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Vas Rosenthal.
Das Rosenthal.
3)as stromdurchfurchtc Langthal, welches sich am Nordfuße der himmelhohen Kalkschroffcn der Karawanken
von dem drcihäuptigcn Mittagskogl herunter bis zur ernstaufragcnden Obir hinzieht, das südlichste Grenzthal der
schrankenlos flutenden Dran, jedem Wanderer unvergeßlich in's Herz geschrieben, das laßt uns nun aufsuchen
gehobenen Gemütes. Von Victring, der Fabrik-Abtei, gehn wir aufwärts. Die breite Heerstraße drüben, die auf
Hullenburg und abzweigend nach Maria-Rain führt, die bleibe den Anderen. Zwischen den Gczäuncn von Noschitzcn
und Wurdach kommen wir auf Berghängen, die uns mit jedem Schritt das Oberthal lockender aufthun und die
Flußläufe entrollen, nach Köttmannsdorf. Die sonnigen Hügelblößen trugen in genügsameren Zeiten, als selbst
der Abt den Säuerling goutirte, weithin die Weinrebengänge, wie das auch den warmen Leiten beim Stcrnbcrg,
an der Glan, bei Osterwitz, Guttaring,'S. Saluator bei Trixcn, Völkermarkt und selbst den nördlichen Sceufern
bis Millstatt noch abzulesen ist. In den ausbrcchcnden Graufcls - Gcfügcn aber von hier bis Rotenstcin hinunter
wohnten die Saligen, die Schicksalsfraucn, slavische Sibyllcn, im grauen Langklcidc, mit wallendem Haare dein
Volke erscheinend. Bei Ludmannsdorf, gegenüber dem rothäuptigen Matschachcr-Gupf, biegen wir hinauf gegen den
dichten Tnriawald und können zu St. Ilgcn, vielmehr unterhalb des frcigelcgcncn Hügclkirchlcins von Kmnitz,
mittelst Ueberfuhr den knapp herantretenden Fluß passieren; oder noch diesseits im Angesichtc des wohlbcbantcn,
weithin schachfcldartig sich erstreckenden Thalbodens das Ziel unserer Wanderung, Dorf und Schloß Roscck, erreichen.
Nur ein Waldrücken trennt uns von der obersten Bucht des Wörthcrsce's, und hier hat die Wassermasse der
Dräu ausweichend sich ein Rinnsal gebrochen, das sie mit wechselnder Laune bespült und verläßt oder der lang-
gestreckten Jochbrücken entäußert. Das Kirchdorf, kaum fünfzig Fuß höher gelegen als der Seeort Velden, streckt
gegen Ost eine schattigstille Lindenallee aus, der zur Seite das anmntige Schloß des Fürsten Friedrich Lichtcnstcin
seine Flügel gegen das offne, sonnige Thal kehrt. Erbaut vom Fürsten Roscnberg, mit Oel- und Aquarcllbildcrn
und einem prächtigen Mosaikgcmalde, allerlei Porzellan-, Waffen- und Iagdkostbarleiten reichlich ausgestattet, wird dies
liebliche Tivoli durch den nahen Ziergarten, die bebuschte Drauinsel, sowie durch das Damhirsch- und Rehgeheg rings
um den Fichtenkegcl des Frcgcrthurmes noch unvergleichlich verschönert. Die Stätte von Frcg, deren Linie im fünf-
zehnten Jahrhunderte ausgieng, war noch vor zweihundert Jahren wohnlich, Erker und Thürme gedeckt; jetzt starrt
nur der an dreißig Meter hohe Wartthurm aus den Baumwipfeln. Der schwelgende Blick aber dringt durch die
Ufcrgesenle der Dran hinaus über den buntbemalten Feldcrtcppich bis zum breiten Kirchhügel von St. Jakob, hoch
über allen Dürfcrgruppen und den Randerhebungen auf das bald almgrüne, bald kahlausgewaschcnc und zerrissene
Grenzgewände gegen das Krainerland. Denn hinter diesen abenteuerlich geschnittenen Linien liegt das Gebiet der
wurzener Save, liegt Lengcnfeld, wie hier gegen den schimmernden Draubogen das Längdorf gegen Drailach, grad-
über jenseit der drei Triaskalkgipfel des Mittagskogls. Jener grünsammetnc Einschnitt, an den der Petclinfels
stößt, die Noschitza, leitet über nach Biernbaum und Aßling; die aufgeschwungene Quadia denke Dir als einen kecken
Thronstuhl gerade gegenüber dem Terglou; es folgt die breitgeformte Golitza und jenseits des Kotschna-Sattels die
bizarre Schroffung um den Stou, auf dessen gerundeten Hochgipfel die Veldcser Hinblicken. Bis zu dieser Marke
zurück streifen die Hochgänge des Bärenthals jenseit des felsengebetteten Maria-Elend und schon harren wieder als
Thalwächter hinter dem Singerberg die zerklüfteten Felsenkuppen der Vertatscha des Bodenthals (2185 Meter).
Verfolgen wir nicht weiter den Höhenflug über Harlouz und Matzen, Koschutta und Obir — wir rücken ihnen ja
noch näher — und snchen absteigenden Fußes den nächsten weiten Ackcrplan zu gewinnen. Da wird uns das freund-
liche Mühlbach aufnehmen, zu schattiger Ruhe ruft das St. Peter-Kirchlciu, im weiten Bogen ladet die von Hüflerreihen
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918