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harnten,
nur die Grdschründe und Mauer-Rnßflccken von dem Getriebe nächtlicher Tcufelbeschwörer und Tchatzhcber. „Im
tiefen Keller sitz' ich hier" — das allein noch klingt mit Fug und Recht aus grauen Ritterzeiten wieder in den
Felsmaucrn des „kalten Kellers".
Tas Schloß Wclzcncck, kaum eine halbe Stunde nordöstlich von Klagenfurt, gehört zu jenen breiten, ungefügen,
wenig zierlichen Burgbauten mit den eisernen Fenster-Vergitterungen nnd Vcrkröpfungen seit Ende des 16. Jahr-
hunderts, welche durch die vier Eckthürmc von Weitem sich ankündigen, ähnlich Waycr bei St. Veit, Silbcreck nnd
anderen. Wclzcncck war vormals cin beliebter nnd belebter Schirßstandort, wo manches „Best" mit heißem Bemühen
erschossen und mit Bcchcrklang glorifieiert wurden. Das hallcnrcichc, mit Iagdtruphäen ausgestattete, zuletzt roscn-
bergischc Schloß nennt sich von den Wclzern, die seit IU68 nach den verunglückten Kcutschachcrn des Landes Oberst-
stabclmeister waren. In der Richtung gegen die „Sillebrucken" am Gurkfluß und herwärts einer ziemlich eintönigen
Ebene stoßen wir auf Blasendorf, wo der kärntische Herzogbaucr zu Hause war, der Edelbaucr oder Edlingcr. Tcr
Glascndorfcr oder Blascndorfer nämlich galt feit uralten Zeiten als Anwalt der Volksrcchte und der Landesfreiheiten:
aus Karl's des Großen Tagen schrieb sich des Freigelassenen Vorrecht, nach dem Fürstenstein zu Karnburg unter
dem Karncrbcrg zn ziehen und dortselbst vom stehenden Landcsfürsten die Wahrung der Gerechtigkeit und Milde sich
versprechen zn lassen, worauf die Lehcnvcrthcilung auf dem Herzogstuhlc des Zolfcldcs erfolgte. Tic ausdrücklichen
Ttcuerfrcibriefc der Edlingcrhnbc laufen seit dem Jahre 1414 fort und wurden noch 1801 und 1823 erneuert.
Der letzte Hcrzogbaucr starb 1828, die Hubc ward verpfändet lind kam dann in die Hände der Familie Wertl.
An die uralte einheimische Sitte, Frcudcnfcner anzuzünden (zu Ostern, zu Sunnwcndzeit, Hausräucherung in
den Rauhnächten), erinnert das nahe Schloß Portcndorf mit seinem Brcnnamt. Mehrere Herdstellcn mit Reisig
wurden beim Fürstcnstcinc in Brand gesetzt als Zeichen der Huldigung und zugleich des landcsfürstlichen Schutzes für
Haus, Hof nnd Herd. Jenseits Timenitz und der Gewerkschaft Frcudcnbcrg empfängt nns auf fruchtbaren sanften
Abhängen Pfarrdorf nnd Schloß Ottmanach, in welchem außer manchem Gange süßen Edelobstes immer cin Sortiment
römischer Ausgrabungsstückc vom nahen Magdalcnsbergc zu finden war; der schöne Bronzc-Gryphus ist nach Wien
gewandert. Der Magdalcnsberg (Hclencnbcrg) nimmt ob seiner Rundschau, bei geringer Höhe (1952 Meter) und
mäßigem Anstieg, eine viclbelobtc Stelle ein; M. Pcrnhart hat auch diesem Pnnktc seinen Stift gewidmet, das Bild
besitzt Bischof Wicrh. Die gothische Kirche mit ihrem Holzschnitzschinucke ist jedenfalls auf eine alte romanische Baute
vor dem 11. Jahrhunderte zurückzuführen und diese auf cin römisches Fanum, welches den leicht zu ersteigenden
Berg bekrönt hat. Die sonnigen Gehänge trugen manch ein Tusculum, zugehörig zur nahen Römerstadt Virunnm;
in dem letzten Jahrzehnt deckte man ganze Häuscrgrupvcn mit ihren Farbwändcn, mit ihren Einrichtungen in Fein-
und Grobthon, in Glas und Bronze, Eisen und manch eine Inschrift auf. Namentlich sind die Gründe des Gradischuigg
jederzeit ergiebig und eine wolfcilc Quelle des Priuatsai.imlers. Planmäßige Grabungen im Großen, wie sie die
Regierung in Italien freigebig aufwendet, würden hier uud auf dem Zolfelde zu den lohnendsten Erfolgen führen.
Wer kennt nicht den edelgcformtcn ehernen Hermes Lugius von Wien, vormals als Antinons (auch Germanimü»
bekannt, cin Standbild von fast 2 Metern Höhe? Es wurde hier aus dein Erdboden gehoben im Jahre 1502 und
kam zuerst nach Salzburg. Ucbrigens ist diese Höhe weder der Mittelpunkt des klassischen Fnndbodcns noch cin
eastellfähigcr Punkt, wofür sie mehrfach angesehen worden. Ottmanach, durch dessen Fcldungen gewöhnlich der Aufstieg
erfolgt, ist die Heimat von Dr. V. Pnntschart, dein wir mehrere römisch-rechtshistorische Untersuchungen verdanken,
und vi,-. Val. Pogatschnigg, dem kärntnerischen Sitten- und Sagcnforscher, welcher, wie durch seine „Wälschcn in der
Sage", auch durch seine mit Ein. Herrmann herausgegebenen „Volkslieder ans Kärntcn" sich bekannt gemacht hat.
Tie Ausläufer des Berges gehen mit dem „Braun-Udl" und dem Grazcrkogl hinaus an die Nordgrenze des Zulfclds.
Vor nns liegt das Zolfeld, cin ausgedehnter Weidcplan, thcilwcis versumpft, westlich von der Glan bespült,
ostwärts mit sanftaufsteigcndem Nadelwald-Hintergründe, umrahmt vun den Bergen und Ortschaften Brann-Udl, Kartit-
schcn, Grazcrkogl, St. Michael, Nirdcrdorf, Schloß Tanzcnberg, Dcntschpörtschach mit Ulrichsberg, Karnburg, Emcrsdorf,
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918