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An den Osfiacher-, Afritzer- und Faacker-See.
anlagen. Von der Sccbucht hat jeglicher Bewerber sich genommen, was das theure Los ihm zugetheilt uud mir in
diesem Sinne besitzt der Ort seine öffentliche Schönheit; wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den
Garten. Dieses Rückert'schc Wort haben die Veldener sich in^s Herz geschrieben und bleiben, wie jeder Starke, am
mächtigsten allein. Immerhin, wenn schon der richtige Jurist das Wasserrecht jederzeit als das schwierigste erachtet,
ist hier noch unendlich mehr Freiheit, als an den Ufern des hochhcrrlich gestalteten, aber fast enguinschnürtcn Veldenscrsec's.
Die Ansflugsannexion der Südufcr und des augsdurf-roscckcr Waldrückcns, das wiegende nnd wogende Schiffslebcn,
die regelmäßige Dampfcrpost und ihre luftige Läudhallc mit der abgeschlossenen, vollendeten Sccsicht, das sanfte
Herüberstrcichcn der Oberlandswindc veranlaßt viele Sommergäste, diesem noch mehr ländlich gehaltenen Ansitze den
Vorzug vor dein distinguirtcn Pörtschach zu geben. Hier schrieb lernst Rauscher seine „Elegiccn vom Wörthersee" (1866).
Das Schloß, dessen Balkon eine wahre Scewarte, war zuvor khevcnhillerisch und zälte unter die von Kaiser
Ferdinand II . eingezogenen Herrschaften; in der Ortenburger-Zeit hausten hier ihnen ergebene Gefolgmänner. Hat
nns der rote Spitzthurin Augsdurfö drüben im Walde zu einer Hainwanderuug verlockt, so können wir, nachdem
wir etwa gen Keutschach und auf den Kathreinberg weiter ausgegriffen haben, bei Abendeinfall uns von der
Stussierhnbc seequerüber zur Villa „am Stein" rudern lassen:
Die Nacht ist zmiberhelle, o laß Dein Bange» sein;
Schon trägt die behende Welle mw in den See hinein.
Ueber Roscck, welches an achtzig Fuß über Vclden liegt, leitet den, durch des Roscnthals wunderbaren Uebcrblick
erstaunten Wanderer ein fast heimlich abgelegener Weg in der Richtung St. Martin und Petschnitzen nach dem
Waldboden beim Wuroutz, wo die faackcr und fiukensteincr Auen sich aufthun, hingezogen unter den riesenhaften
Hochgewändcn des hellgrauen Mittagskogels, der kronauer Almen und endlich des wuchtigbreit gelagerten Dobratsch.
Der Faacker-See glänzt noch vollends als ungeschliffener Diamant; er drängt sich gar nicht aus weiter Ferne schon
zur Ansicht auf, ja, steigt man nicht vollends von den nördlichen Bergstufen zn seinen Borden herab, — von Ost
nnd West nnd Süd her hat man schier Mühe, hinter den milden Fcldwellungcn, durch gelbliche Roggen- und
Buchweiz- und Maisäcker den unbestimmt gezeichneten Ufern bcizukommen. Mit sandigen Strandmulden viel minder
als mit vermoostem Wiesgrundc beginnt sein Gezirk oder es geht durch das saftgrüne Schilficht ein ganzes Irrsal
von Wassersträßchcn, welche der Kahn mit Hulden Hindernissen spielend durchgleitet; denn die üppiggcfülltcn Köpfchen
der weißen Wasserrose und die tellerartig hingebreiteten grünen Blätter derselben lauschen zu Huudcrten an dem
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918