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harnten.
stammt aus 1775, der Mölt'sche Plafond aus 1764, die zwei schönen Bronzeengel sind uon H. Gasscr. Kein Tourist
versäumt, den Aussichtsthurm bis zur Galerie zu ersteigen. Wenige gehen höher, in die Kuppeln, von welchen anno 1848
eine riesige Trikolurcfahne wehte. Einer der Wenigen, welche das höchste Gerüst zur obersten Kuppel gelegentlich der
vorletzten Gindeckung in den dreißiger Jahren bestiegen, war der Vater des Schreibers diefcr Zeilen. Vermöge der
Lage Klagcnfurts in einer Scchöhe von 1386 Fuß erweist sich die Thurmspitzc als 1676 Fuß hoch. Die prachtvolle
Rundschau auf glänzende Seen, Kalkschroffen, reizende Ebenen, flimmernde Schlösser hat Schaubach auf das Kräftigste
hervorgehoben. Der Landmann aber versichert, so lange der Stadtpfarrthurm nicht vollkommen eingedeckt, könne kein
Regen einfallen. Die Domkirche zu St. Peter und Paul, eben erst dreihundert Jahre alt. von Anfang an dem
evangelischen Ritus bestimmt, nachmals für die Katholiken in Anspruch genommen und den Jesuiten als Klosterkirche
übergeben, umschließt schöne Stcinaltäre, Altarblätter vom Ocstreicher Daniel dc Graw, Paul Trogcr. während die
Fresken mit derbnordischer Schwere und Finstcrhcit kaum anmuten. Die vier Chorstuhlbildcr, angeblich nach Rafacl,
Kirchgewänder aus der Rococozeit sowie der kräftige Orgelbau sind der Erwähnung wert. Der alte wuchtige
Klostcrbau ist nunmehr Kaserne.
Etwas älter, aus des sechzehnten Jahrhunderts zweiter Hälfte, ist die Hciligcngciftkirche. Vom hiesigen Kirch-
thnrmc gehen die bcstgcstimmtcn jener Klänge aus, von welchen das Volk sagt:
Das klagenfurter Gläut, das hört m'r gar weit.
Wer traun wol wer'n, wann is nu'in'r wer her,,,
Unter den übrigen Kirchen: der Benediktiner, der Kapuziner, der Elisabethinncn und des Bürgerspitals
enthält die vurletztgcnanntc ein vortreffliches Huchaltarblatt, der Gekreuzigte und Magdalcna, vom Tiroler Köck
und sonst in den etwa hundcrtuudsiebzig Jahre alten Kirchcnräumcn mancherlei Erinnerungsstücke an die Erzherzogin
Marianne; das letztgenannte Gotteshaus ziert ein Sebastiansbild von Fromiller. Das plastische Meisterwerk der
Kreuzabnahme von Probst aus Salzburg, der St. Andreas und St. Peter nach Gnido Reni von Ioh. Schäffcr-
Leonhardshof in der Pricstcrhauskavclle, die Prupst'sche Plastik der Bischofskapelle und deren heitere Fresken von der
Hand des heimatlichen Künstlers Joseph von Pichlcr, die sieben Oelbildcr in Basrelief der Seitenwändc, Hcilands-
sccnen von Ios. Linder ergötzen das Auge des Kenners. Die jüngste der Kirchen ist die der evangelischen Gemeinde
am Ländhafcnplatz, crbant 1863.
Noch ein kurzer Stadtgang, alsdann sei's aus den Mauern geschieden! Vom Hanptplatze geht es durch
die schattenreiche Stcrnallec, wo früher der Landhausgartcn mit hohen Mauern sich abschloß, gegen das Schauspiel-
haus. Vor etwa hundcrtfünfzig Jahren noch eine Ballspiclstätte, im Jahr 1738 mit Dekorationen neu ausgestattet,
in den Jahren 1787 nnd 1811 restaurirt, hat das unansehnliche Haus doch auch seine Erinnerungen. Es brachte
frühzeitig Aufführungen Schillcr'schcr Dramen nnd spiegelte den Geist der Acra in den französisch-deutschen Kriegen,
1848 und später; hier lernte der 1824 zu Dresden verstorbene I. A. Christ seine ersten Bühnenbewegungen, hier
wirkten als Hochstrebcndc Kornthcucr nnd der nachmalige Hofschauspicler Rieger, hier elektrisierte Wilh. Kunst die
begeisterte Jugend. Anch Wenzel Scholz, dessen Mutter Iosepha im Jahr 1808—1810 hier Direktrice war, ist da
das erste Mal aufgetreten, als Aushilfsmann, nnd später als erwünschter Gast mehrmal wieder gekommen. Jenseit
der Reitschule und des Stadtgrabens ist die Hcrbcrt'schc Blciweißfabrik ganz besonders sehenswert. Aus den Kammern
zu hundcrtfünfzig bis dreihundert Ccntncrn Blei-Inhaltes gehen jährlich viele Tausende von Centnern nach England,
Rußlaud, in den Orient. Die Anstalt steht seit 1760. Im Hcrbert'schen Gartcnschloß finden sich kleine Kunst-
sammlungen. Nächst dem St. Vcitcr-Thorc liegt auf der einen Seite die aus allen Weltausstellungen berühmte
Ricmcnwaarcnfabrik von C. Nenner, durch Pferdegeschirre und Neitzeuge den Sportsmans geläufig, auf der andern
die Lederfabrik Iancsch, Polster-Hofmann; das Wudlcy'sche Gartcnschlößchen mit jenem antiken Etatucnstück (Kaiser
Maximianus Hcrculcus), dessen Sockclrclief mit den Hercules-Scenen als zeitglcich mit den wälschrn Bauten von
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918