Quai-Mauer die Anfangsstclle der fast ehernen Talachini'schen Prachtstraße, führt Dich der trieulurc Schlagbaum mit dem „I/ItHiig. 6 Vittori« Nma,iiu6i6" in ein stuckwnlschcs Dorf Pontebba am linken Flußufer, 396 Häuser, 1950 Bewohner, eigene Kirche, gothisch mit Venetiancrbildcrn, die Häuser mehr stcinmassig, granwändig, flachbedacht mit Hohlzicgclchcn, die Tprachwcise auf Platz und Gasse, in Ostcria und Bude resolut und nicht auf's Geheimniß berechnet, gelbgcsichtige und gebräunte Dünnbeklcidcte mit Hast die Holzkugel des Boccispiclcs schleudernd. Hier ist nichts Vermitteltes, kein Ucbergang — als die Brücke allein. Hier winkt Dir das weithalligc Felsenthor in Tassu's Lande, wo äg, (HQäiäk uuds il 8o1 trg,8pg,i-6. Willst Du dahin? Dann laß mich, den Mann des Nord, allcine ziehen. Gar manche hochtraulichc Stelle weiß ich noch diesseits im deutschen Alpenheim, und lockt Dich zunächst nur die Begierde hinweg, in die Schluchten der pistin t^Hatä. zu ziehen — nun wol, der „gehackte Stein" wird Dir Hierlands noch mehrfach zu schaffen machen. Vernimm nur, von diesem kont-a-ksi aus schrieb Aeneas Siluins, nachmals Papst Pins II . , etliche seiner Ikttsrs tkuMari, hier stand die Wiege des Salincnkundigcn Fr. Freiherr von Schiller (geboren 1773, gestorben 1861), dessen Ruhm sie im schönen Gmunden, Ischl und Ebcnsee kennen — und alsdann, auf! Mit einem saito moi't^ie von sechs Stunden bist Du durch'Z Naßfeld, zwischen Gärtner- und Roßkofl und die Schlauchen hindurch gesetzt in ein Thal, dessen Parterre wir schon durchschritten haben — ich meine das Gailthal.
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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