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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Drauthal. der Kirchfahrturt Etting nnd jenseits das westlichste Schloß des Trauthals Roscnbcrg. Vormals war der Grenzinarkt um die, alte gothische Kirche von 1422 mit Mauern bewehrt, das Schloß ein Eigen der Trauburgcr, Kopmaul und Anderer; das Oftthor des Ortes ist erst jüngst gefallen. Das Brandunglück von 1869 hat denn doch manches auch von den alten Edelhöfen verjüngt. Ob das stets drohende Gewässer zu Römerzeitcn, als hierdurch die Straße von Lienz (^ßuoutuiii) nach Villach gieng, durch Wehrbauten gezügelt war? Ein Meilenstein der Kaiser Dioclctian, Constantius, Maximianus (Jahre 284 — 311) wurde in der Nähe gefunden. Wahrscheinlich Obcrdrau- bürg ist die Heimat des Bildhauers Mich. Nußbaumer (geboren 1791, gestorben nach 1860), weß Namens sich mehre in Lienz finden. Der talcntrciche Baucrssohn wurde in die Schule nach Irschen gebracht, gicng alsdann im orauburger Posthause als Postillon ein und aus, fluchtete vor den Franzosen (und Ocstreichcrn) nach Kufstein, Passau, Lienz und erreichte, ins rechte Fahrwasser gelangt, die Künstlerwcltstadt. Daselbst wirkte er noch in den Sechzigcrjahrcn. Außer vielen plastifchen Werken schuf er eine Gruppe „der Begründer von Klagcnfurt", die Lind- wurmsagc behandelnd. Hier stand auch die Wiege des gemütvollen, edlen, sprachgewandten Dichters Friedrich Marx (geboren 1830), bekannt durch seine Werke: „Gemüth und Welt" (1862, 3. Aufl. 1877), die Tragödie „Olym- pias" (1863), das Schauspiel „Iakobäa von Baicrn" (1866), dnrch seine trefflichen Nachbildungen des Edg. Pos, Longfcllow, Poörio, Zendrini, de Gubcrnntis. Wenn er auch der Liebe und dem heitern Lebensgenuß manch schönes Lied weiht (sagt H. Kurz), so bewegt er sich doch mit Vorliebe in höheren Anschauungen, in denen sich wahre Frömmigkeit, liebenswürdige Menschenliebe und überhaupt eine edle Gcsiunung abspiegelt. Das flurenrciche weite „Lienzuer Thal" gehörte, gutnachbarlich mit diesen Berggcländen und den ostwärts abfolgendcn, zum großen Lurncgau und erst in den Tagen Friedrichs IV. war's, daß dasselbe aus Kärntens Pfalz- grafschaft herausgerissen ward und entfremdet blieb, wie fehr auch im Landhausc der Glanstadt die Stände Gegenvor- stellungen machten. Nicht siebzig Jahre landcsfürstlich gewesen, kam das Obcrdrauburgcr-Gebiet mit der hierortigcn Burg in den Besitz jener Salamanka und Porzia, die wir im Unterdranthale näher kennen lernen werden. Die Sommerfrischler am Schrötlhofe preisen die schönen Iuchstcigc ins Möllthal, die Erklimmung des Hochstadl, des Schatzbüchl. In den Gefilden, welche von den Slaven mit dem Bau von Heide und Fennich, Hirse und Linsen, von den Baiern und Franken aber mit der Obstzucht ausgerüstet worden, winkt uns theils auf grüner Höhe, theils nächst den Ufcrrändern: Zwickenberg mit seinem seltsamen Flügclaltar ans dem 14. Jahrhunderte, genübcr Ritters- dorf und Dellach unter der Iauken (mit den Blei- und Galmeiwerken), die beiden Stein, hinter dem noch wohn- lichen Schlosse die stcilgestelltcn altersgrauen Nartthürme vor den Felsplattcn. Wol hausen auf dem Romaskofl nimmer die besänftigenden wcisfagendcn Alfrauen. Denn bei Feistritz und Amlach stürzen Wildbäche aus den Schrofgewänden der Gailthalgränzen herunter, mit den Zuflüssen vom Sandfeld und Hochtrischten und Krenzeck herab, lauter gar böse Gesellen, welche den Tiefbodm durchreißen und mit Riesenblöcken Ball spielen. Gräuliche Versandungen sprechen von ihren Thaten; die zweihundert Jahre hindurch, seit Gailthaler Fuhrleute aus Friaul den Türkischweizen eingeführt, hat ihr ausgeweitetes Rinnsal genug Feldung hinweggcschwemmt. Genüber der Oedenvest bei Amlach, gestürzt 1348, ladet der Ort Berg sowol dnrch gothischen Kirchenbau, das alte Apostelbild der Michaelikapelle (von Ioh. Hanptheller 1428), die Grabsteine des 16. Jahrhunderts, wie auch zu Kirchtagszeiten durch die Tracht-Schaustücke, namentlich der Gailthaler mit dem pfaufcdcrbesteckten Hut, dem hangenden Gürtelmesser, den Hochstiefeln sowie ihren Mädeln mit dem rcichgcstickten Ledcrgürtcl, zur Einkehr ein. Die Filiale St. Athanasius ist dieserhalb vielgenannt. Markt Greifcnburg am Ausgang der Gnopnitzschlucht, die weit zurückstreift, schaut über das Rammwert gegen die Sturzfluten gar festungsgleich bewehrt durchs ansehnliche Breitthal. Aber die bitteren Tage von 1851 leben noch im Volksgedächtniß, und hier hat, wie beim oberdrauburger Marktbrandc, die milde Hand der „stillen Gemeinde" segnend gewirkt. Ueber dem, etwa seit den Tagen der Spanhcimer geschlossenen Markte, mit reichen Kaufhäusern
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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