Seite - 174 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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harnte».
nns, wie sehr des Landherzogs hier
gezimmerte Brücke ei» Tor» im Auge
der bambergischcn Machthaber gewesen.
In dem hartnäckigen Streite war der
aus dem Geschlechte der Andechser stam
mende Bischof von Bamberg, Eckbcrt,
gefangen worden und erst Kaiser Frie
drich II. öffnete ihm die böse Kerker -
thüre im Schlosse von Finkenstein. A,n
lebhaftesten ist es in den erweiterten
Burghallen wol vorgegangen, seit da^
unansehnlichere Schluß nächst Tamtschach,
genannt Eichclberg, seine Stammsprosscn,
die Khevenhiller, auch in dieses Dran
Kastell hat einziehen lassen. Der nächst
dem Portale im Steinbild un« ent-
gegenn'intende Georg Khevenhillrr, der
Landeshauptmann, thürinte diese stolzen Wehrbanten und spannte über Wall und Graben die knarrende Zugbrücke.
Wie ganz anders nach der gewaltsamen Lösung der Kirchenfragc; ein vierteljahrhnndertlichcr Frieden weiterhin und
ganz Kärntcn wäre evangelisch gewesen. So aber wich dem Beispiele der zurückgeschraubten Machthaber das Volt
und der Festsinnigen Rücklaß fiel dem Fiseus zugute. So verließ Panl Khevenhiller den prächtigen Heimatsi!; nnd
wetteiferte mit dein Felsgrund, anf dem sein vicrgethürniter Palast unerschütterlich Stand hält. Die östreichische
,Ul,evenhi>ler Linie konnte sich mindestens noch die Hanptburg Hochosterwitz retten. Nach mehreren Edlen war der Abt
l'hristoph h'aponigg von Ossiach in den hiesigen Besitz gekommen und gab dem Saale den Freskenschmuck mit de»
Scenerien des Mönchc-lebens und den Ebenbildern der Aebte. Die Auflassung der Klöster stellte endlich Schloß
und Lustgarten der schönen Weltlichkeit wieder zurück. Aber wie die Vielumwurbenen schon sind, sie lieben den
Wechsel, nnd so hat sich Wcrnberg nie allzulange an einen Namen gekettet.
Ein wcituorgeschauter Bcrgkulm tritt nunmehr eindringlicher dem Blick entgegen. Es ist der Stcrnbcrg mit
seinem blanken Kirchlein, zu dem es eine sanftgchobenc Wandernng giebt bis zu dem reichumbuschten, pfaucnumschrittenen
Pfarrhof; von da leistet Dir das goloigblauglünzende Hanc-geflügcl gern Neisegeleitschaft über die Stein« und Holz-
staffeln zum thronenden Gipfelbau. Wol zuletzt nur erinnert ein verblaßter Inschriftstein Dich cm da« wicdcraufgcrichtete
Iunonium, das ein Göttcrfrcund auf diesen Höhen in seinen Schutz genommen. Denn zuvor hast Du geschwelgt
iu der entzückendsten Rundschau, welche über der kühlen Sccwässer mehrere und der grünenden Thalgebrcite gar viele
und der verduftenden Bcrgkuppen unzäligc dargcbreitct ist bis an die Grenzmarken von Tirol, Görz, Kram und
der Stciermark. , So deutlich schaust Du in des Ober- und des Unterlands Vororte hinein, daß es Dich nicht
verwundert zu hören, beide Städte zälcn diese so gar unansehnlich scheinende Urkalk-Aufgipfclung (72U Meter, über
Vclden 935 Fuß) zu ihren unerläßlichsten Ausflugspunktcn. Möglich wär's, daß hier an den Sonngeländen,
wie an jenen des Ossiacher-Scc's, wie durch's Lauantthal, die Rebe dermaleinst tricbreich gesproßt und geglüht.
Vergessen wir nicht: an dieser Stelle selbst ragte die Burg der Ritter von Ttcrnberg, eines mächtigen Dhnastcn-
hauses, rcichsunmittclbar und mit dem Grafcntitcl benannt. Die drei goldenen Sterne in Rot werden noch von
den schlcsischen Grafen Stcrnbcrg geführt.
Unterhalb des stillen Pfarrortes Kranzclhofen schimmert das Seedorf Velden, vor unferner Zeit noch wenig
beachtet, seit Iahrzchcntfrist cinc viclbcsuchtc Seebad-Villegiatur mit zierlichen Neubauten, privaten Weg- und Park-
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918