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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Rosenthal. Abstürzen der Südseite gegenüber führt vom waldigen Nordgebiet her die ansteigende gedeckte Brücke, einst Zug- brücke, zum Eingangsthor; das ragt in dem Schmucke der Wappen Dietrichstein und Gonzaga-Guastalla-Sabbionetta und weist auf die Verschönerungslust von 1660. Lockt Dich im oberen Bogengange die Reihe der Iagdtrophäcn, das Säulstein-Gewappcn, die HauZkapcllc oder die herrliche Ausschan vom südwestlichen Eckzimmer? Zufernst hast Du Schneehöhen und lebcnlos zerklüftetes Weißgcfels, zunächst unter Dir die Wcingart-Terrassen, die wol schon vor 1673 mit der edlen Rebe bestellt waren. Um 1763 soll die Sorge für das zarte Gewächs nachgelassen haben nnd dennoch gelang es im Jahre 1834, auf Grund von hundcrtundsechzehn hier erzogenen Rebsorten ein eklatantes Winzerfest unter einer feurigen Theilnahme von dreihundert Fcstpilgcrn zu feiern und schließlich im Feuerwcrks-Glutschcin neben dem watschen Bajazzo, mittelalterlichen Masken, urheidnischcn Bacchen und Silenen auch den Gouverneur von Illhrien und den Erzbischof von Wien erscheinen zu lassen. Ehe wir über Kirschentheucr flußabwärts nach dem Waffen- und Thalhauptorte Ferlach eilen, sei uns nach einem Trunk des löblichen unterbergener Bieres ein Einblick in das Paßstraßen-Thal des Loibl erlaubt. , Eine Hanpt- Verbindung mit Kram, wichtig wie die Eingänge bei Pontebba, beim Predicl, unterm Manhart und — wie wir sehen werden — bei Eisenkappcl! Und die Straßcnführung war ihrcrzeit eine That gleich der Scmmering- und Brenner- bahn! Der Anstieg reicht zwar nur an die 2946 Fuß über die Trau, jedoch gestatten die jähen Abfälle zwischen Singerberg und Harlouz keinerseits einen weitvorbercitendcn Zugang und ragen die grauenhaft steilen Kolosse der wcißkantigen Sclcnitza gleich hinter den geschluchtctcn Waldrücken herauf. Innerhalb dieses Nahmens entwickeln sich die Bilder des Loiblbach-Wasserfalles, der 90 Fuß über dem Abgrund gespannten Teufclsbriickc, der Magdalcncnkirche, der Herberge znm „deutschen Peter" und des einsamen Hochkirchortes Et. Lconhard, bis endlich oben im Vcrgdurch- schnitt durch das hellgraue Kulmgcfcls das Phramidcnpaar erscheint, von welchem ab Dein Auge durch die blauen Wellenlinien der Krainermark fernabsieht. Bis ins 16. Jahrhundert nur ein Saumpfad, nach dem LubcllinnZ in alten Chroniken genannt, von den Türken versucht, nachmals mit einem Galerie-Durchgang von hundcrtundfünfzig Schritten Länge schließend, wurde dieser Hochjochwcg endlich 1728 auf das Kunstmäßigstc durchgeführt unter der Leitung des St. Pauler-Benediktincrs Max Pülpach. Die Pyramiden stammen noch von den alten Durchschlags- pfcilcrn; in neuerer Zeit hat man den Gedanken eines Durchbruches von St. Lconhard bis jenseits nach St. Anna wieder anfgenommcn. Fast alle Auswege rechts und links, ins Bodcnthal, in die Zell sind voll von französischen Kriegscrinnernngcn der Jahre 1797 bis 1813. Im Rufe des besten Gcmsrcvicrs stehen die Harlouz-Schlucht und Kottla und während die Steinrabcn, entweder in beweglichen Schwärmen durch die hohen Stcinsälc kreisend, oder in langen Reihen an den Felsrändern sich sonnend, als Rcgenzcichen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, führt das kleinste Gebilde der zarten Kokeil-Pupa hier ihr fast unbemerktes Leben im Dunkel der Steinklüfte. Wie weit vom regsamen Flußthal reichen die Qucrthäler von Waidisch und Zell an die sattellosen Ricsen- maucrn der ländcrabgrcnzcndcn Koschutta zurück! Von den Mittclhöhcn des linken Drauufcrs unterhalb Hollcnburg flimmert Maria-Rain, die zwcithürmigc Kirche, von den Victringcrn begründet; sie enthält neben Bildern des 17. Jahr- hunderts auch eine altrömischc Ara mit Wcinlaub-Arabesken; weiter draußen gegen den Thalabfall stehen die ver- schönten Spuren der alten Einsiedelei, vor der aufgcthan alle Pracht des Rosenthals von der Obir bis zum Mittags- kogl aufblüht. Unten aber, hart an der wüstcnartigcn Versandung, welche der Loiblbach ins grüne flache Land gar unhold hereingerissen und hcrangcschwcmmt, sind die Reihen der freundlichen weißen Häuser von Fcrlach hingestellt. Das ist ein Pfarrdorf ganz eigentümlicher Bedeutung, ein deutscher Vorort knapp an den Wenden-Distrikten, wolhabcnd, von fast stetem sonntäglichen Aussehen. Seit der vermuteten Einwanderung von Neumarktlern jenseits des abge- stürzten Loibls zwischen 1268—1350, deutlicher seit dreihundert Jahren hat sich diese Ansiedelung, man kann wol sagen, an der Schwcstcrhand der neuen Hauptstadt zu dem erschwungen, was sie ist. Niederländische Meister und Gesellen thaten hier mit Schutzbricfcn von Kaiser Ferdinand I, ihre Werkstätten auf und scheinen für das landschaftliche und
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
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