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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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harnten. Ueber die Lcisachcralm könnten wir hinüber in's Tirolischc, über die famose Fclsentrcppe hinabtlcttern in's Drauthal »ach Mitterwald und Licnz, init welchen Lnggali so ziemlich in derselben Längenlinie liegt. Indeß zn Wirsing giebt's ein Hochzcitfest und sind wir nntcr Forrllenfang wieder zurückgekommen, haben die 99 Graben (etliche sind im Jägerlatein schon dazu gekommen) hinter lins, da liegt denn vor lins Mauten. Der geschäftige Markt, gegenüber Kötschach, fordert mit dem Namen einen Zoll — der Anerkennung, sagen wir gerne, für das fesselnde Bild, das er bietet. Ter uralte Kelten- und Römerweg, nntcr Cäsar uud Augustus verbessert, ist's, auf dem nur dahin ziehen, querab vom Gailthal nach Süd: auf Aauilcia geht die Hauptrichtung lind das nähere ^uglio l/nlium ^ruicum). Entlang dem Valcntinbach, ans dein Westabfall des Hohcntricb herausbrechend, zwischen der Mautner alm und dein riesenhaften Pullinik (2325 Meter) überwinden wir Geröllhügel nnd allerhand Kalkgefüge und stehen nach zweien Stunden an der Thalgabclung. Rechts geht es zur Kcllerwand mit etwas Glctschercinlage, znm Walaya-Hochsee, etlichen Kalkzacken und Iöchern, dahinter Tich schon ivälschcs Hirtenvolk neugierig empfängt; die linke Seite dicfcs hohen, blan plafondierten Haliscs ist die zahmere, mildere, geradezu die liebliche. Ein Thalbudcn wie eine feinwirsigc Parkanlage; herrliche Buchen umstehen ein allerliebstes Häuserwerk, das mit seinem Kirchlein uon einem Felsenrah,nen umfaßt wird. Die gelobte Alpenherbergc der Plöcken, ein ganz comfortabler Gasthof, ist in den gntcn Iahrec-zeiten nie verlassen; von den Sägemühlen sind stets Dielen- und Bretterwagen unterwegs, sie zielen auf die watschen Seestädte; oder die Bären- lind Luchs- und Gcmsjägcr nehmen hier stärkende Einkehr, Pflanzen- nnd Steinsammler kramen ans lind ein, Zeichner und Lufteurgästc erlaben sich an den Reizen des Hochgartens. Man muß recht offne Augen haben, um in's Getriebe der großartigen Alpenwirtschaft hineinzusehen. Wir stehen nur um 255 Fuß tiefer als Hciligenblut, da« Hotel zeigt 3841 Fuß. Zum Paßeinschnitt geht die Steigung noch 472 Fuß lind jenseits, auf wälschcr Seite, trägt das Gcfels und eine Steinplatte jene drei Römer- inschriften, welche melden, es habe Hennias — etwa unter dein Schutze des Hcreulcs Eaxanus und anderer Gott- heiten — als Unternehmer das ewige Straßcnwerk über die wilden Alpenhöhen, die unwegsam, geworden für die Völker, die Brücken und die untauglichen Uebcrgänge in neuer Pfadführung hergestellt. Die tiefere Traee wurde unter Kaiser Valcns und Valcntinian (364 — 375) renoviert. Nach Tischlwang (Timan) und in's fernere Breitthal von Tulmcin (Tulmezzu) steigen wir nicht hinnntcr, wiewol uns das in den Fclsbodcn seit Römcrzeitcn merklich eingcschnittcne Geleise, dann auch der eigenartige Sprachtlang, etwa ähnelnd jenem der Lßtts^oiiliuuni, verlocken würde. Vielmehr streben wir wieder der Zoll- stättc Manten, dem antiken Loncinm nächst dem Flusse Licus zu. Das Höhrnkirchlein Maria-Schnee schickt seinen Gruß herüber und wenn wir gläubige Etrnskcr sind, hier zu Würmlach, untcr'm Pollinik-Vorberg, gegenüber Schloß Manndurf, rief eine Fclsschrift, vor vierhnndcrt Jahren noch lesbarer, die Wandrer an: „Kommt her. Er- müdete nnd schauet auf zur Schrift." Hinter Kötschach leitet ein Bcrgcinschnitt zwischen der Rciskuflgrnppe lind den Gesenken des Krcuztofls hindurch, vorüber an dem spätgothischen Vollbau der Kirche von Laas auf deu Gailbcrg-Paß. Da wir das kärntische Mittlandsthal mit der obern und untern Grcnzwacht der beiden Drauburgcn später ohnehin in einem zusammenhängenden Zuge durchmnstcrn, so beeilen wir nns, um das uutcrgailthalcr Bild zu er- gänzen, auf der Bahnstrecke Obcrdraubiirg-Grcifcnburg zunächst das Weißcnsec-Beckcn und das Gitschthal zn gewinnen, damit von Hcrmagor abwärts bis an die Wcsthängc der Villachcr-Alpc auch dem „windischen Gailthalc" seine Gleich- berechtigung gewahrt werde. Das Gitschthal, unterhalb des Draugebictcs, oberhalb der Gailcinrissc eingebettet, erschließt sich auf dem Weisach-Obcrdorfcr Pfade hinter der Grafcnwcgcrhöhc. Vor der Wcgspaltung gen Gößering ist denn doch das In- cognito des blauschimmcrnden Weißcnsccs zu lüften. Er hat die Waldgnrdincn gar knapp zugezogen und fast lockt er die Ufcrraudwege in sein Wcllgcflute. Erst beim Schmiedhaus nnd Tcchendorf geht da« Bild auseinander. Wie die Fischer, am Wcstufcr den Kahn darleihend, versichern, senkt sich das Becken des drei Stunden langen Seees
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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