Seite - 212 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
Bild der Seite - 212 -
Text der Seite - 212 -
2^2 harnten.
geworden, dann ein Eeidentüchl mit blauen Wollstrümpfen, was auch variirt wird, und endlich fehlt auch eiu „Aufsii>dch"
nicht, ein „Büschen" von Blumen und Schweinsborsten. Die laute Lcnzfeier wird zurückgeführt auf ein Burgfräulein,
welches zu Zeiten eines „großen Sterbens" ganz allem übrig geblieben und der Freier dreie vorfand, lauter schmucke
Bürgcrsöhnc. Nun die Wal ihr schwer geworden, versprach sie jenem ihre Hand zu reichen, der im Weitlauf
Sieger bleibe.
Wir ziehen erwartungsvoll zu Gurk ein, dem Markte von etwa achtzig Häusern mit vierhundert Einwohnern.
Die Kathedrale von Gurt glänzt nicht nur als der ausgezeichnetste älteste Kunstbau vun Kärnten, sondern
als eines der wichtigsten Denkmäler in der kirchlichen Kunstgeschichte überhaupt. Die Magic des räumlichen Ei»
druckcs — um Kuglers Worte zu
gebrauchen — ist in solcher Art
ohne Gleichen. Otte zeichnet mit
wenigen Strichen den Dom als
einen Wcißmarnwr-Bau um oder
nach 1209, eine einfache Pfeilen
basilika mit einer hundcrtsäuligen
Krhpta nach Art der viclsäuligcn
Moscheen, einem mit italienischem
Reichtumc gegliederten Marmor-
portale und mit einer davor-
liegenden, von einem Tonnen-
gewölbe bedeckten Vorhalle, über
welcher sich ein Nonnenchor be-
findet, der durch zwei aufeinander-
folgende Kuppeln gebildet wird.
Das unterirdische Wunder im
Ostbau bestrickt und begeistert durch
die waldstammartigc Fülle des
Säulcn-Aufschusses, durch die Wir-
knng der kleinen starken Vicrseit-
pfeiler mit den leichteren Säulchen,
»äiumllichcs Würfeltapitälwerk von Krypta in Gink, den reinsten Linien. Mustern wir
das Innere genauer durch, so
müsseu wir vor den sechs Hulz-
tafcln, in coloricrtcm Echnitzwerk
Scenen ans der Hemma-Lcgcnde
darstellend, bcschanlich anhalten;
sie stainmcn aus der Zeit nm
1465. Die ähnlichen Sujets wieder-
holt Fromillers Pinsel auf den vier
Wandbildern der Hauptschiffsseitcn
unter den Ucberwölbungen des
Langhauses vun 1591. Von
Raphael Donner ist die zierrat-
reiche Kanzel, sowie das große
Metallguß-Kunstwerk der Kreuz-
abnahme in der Tchiffsmittc beim
Altar-Anfgange in der klagcnfnrtcr
Bischofskapcllc nachgebildet von
^,oh. Propst. Der Hochaltar, aus
der Stilart schlagend, baut sich
über siebenzehn Meter hoch auf
und behandelt Mariens Vertlärnng
dnrch eine Beigabc von über hundert
Gestalten, worunter die Stifter Kaiser Heinrich II . mit Kuuigund, Leopold von Oestreich, steigen wir nach einer
der beiden massiven Steinstiegen unweit des Kreuzaltares hinab in die Unterkirchc, so umfängt uns die dämmerige
Krypta in der Ausdehnnng von zwciundsiebeiizig Quadratschuhen, der größten Grufthnllc Deutschlands im spcicrer
Domc und jenen Frankreichs in St. Gilles, St. Eutropc zu Samtes und Montmajur zu Arles an die Seite zu
stellen. Außer dem Serpentin-Hohlstein, auf dem die gabenausthcilcudc Hcmma zu sitzen pflegte, findet fich hier die
marmorne Gebeinseista der Stifterin, Gräfin Hcmma, als Altar mit der Darstellung der abscheidenden Hcmma aus-
gearbeitet vun Antonio Corradini aus Este. Die Sacristci bewahrt der Gräfin Ring und das Halsgeschmcid mit
dem Rauchtupas.
Gräfin Ima oder Hcmma war eine Verwandte des Königs Heinrich II., Tochter des Grafen Engelbert und
der Pfalzgräfin Tula, seit 909 Gemalin dec- Markgrafen in der unteren Kärnter-Mark Wilhelm, auch Grafen im
Gurtthal lind friesacher Eomitatc. Der Hausherr gicng auf fromme Reisen, in denselben endend; die Söhne Wil-
helm nnd der urkundlich nicht genannte Hartwig erlagen der Gewalt der fricsachcr Bergknappen in den Aufstanden
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918