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202 harnten.
Gradisch und Glanhufcn, forcllcnreich, um endlich von Feldkirchcn abwärts der größten Betriebsamkeit sich zu befleißen.
Jetzt schaut sie an ihren lächelnden Ufern allseits anch jene Schlösscrpracht, von welcher der Dichter singt:
Ta steigt kein Vergeshanpt, kein Hügel auf,
?cn weithin schimmernd eine Burg nicht krönte,
So einfam schleicht kein Flüßchen seinen Lanf,
Wo nicht des Hammers wuchtger Schlag ertönte.
Die minder mühselige Arbeit in Acker und Berg begleitet ihre Ufer; das Volk, minder stämmig und den Städtcr-
moden zugängiger gemacht, schätzt nächst dem Loden auch das bessere Grün- und Blautuch. Das rundgupfige Filz-
hütlcin mit den hangenden „Pöscheln" nnd den aufgesteckten „Nagerl" und Nosenkrnut läßt der Maid gar gut.
Außer dein „Sterz" aus Haidcnmchl, dem Hirsebrei und dem lcidigklarcn Most weiß der Bursch feinen Hammel-
braten mit dem Stcircrwcin zu finden. Dorf nnd Flecken, wie niedlich und reinlich, kein überflüssiges Wegkrcuzwcrk
uud Glockengcbimmel, dafür große Wirtfchaftsbauten, saftiger Wicsplan, regsame Arbeit allerorten und da;n immer
ein heiteres Lied:
Auf der an Seitn l'ilon Wann Mond nnd Ennn nntergehn
Steht a Mühl u»d a Sagi lind die Stern aufersteh»,
I ineckt die iviiel lialm, lind die ('ilon ruckwärto rinnt
Wan i mnc nit mag, Nacher liab i di gschivind,
Toch fahren wir nach der Stadt.
Es ist St. Veit, das wir meinen. Hinter einer Ringmauer von Hopfenranten steht es des Summers nnd
wer von St. Donat nnd dem lustigen Guggcrwcnig herüberkommt, der findet die vielen Hänser vor dem hochaufgefelderte»
Vcrghintcrgrund kanin rasch zusammen. Die Bahnstation ist eben auch nicht geeignet, viel Aufsehens zu erwecken.
Nur wenn wir der reichen Burgwacht ringsum gewahr werden, erraten wir: wir stehen vor des Kärutnerlandrs alter
Hauptstadt, Ernst, feierlich, düster das Innere, manchmal ein gar ödes, verlassenes Gässclwcrk, selten am Stadtrande
der lichte Einbruch einer neuen Zeit; nur das neue geistliche Stift mit dem freundlichen Spitzthurm am Westcndc
gibt ganz helle Zeilen. Die Stadt ist gegenwärtig hauptsächlich von ihrer Fabriks-Umgebung aus zu verstehen; Roh-
eisen, Cement, Ziegel, Vleiröhren, Schrott, Trahtgczüg, Leder, Blciweiß, Mennig kommt da zu Markte, den Pferde-
Handel nicht zu vergessen, der am Echutzengeltag schier eine Völker- und Thicrwandcrung nach „Zankveit" erregt.
Das alte Rathaus sendet Dir aus der Mctallgußzier den Spruch zu: „Eins mans red, eine halbe red, man soll
sy verhören bcd. I4<>5." Die wcißmarmorne Vrunnenschale, dreißig Fuß weit, ist ans dem klassischen Zolfeldc
herbeigekommen. Die Pfarrkirche, dem Clavenpatron Vitus gewidmet, in Grnndlagc und Eingang romanisch, zeitcns
der mittleren Gothik umgestaltet, zeigt zwei moderne Seitenschiffe nnd manches Altarschnitzwerk. Das ist die Kirche,
in welcher dem der Krone von Frankreich nachgehenden Heinrich III . auf seiner wälschcn Reise im Jahre 1574
ein Tudtentopf vor die Füße rollte, als er einem Seelamtc beiwohnte. Man erinnerte sich des Znfalls, als der
König 1589 am 31. Juli durch den jungen Dominikaner Jacques Element erdolcht wurde.
Die Stadtanfänge weisen auf die Ungarn-Einfälle von W1 zurück. Hier waltete als Hausfrau des Böhmen-
königs Otatar Tochter Intha, im gedrückten Saale mit den romanischen Säulen und nächst dem wuchtigen Marstallc
entspannen sich jene Feste und Kämpfe, bei welchen die Namen eines Walthcr von der Vogelwcide, des einheimischen
Zachäus von Himmclbcrg und Ulrich von Lichtenstcin erscheinen; Heinrich von dem Türlin, der Sänger von der
Avcntiure Krone nnd der ihm versippte Sänger Uolrich dc Turlin von dem rittermäßigen Bürgerhaus der Stadt,
Leupold von Schärfenberg, Kunrat von Suneck schmücken die Turniere der Umgebung. Nach Meinharts Tode auf
Greifenburg stieß dessen dritter Sohn Heinrich, in Kärnten Herzog, bei der Bewerbung um die Krone Böhmens mit
des Kaisers Albrecht Ideen zusammen und der Gegner ließ ihm durch seine steierer Söldner im Bunde mit Heunburg
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918