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Mrnten.
Ankershofcn la:n das große landwirtschaftliche Gut an Graf Fugger-Babcnhauscn, welcher anf demselben die Fabrikation
des tanzenberger Käses eingeführt hat. Ueber das Hochdorf Teutsch-Pörtschach ragt der runde dunkclwaldigc Ulrichs-
berg, der Wetterprophet der Glanstadt, ähnlich dem stcierer Schocket, mit einer Kirchruinc bekrönt, welche die Nach-
folgerin eines von Aulus Trebonius gewidmeten Isis-Norcia-Tempcls ist.
Karnburg gilt als die Pfalz der kärntcncr Herzoge. Hier lag das Fürstengehöft, umfriedet von mächtigen
Linden und Eichen auf mäßiger Anhöhe und noch heute sind an der Bcrgseitc Wall nnd Graben zu finden und
am Ostcnde die sprudelnde Königsquclle. Hier verbrachte Kaiser Arnulph im Jahre 888 das Weihnachtfest und
zollte mehrere Vergabungen. Gen Sonnenaufgang auf dem Acker stand noch vor siebzig Jahren der Fürstenstcin,
Herzogtisch oder Kaisertisch, auf der Plattfläche das Landcswappen, später nach dem Wicscnrain nordwestlich gebracht
nnd jüngst von der Iaklhubc hinweg in den großen Landhaussaal unter Fromillcrs Bild versetzt. In diesen Gefilden
erfolgte seit des achten Jahrhunderts Mitte die Hcrzogscinsctzung mit dem ersten Akte, indem der Edelbaucr mit
Stier und Stute den Fürsten mit Gefolge fitzend empfängt, ihn nm Recht und Glauben ausfrägt, sich Schutz und
Freiheiten versprechen läßt, worauf der Landesfürst, welchem ein Backenstrcich und aus dcm Baucrnhutc ein Trunt
Wassers gereicht wird, unter Schwertschwuug nach den vier Erdgegcndcn den Rcgentenschwur leistet. Die Scene,
^U' auf des Zolfelds Steine der Edlinger einst faß,
Der goldnen Worte keine zum Vackenstreich ucrgaß,
ist oft besungen nnd gezeichnet nnd auch das Schwnrhandrelicf auf der Thurmwcstscitc der alten karnburger Pctcrs-
kirche auf das vaterländische Fest bezogen worden. Mit dem Besuche Moosburgs und der Heimkehr durch das
amnuthigc Wölfnitzthal schließen wir diese Wanderung am günstigsten.
Die freundliche, ziemlich offene, wasserreiche Nicderwaldgegend mit den silberglänzenden Weihern nm Moosbnrg
gehörte seit den ersten Slavcnzeiten zum landfürstlichen Pfalzgute von Karnburg; doch wird man die sumpfumgcbenc
Kriegc-burg des larantancr Großreiches, ungeachtet der Trutzbautcn auf den fünf eichen- und fichtenbekrönten Hügeln,
besser in einem östlicheren Brcitthalc suchen. Daß Karlmann Hieher vor dcm zürnende» Vater Ludwig dcm
Deutschen im Jahre 862 sich zurückzog und Arnulph als Knabe und als Herrscher in diesen Gründen gerne weilte,
giebt der wolbclcgcncn Jagd- nnd Wirtschaftsburg keine weitere politifche Bedeutung. Des Reiches Erzjägcrmcistcr,
der Herzog von Kärntcn, kam häufig nach derselben. Später verlor das muusburgcr Gebiet nach den Ungarneinfällcn
auch an kaiserlichen Familien-Erinnerungen, denn die Sachsen-Könige wußten auch im engeren Daheim der reizenden
Ansitze genug. Moosburg blieb, wie später so manches Gut, den Verwaltern und Pfalzgrafen. Die lieblichen
kleinen, grünumrandctcn Teiche, unter welchen der Strußniggtcich mit dem Inselauge der schönste, besucht hie und
da der weiße Storch, aus Spanien beinah alljährlich durchziehend, seltener der schwarze.
Das Wölfnitzthal, voll lieblichen, stets neu anziehenden Wechsels von fruchtbarem Feld, Mittclwald, Hoch-
gchöft, Aucngebüsch, Wassergcrinnscl, wolumzirktcn Dörfern und malerisch hervortretenden Schlössern, überschaust
Du am günstigsten bei Seldenheim. Auf leichter Erhebung graues Schloßgcmäucr, ein lauschiges Kirchlcin, tiefer
in der Waldschlucht liegend Ringmauer und Warte von Alt-Seldcnhcim, — was willst Du noch mehr des Welt-
abgeschiedenen? Um 1540 war Ott der Liechtensteiner, der Erbmarschall Kärntens, hier Schloßgebicter, der Genosse
des Johann Ungnad, welcher im Vereine mit den Weisbriach, Rambschüßl, Bibriach, Bergkhaimer aus der schwäbischen
Druckerei die slavische Bibel sammt Postillcn für das Landvolk herstellte. In des Kirchlcins Gruft aber fchlummcrn
ruhig die Ahnen der Windischgrätzer, deren gefürstcte Enkel das Gut übernahmen. Der fahrende Ritter fchloß einst
sicher die Schönheiten der Schlösser Halleck, Drasing, Hornstein, Falkenberg, Pitzclstetten, nicht minder Ehrenbichl,
Ehrenthal und Ehrenhausen, den poetischen Waldhof und Magcregg, des Landes älteste Kunstmühle mit Ponceletrad,
in seine Erinnerung. Wir besuchen noch Zigguln nächst den Kreuzbergaulagen, 1645 von den Jesuiten für die
Soinmcrlust der Zöglinge gekauft, und beschließen dann, indem wir unterhalb St. Martin, dem Steinbier-Vororte,
den Ländkanal nnd die Sicbenhügel übersetzen, unseren Rundgang um die Landeshauptstadt.
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918