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222 harnten.
genannten Ordens in Oestreich, dessen Vorstandrcihe Vedarich von Hohcnstcin eröffnet (1217). Der vielgenannte
Mitgründcr der Realistenschulc, Thomas von Aauino, brachte mehre Wochen in der, dnrch den Adel vielgcsuchtcn
Anstalt zu, und die Kanzel, auf der er predigte, hält noch die Inschrift Hie ststit I'komg.s ad ^Huiuo. Des
Stifters Heinrich von Silbcrbcrg Grabstcllc ist verschollen, gut erhalten das Todtcmnal des Balthasar Thanhauser
(15,16) in der Ncbcnkapelle.
Was die Großsilberstückc von Ioachimsthal als Thaler schlechthin an Wcltbckanntheit vorstellten, das leistete
weit durch Süddcutschland und Oberitalicn hin seit den Jahren nm 1130 der Fricsachcr Denar. Nicht nur durch
Kärnten, Eteicrmark, Krain cursicrte er als guthältigc allbekannte Silbermünze, auch in Ungar», Friaul, Ober-
venetien sind die ^ri83.ce1ii, ?li83.o6ri868, ?r6xali6il868 in allen Händen gewesen, obwol inan nach Jahrhunderten
nicht mehr gewußt hat, wem diese sonderbaren dünuen Zündblättchen mit ihren Räthselzeichen zuzuschreiben, den
Longobardcn, den Patriarchen von Grado oder den Bischöfen von Trcviso? Schön nnd zierlich sind sie wahrhaftig
nicht, aber fic wechseln das Gepräge chamäleonartig, vielleicht zumeist unter Erzbischof Eberhard I I . (1200 — 1246)
und es hält schwer, ihrer eine vollständige Serie znsammcnznbringcn.
^ft entbrannte hierorts der Streit der Grgcnbischöfe, der Eastcllane und immer mußte die Bürgerschaft das
Bad ausgießen helfen. Das Ende vom Liede waren immer wieder neue Befestigungen an den wundgclegten Stelle».
Kaiser Konrad II I . verhielt sich hier auf der Rückkehr vom Orient, 1149, dann der flüchtige König Richard, vo»
Friedrich dem Pettauer überfallen, im December 1192, Erzbischuf Eberhard I. berief hierher eine Kirchenversammlung.
Im Jahre 1224 vereinigte Leupold von Oestreich an dieser Stelle außerhalb der Mauern nm den Landeshcrzog
Bernhard nnd den Markgrafen Heinrich von Histcrrcich eine glänzende Ritterschaft aus zehn Nachbargauen, scchs<
hundert Edle, zehn geistliche Fürsten, siebzehn Hochcdle, wie wir im „Vrouwcn dienest" lesen:
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Das Gegenspiel der freudigen Mai-Kampfe brachte fast jedwedes Jahrhundert. Die Türken, die Niemand
rief, durchzogen oder bedrohten neunzehnmal feit 1896 das Land; die Ungarn, durch des unerwünschten Erzbischofes
Bernhard Ruhrers Niedertracht und bloß um des Bcsitzgcwinnstes in's Land gerufen, haufcten auf den Stadtvcsten
und weit in die salzdurgischen Thäler hinein mit herrischer Habsucht und allen Schrecken eines Guerillakrieges.
Schließlich mußten sie noch mit baarem Gelde aus den Silbcrgauen hinausgcbcten werden. Nach den Jahren der
Verwüstung folgten wieder jene der geistigen Aufrüttelung und der baulichen Neubildungen, namentlich unter dem
aus dem heimischen Stamme der Keutschachcr hervorgegangcncn Erzbischofc Leonhard (1495 — 1519). Seine Hand ist
an den alten romanischen Wehrmauern wie an den religiösen Gebäuden im renaissantcn Zierwerk nicht zu verkennen.
Das Thal der Olsa heißt in die nordwärtigen Engen hinauf die Einöd; unter den mächtigen Trümmern
von Dürnstcin bezeichnet ein weißer Block die Grenze gegen Steicrmark.
Nach den Gefechten bei Türnstein forcierten die Franzosen im Jahre 1797 den Einbruch in Oberstcicr bei
Einöd, Neumartt, Iudcnburg und hielten zufolge des Göß-Lcobener Vorfriedens Graz durch neunzehn Tage befetzt)
da war's, daß ihnen in der Osternacht Bcrgfeucr und Murgensalven um Friesach einen ungeahnten Landsturm
anzusagen schienen. Aber sie hielten Ordnung; man weiß auch, daß sie den Klagenfurtern Satisfaction gegeben,
nachdem diese den Tambour ergriffen hatten, der troinmelwirbelnd anf den filberreichen Hauptaltar der Aegidikirche
losmarschiert war. Außerhalb Olsa und Hartmannsdorf liegt ein für die handelseifrigc Castellanstadt wol selbst-
verständliches Iudcndorf; unter den hiesigen Grabsteinen des vierzehnten bis fünfzehnten Jahrhunderts galt einer
dem hundertjährigen Oberaltcn und Rabbiner Johannes Trntt.
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918