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^ 60 harnten.
gestorben 1895, sein Grabdenkmal zu Klagenfurt), der Verfasser der „^loin noricu" lebt noch im Volksgedacht
nissc als des Cardinals Salm Freund, als Wohlthäter der Armen.
Der Markt Hermagor mit dein schonen Ansitze Ncupricßencgg liegt inmitten erfreulicher Ausflugsorte, welche
man allerorten erwähnen hört, sei's der Gupf des Poludnig, die Hochstufc des Osternig, die Käserei auf der Egger
alm, die Urbanikapclle auf der Granitzcrwand. Während die vcrwüstungslnstige Gail den tieferen Thalgrund draußen
durch die nampulachcr und vordcrnbergcr Auen gewält hat, verstärkt dnrch die Abflüsse des Eggersces und der
Ostcrnik-Kuppcn, leitet die Hauptstraße nördlicher unter den Forstgcscnken der Gradlitzen und des Kreuzberges über
die Orte Förolach nnd Görtschach herunter nach St. Stephan, Emcrsdorf nnd Feistritz in jenes Dobratsch-Amphi
thcater, in welches uns der Eintritt schon gestattet war.
Das ist der Kern des windischcn Gailthalcs. Von der ganzen Thnlausstreckung, so geradlinig wie selten eine, seit
den tiroler Marken her bis hinaus zur Gailmündung bei Maria-Gail jenseit Villach, in einer Länge von 39 Stunden
gehört das Gebiet unterhalb Hcrmagor um den Tobratsch südlich herum jenen 9999 Südslavcn, Slovcncn oder Wenden,
welche bis ins 13. Iahrhnndert herein ihre Stainmgcnossen anch noch weithinauf über die Drauscheide in zusammen-
hängenden Ländcrcicn wie auf Hcrrschaftgründcn nnd auf Ritterburgen seßhaft gewußt haben. Finden wir doch noch
jenseit des Kärntcrlandes in Obcrsteicr weite Strecken wendisch benannt und ist der dcrinaligc Nntionsrest mit
113,999 Köpfen auf 69 östreichischen Ouadratmcilcn kärntischen Bodens (33 Perccnt desselben) nur ein verschwin-
dender Theil der ersten Einwanderungen etwa nin die Hunncnzcitcn.
Diese südwestlichsten Slaven Oestreichs, Silani nach ihrem Flußnamen Sila, nennt Echaubach die schönsten
und wolgcstaltetsten der Slaven. Noch vor 79 Jahren war die genanc Männcrtracht: Hohe Bundschuhe, die Strümpfe
grobtuchcn, rot, die Kniehosen grün, der paletutartigc Rock ohne Rückencinschnitt, ohne Falten, die Waden freilassend,
blitzrot, am Hals abgeschnitten ohne Kragcnumbug, eine Lcinwandkrause, breit den Hals einrahmend, der Epitzhnt
von Filz, grün, schmal aufgckrämpt, mit einem färbigen Rundband. Noch tragen sich die Weibsleute also: Dunkle
Niederschuhc, weiße Strümpfe, das höchst kurz geschürzte Kleid einfarbig oder geblümt, kaum übers Knie reichend,
eine Binde um den Leib, auch vornab hangend wie eine Ballschlcife (blan), das Fürtuch, wcnn's beliebt wird, von
reichlicher Bcspitzung, auch mit Farbstickerci von großer nnd kleiner Musterung, das Busentuch dreieckig, die Unter-
enden nm den Leib gebunden, der Obcrzipf am Uebcrhemd „angespcndelt", mehrfarbig, brcitgeblnmt, endlich Hals-
krause und Kopftuch, dieses entweder schneeweiß und spitzcnbcsetzt, oder anch grellfarbig, rot mit gelb. Uebrigcns
diktirt die Thallaunc ihre eigenen „Bazar" nnd „Vietoria", und ich möchte nicht einen Kirchtag riskieren, um
eines Besseren belehrt zu werden. Da versammelt die Torflinde unter ihrem, von uralten Zeiten säuselnden Blättcr-
dachc das hochgemute Landvolk und ein in Herz und Fnß wirbelndes Antiphunnr erschallt zwischen dem Fiedler- und
Bläscrvolk auf dem Holzgcstcll nnd dem Sängerschwarm, daß aller Weltschmerz in Millionen Brüche geht.
Wer hat nicht schon von dem Bauern-Turnci im Gailthale gehört? Das „Kufenstcchcn" wird von drallen
Reitern ausgeübt, die auf Gäulen mit rotbebänderten Mähnen gar kräftig einspringen, in Hemdärmeln nnd Tcidcn-
mützchcn mit schweren, bis drei Schuh langen Eiscnkolbcn je einzelweisc aus der Froute von zehn bis zwanzig Mann vor-
hasten nnd bestrebt sind, die auf den Pfal gesteckte Tonne cinzulöchcrn, zn entreifcn, zu zcrdauben nnd dann gar
abzuschlagen. Mit welcher Gcschicklichkeit, Vorsicht, Ansdauer das vollführt, mit allerlei Schwanken von Zwischen-
fällcn begleitet, wie schließlich der flimmernde Ticgcrkranz zncrkannt, mit „Bnschcn" nnd Reifen abgeritten, alsdann
zur Credenzkannc gegriffen, von Jedwedem sein schmuckes Lieb ans dem Halbkreis der Harrenden herausgeholt wird
zum schwnngreichen Reigen — es ist über einen Tenicrs und Ostadc!
Auch der „hohe Tanz", heftig bewegt, zweivicrteltaktig, gar polterig, ist gegen den „Steierischen" etwas ganz
Eigenartiges uud pflegt dem letzteren vorherzugehen unter gewissen Fcstordnnngsformcln, welche die Ehre der Nach-
bargemcinde nnd die Auszeichnung der Mädeln betreffen. Auch das Handschnh-Hinwerfen, ausgedrückt vielmehr
durch das Hinschlendern des Hutes, ist in ctwclchen hiesigen Dorfgeschichten bekannt. Man sieht wol, ohne Händel
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918