Seite - 156 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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harnten.
Höhlcnscc hcrfürkommt; der Verlauf mit den Goldzapfen, dem Zwcrgcnschiff und dem Herauskommen unten beim
Thalloch dient Vielen znr Lehre. Seit aber vom „Rcichkogl" das Gülderz, in die Snusing verführt, eines Prassers
Seele hartmütig gemacht, schaut das „versteinerte Maunl" als ein starrer Warner hcrnntcr. Am Golde hängt, nach
Golde drängt doch alles! Wer wollt' es also dem Untcrwclzbaucr füglich verargen, daß cr's eines Tags dem Wälschen
abgelauscht hat, wie er beim „Goldthürml" eingestiegen und mit einem schweren Bündel, gewiß nicht von Straßen
steiuen, sich auf den Weg nach Süd gemacht? Unser reisacher Bauer, auf den rechten Fleck gekommen, greift gehörig
zu, macht sich auch auf die Eohleu, erreicht Udine, verkauft den puren Guldstaub einein gewissen Kanfhcrrn — nnd
darf dort in des Padrone Bergspiegcl schauen. Da sieht er die heimatliche Alm, das Goldthürml, eine Kuh dabei;
der Kaufherr schießt ein Pistol ab, die Kuh fällt und ,,so geht's das nächste Mal dir" — damit ist er entlassen. —
Zanbcrlos sind die hierortigcn Vachgießbildcr und man will's den Kellerfeusteru ansehen, daß sie ehedem Stnbcnfenster
gewesen. Tröstend klingt die Badhaus-Aufschrift: „Dies Bad ist für alle Hebel gut — wcr's nur recht gebrauchen
thut — heilet Wunden, Sorg' und Schmerz — tröstet manch betrübtes Herz."
Dem Lcitenkofl nnd der Zullnerhöh' mit dem Hohen-Trieb steht auf der Straßenseite, sonnbeglänzt, die
Jaulen und der Inckbühl gegenüber; ihnen zugewendet, erreicht der Wanderer Tellach, das Heimatdorf der Brüder
Schabus (der eine, Georg, ein ausgezeichneter Arzt, gestorben auf Madeira 1869, der andere, Jakob, ein schriftrn-
reicher Krhstallkundigcr und Physiker, unheilvollen Todes nach dem Dorfbrandc 1867 gestorben); weiterhin dac-
Kalttuffbad St. Daniel; Gurina, die Hügcllehne mit den geheimnißvullcn Fuudstüctcn ctruseisierender Statuetten,
Palstäbc und dergleichen; Manndorf, eins der wenigen gebliebenen Ritterschlösscr, nun ein wolbchaustcr Landwirtsitz,
schaut gegen das letzte Thalgcbreit hinans nnd der Schluß ist gegeben mit Kötschach und Mauten.
Die tötschachcr Klosterkirche mit ihrem scharfen Linienwerk hat um sich einen ansehnlichen Kreis weißer,
freundlich gegiebeltcr Häuser versammelt. Die Kirche ist überdies eine der größten nnd zierlichsten des Thales, aus
der Zeit der Spätguthit. Auf der großen Glocke steht 1453; die Statue Unserer lieben Frau ward natürlich an Ort
nnd Stelle von virten gefunden. Der von Obstbeständen nmrcihte, malerisch gruppierte Ort ist die Heimat des
Künstlers Ios. von Pichler (geboren 1730, gestorben 1^08, Wien). In Licnz lernend, als Architettnrmalcr vom
reichsten Hochadel gesucht, auch im Fre^co glücklich nnd bei Gesichtabnahme zuletzt Blumen malend, hat er die Plafond'
zierdcn des klagenfnrter Bischofpalastcs und jene in den Prachtsälcn von Larenburg, Austcrlitz, Prcsburg, Prag und
vieles Andere geliefert.
b'hvor wir von Mauten ans einen unerläßlichen Seitenthal-Besuch machen, verfolgen wir die Gail noch auf-
wärts nach dem Stufcnfall bis zu ihrcu tirolischen Anfängen. Ins Lesachthal pilgern wir. Welch ein emsig
pulsierendes Gcädcr von beiden Waldseiten, eilfertige Zustürze schier jede Viertelstunde Weges, größere, klciucre,
wildere, sanftere, lauter köstlich schimmernde Gesellen! Das Naldgehölz steht eigenartig „bcschnattclt" (beschnitten),
die Matten nnd Forste wie reinlich gekehrt, fast sattfärbigcr als irgendwo im Kärntcrlande. Das Herstellen der
vieltainmcrigen Häuser ist Sache der Dörfler selbst; nicht nur unterstützen sie sich mit ihren ergänzenden Handwcrks-
kenntnisscn, sondern manchmal sind Zwei bis Drei auf dem Hausbesitz. Da herrscht eine holländische Nettigkeit
nnd Putzlnst, dabei aber alle Genügsamkeit bei schwerer Mühwaltung. Kaum dreitausend Bewohner, aber kräftige, geistig
aufgeweckte Leute! Wol sind sie „reich zu preisen an unvergänglich schönen Volkcsweisen", um E.Rauschers Worte
zu gcbrauchcu. Ihre Schätze in Bezug auf Sprache, Sage, Lied, crfchloß uus der aus dem hiesigen Liesing geborene
Mathias Lexcr (geboren um 1830, Schüler Wcinholds, gegenwärtig Professor an der Universität Würzburg), Verfasser
des „Kärntischen Wörterbuchs". Es sind mehr tirolische Klänge, die nns anwehen, das wird klarer, je mehr wir
dem Gebietsausbnge nns uähcrn, der in den Umkreis der fast städtisch-fciuen, schlesicrartig parlierenden Tilliacher
hinansgreift.
Bischt et warm und et kalt, Gstatt sou an Fröitach
Visch! k'i lawilcit gnue; Haun i liaber tan Bue.
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918