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,80 harnten.
So bleibt denn das Stadtwahrzcichen des Lindwurmes, von dem wir ausgegangen, dieses Gebilde, nicht
unähnlich dem Wappenthierc der preußischen Eranach, der bäuerischen Eßwnrm, der rheinischen Drachcnfcls, oder der
schwäbischen Gehs, immerhin ein Shmbol des Ucberwundcnen, und wünschen möchten wir's von Herzen, das
ungefüge, gar zu rohe Gebilde stünde fern vom freundlichen, seltsam großen Hanptplatze in einer wäldlichcn Anlage.
Der umgitterten Frauensäulc im Ost entspricht das Maria-Thercsia-Standbild im Westen. An Stelle des alten
Denkmals von Donners Schüler B. Moll (1765) aufgerichtet, gilt es nicht mehr sowol der ungarischen Königin
als der deutschen Kaiserin. Das Standbild, ein Werk Pönningers in Wien, stellte Baron Schwarz-Scnnborn,
den Sockel von R. Bayer der Gcmcindcrat. Eine schöne Medaille und eine Gedcnkschrift Direktor Schmucds feierten
die Enthüllung (1872). Die Wcstlinie des Platzes beherrscht das Palais Roscnbcrg-Orsini, Abstieghaus der Kaiser
Leopold I., Karl VI. und Anderer. Das niedere Bogengebäudc mit den Dorersäulen daneben, ehmals Haupt
wache, war 1848 voll des neuen Nationalgardclcbcns, nachmals ein Banklokal. Ueber die nördliche Häuserreihe
herein blickt die kühne Aufkuppclung des
wcithinschauendcn Etadtpfarrthurmes.
Seine Höhe mit 91'578 Metern ange-
nommen (Stephansthurm 136 7, Cheops-
phramidc 137, Straßburg 142 1, Ham-
burg St. Nikolai 144'2, Rom St. Peter
I43'5), wird er von der Platzlängc,
läge er hingestreckt da, noch übertroffcn
mn 28 Meter. Anf der Platzfläche, die
Denkmäler weggedacht, hätte, vermöge
der Länge von 120 Metern, der Breite
von circa 68, die Stndteinwohncrschaft
fünfmal Raum, die Klcioschlcppcn ab-
gerechnet. Ucbrigens stammen diese Sätze
nicht von Archimcdes.
Kurz nur soll unsere Wanderung
durch die zwciunddrcißig Gassen, acht Klagenfurt. Gäßchcn und die übrigen fünf Plätze
sein. Denn in der Wal zwischen
„Städten mit blanken Kuppeln" und
„grünem Wäldcrrcich", um A. Grün's
Worte zu gebrauchen, sind wir von
der letzteren Partei glatterdings be-
stochen und die Städte kommen zu kurz.
Der Eardinnlsplntz, dem Bahnhöfe am
nächsten, hat vor dem Hotel Europc
die Zier des dreiundscchzig Fuß hohen
rötlichen Obeliskes, im >^ahr 1807 durch
kardinal Salm zur Erinnerung an den
presbnrgcr Frieden aufgestellt. Der
übrigen Plätze Denkmäler sind nur
kirchlicher Natur und arbeiten mit jenen:
versteinerten Wolken- und Wasser- und
Fcuerwcscn, gegen welches die Plastik
sich je widerspenstig erwiesen. Keine Büste, keine Denttafel feiert irgend eine weltliche Größe; man muß nur
eben auf den Fricdhof gehen, um hochwcrtcn Männern zu begegnen.
Das alte herzogliche Jagdschloß am Wcstendc der Altstadt hatte gewissermaßen zur Nachfolgerschaft die Burg,
auf dem Südost-Rayon außerhalb der alten Stadtmauer erbaut. Kaiser Marcns Augenmerk war hier, wie so
vielfach, auf eine Waffcnkammcr gerichtet; indeß blieb die Ausführung des Baues, seit den Neubcfestignngszcitcn
und nach Abtragung der hölzernen Zeug- und Harnaschhüttc der kaiserlichen Söldner ganz in den Händen der
Landschaft. Zu den jeweiligen Sejours wohnt hier die kaiserliche Familie; im Ucbrigen bleibt dem Landeshaupt-
manne das Benutzungsrecht. Das Landhaus oder Ständchans, hofscits an den Alten-Platz angeschlossen, die Süd-
fayadc aus dem Akazien-Gelaube der Sternallcen erhebend, bietet ein schönes Architekturbild höchstens in betreff der
Hofarkaden und der Treppenaufgänge. Die deutsche Renaissance von 1591 zurück ist hier ziemlich nüchtern blieben;
am ersten wäre wol der allzutirchlichc Thürmeaufputz zu vermeiden gewesen. Eine heraldische Rarität erster Sorte
bleibt aber der, anderen Städten meist schon entzogene Wappensaal mit den Schildzeichcn aller einheimischen oder
auf das Land bezüglichen Edclgeschlechter. Der Plafond und die Seitenwandung mit den Fresken Fromillcrs
(Karls VI. Huldigung, lauter Porträts, die zulfelder und karnburgcr Feste), die Erzbüste Kaisers Franz I. von
Kißling (1817), der Marmorbodcn, die Kamin-Zierden sind sehr gut gehalten, die Plumthal'schcn Fresken des
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918