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harnten.
weg n^ch dein Areuzbcrg.
Mit der Devise:
„Ueber die Fläche — welcher Gmuß!
Gleitet im Fluge schwebend der Fuß,
Alles ist Eile, alles ist Flucht" —
stürmt der Einzelne, stürmen ganze Gruppen stundenweit auf dem glänzenden ^ilbcrparkct dahin; Quadrillcs,
Punfchaden und Fackelwanderungcn malen das prachtvolle Nurdlands-Winterbild. Wenn aber der Lenz mit milderen
Lüften herannaht, sei's in der ersten oder zweiten Hälfte Aprils, da giebt oft Gin Tag die Entscheidung. Wie in
den Glctschcrthälern der Eisschub und der Moränenschutt besonders die ruhigere Nacht durchtönt, so hat auch der
nach Entfesselung ringende See gegen die aufgecistcn Ufer fort und fort neue Krystallblöcke aufthürmcnd heran-
geschoben; ein Krachen, wie wenn ein Ricscnstab über den felsenhart gefrornen Deckenplan schlüge, geht weithin von
Berg zu Berg und die fernabreichenden Risse und Klunsen bedeuten des Frühlings Breschcschicßen. Noch aber befährt
der Landmann mit beladcncn Wagen von einer Uferseitc zur andern die oft dicht umnebelte seltsame Fahrstraße und
die Sonne beschcint wie Bahnschicnen die in unendliche Sicht gezogenen Nadspuren; noch ist auf der Schattenseite die
Eislagc mächtig nnd scheint den Dörflern das Spiel des Eisschießens vielleicht über die Osterwochen hinaus zn
garantieren. Da bricht ein Lcnzsturm aus Westen mit siegender Kraft herein, tlafterhuhc Eisberge schwimmen
heran durch die erst schmalen, dann breiter gelichteten Waken, fie sinken ab und stürzen ein, die Welle erstreckt
ferner und ferner hin ihr lustig bewegtes Reich und so ist nicht selten vom Morgen bis Abend das Becken,
mindestens bis an die Schattenseiten, frei geworden. Manche Holzbauten hat der harte See allerdings während
des Winters erdrückt und zertrümmert; aber der Befreiungskampf mit Festgcdonner führt ihm wieder alle Herzen
zu, um so mehr, da er von Mai bis gen Oktober mit fünfzehn bis fünfundzwanzig, durchschnittlich achtzehn bis
zwanzig Grad Wärme ein großes, herrliches Bad bleibt und durch die würzigen Düfte feiner Fichtenwald- und
Haidckurn-Umgrcnzungen stärkt. Im August zieht an seinen Ufern die übliche Viencnwanderung vorüber, wann der
obcrkärntischc Landmann seine „Peinvögel", die um diese Zeit etwas „harb" zu sein belieben, auf Sommerlust ins
Unterland verführt, über Tag lustig einkehrend, bei Nacht mit der süßen Gesellschaft bei dampfender „Pipe" reisend.
Leider fühlt sich aber der ein lind andre Schwärm zu einem Ausflüge nach überseeischen Feldern verlockt, er kommt
glücklich hinüber, doch allzuschwcr belastet ermattet er auf dem Riickfluge und der grausamen Wellen Beute wird
Honig und Imme.
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918