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Das Görtschitzthal.
gekommen. Der salzburgische Pfleger Ulrich Rosenberg-Ursini, aller Güter entäußert, starb arm zu Großsonntag
mit Hinterlassung nur eines Siegels; aber im siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderte waren seine Nachkommen
der Landes-Hauptmannschaft Träger und Echloßherrcn auf Keutschach, Heunburg, Sonneck, Grcifenburg, Roscck und
Grafcnstcin. Die Annabrückc thut uns das reizende Iaunthal auf; der Steg nach Wildenstcin, Schloß und Wasscr-
fall, führt uns in das Triaskalkgewände der Obir.
Das Görtschitzthal.
2es norischen Eisens Hanptgebiet durchwandern wir in dem sechs Stuuden langen Thallaufe der so-
genannten kleinen Gurk (Gurkica). Fast die gleiche Linie wie die Gurk-Metnitz haltend, bcuor diese ihrem eigent-
lichen Vreitcnthalc angehören, scheint der muntere und energische Gcbirgsbach sein Augenmerk unabgewandt auf die
Bcrgzüge von Weitalm bis Diex zu richten. Denn die Rücken dieser augenfällig gestalteten Grenzmark gegen das
östlichste Thal Kärntcns, das Lavantthal, fallen keineswegs in fcharfcn Schneiden ab, sondern sie setzen mit mächtigen
sanftabfallenden Niederlagen zu Thal, hier wie ostwärts breite wohlbcwaldctc Gräben bildend, deren silbcrklarc
Wässer der Görtschitz und Lavant zueilen. Der Nictinger-Vach, der Löllingcr nnd Mosinzcr sind die bedeutendsten
jener, welche dem Westgehänge angehören; hinter Hüttenberg unter der Presneralm hinaus verlaufen sich dann des
Hörafcldbachcs Anfänge bei St. Veit nächst der Einöd.
Oberhalb Schmieddorf und der Görtschitz-Mündung empfängt uns wie an den Thalthorcn das laute Ge-
poche von St. Johann am Brückt. Vor dreißig Jahren noch das einzige Eisenconstructions-Wcrk, wohin die
Maschinisten emsig zureisten, hat das umfängliche Eisenwerk znr wiener Weltausstellung unter vielem anderem Hoch-
sehenswerten auch jene formidablc Zerreißmaschine geliefert, welche Krupp in Essen angekauft. Daß die Iohannscr
wackere Kämpen sind, erfährt man wol zuvörderst am Schwarzsonntag vor Palmsonntag; nicht immer ist mit ihnen
gut Kirschen essen, denn sie haben ihre Spielhahnfedcrn gegen die Nachbarslent' gar scharf aufgesetzt, wie die
Nettcrspitzcn auf den Scheunenfirsten. Dafür aber tragen auch die Osterlichtcr auf dem Iohannscrbcrg einen hoch-
feurigen Schein. In der obstbaumrcichen Berg-Enge, wo im Gcschlucht die Wässer sich rieselnd zusammenfinden,
die Waldstcge zu den spcikumdufteten Alpen-Wiesen geschlangelt hinaufleitcn und über manch einem granatcnführcndcn
Glimmergcschicbe die Hochkuppe eines sogenannten „Ofens" emporragt, da ist Eberstein eingeschlossen, Dorf und Schluß,
in Kaiser Arnulph's Zeiten ob der Eberjagden viel besucht und von dem Tirol-Gürzer« Herzog forterhalten. Die
Welzcr nannten fich nachmals von der neueren Burg im Thal und wurden Grafen, die Christallnigg aber nahmen
sich des hiesigen Eisenwerkes an und errichteten Stahlhammer nnd Floßofcn. Hier zuerst in Kärnten ward die
Warmluft im Gebläse angewendet. Die Hausgeschichte der Welzer aber langt über die Urgebirgsrückcn hinüber nnd
spielt in die jenseitigen Burgen der Reisberger und Baierhofener ein. Am weitesten und am herzergreifendsten klingt
freilich das Lied von der schönen reichen Schloßfrau Anna, welche, für Ernst von Lobming durch den Mittelsmann
Günther von Herberstcin geworben, diesem letzteren sich zuneigt und mit ihm zur Hochzeit schreitet. Aber der
begünstigte Hcrbersteiner wird sammt der Braut von des Lobmingers Rotten überfallen, fortgeschleppt und nun bleibt
das Paar durch mehrere Monate in einem finsteren Thurm, getrennt und aller Welt verschollen, gefangen gehalten.
Endlich zwingt Herzog Ernst der Eiserne den kecken Landfriedensftörer, die Verließpforten unter der Stubalpe auf-
zuschließen, die Freunde vereinen sich wieder und schwören sich Vergessen alten Grolles.
Westlich von Mößl, welches wie Brückl und Ebcrstein Station der Bahnlinie Hüttenbcrg-Launsdorf ist,
lagert jenseits des Schelmberges Guttaring in dem Braunkohlenbecken, welches den Rosthornit führt. Hier wirkte als
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918