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Das Metnitzthal. 223
5t. Salvator.
In'tz Kaiserreich und Königreich vorrückend — so heißen die grenzbildenden Berghöhen oberhalb St. Stephan
— erreichen wir die Waldgcsenkc nm St. Ealvator, das rauchende Eisenwerk.» Von fernher glänzten die Stein-
schründc und die Zinnen von Grades. Es find das die öfter erneuerten fensterarmcn Gewände der alten Burg,
welche noch den alten Namen seit den sechs Jahrhunderten ihres Bestehens nicht verwischt hat; er klingt wie jener
von Pregrad, Pograd, Gradcncck und Osterwitz slavisch, wiewol die Rudel und Pilgrime (1286 — 1361) von daher
gute deutsche Leute waren. Eine Art Erdwall greift vom Stcinkastell hinunter gegen Brücke und Markt, das
schäumende Gewässer aber bricht sich siegreich durch Erd- nnd Gcröllborden sein Rinnsal. Anf eine versuchsweise
Kultur des Maulbecrbaumes und der Seidcnzucht vor hundert Jahren soll es hier noch Hinweise geben; Bischof
Ioh. Graf Thun war ein Freund heimischer Seidenarbeit und man zeigt hier noch Tapeten aus der von ihm
erhaltenen Wertstättc.
Der ältere Ort Metnitz breitet seine das Hundert kaum erreichende Häuserzal unter malerischer Bergrundung
aus, die Wacht halt das zerklüftete Rittcrschloß mit gar strenger düsterer Miene. Der Handel mit Nutzholz, Kohle
und dem durchstreifenden Salz war der Märktler Haupterwerb, seitdem die fränkische Kultur in diese Oednisse des
zeltschacher Komitates eingedrungen. Eine anderweitige Pulsader gab's hier wol nicht aufzuschließen. Mit dem An-
halten und Anssackeln der herein versprengten Kauffahrer thaten die Ortsbürger, zumal als ihnen die bisthümliche
Bnrghut auf der Bergveste übertragen war, so ziemlich das Gleiche wie manches hochgcfreite Rittergeschlecht. Nur
einmal sind sie gar zu sehr an den Unrechten gekommen, als sie der Kaiserin Elisabeth goldenen und silbernen
Schmuck dem durchreisenden Kaufherren abjagten. Damals fchicktc ihnen ob der beleidigten Herrin Kaiser Albrecht
durch Herzog Rudolph und den Bischof Heinrich II I . von Helfenberg die Schaaren des Landschreibers Albert und Otto
Liechtensteiner zur Strafe vor die Mauern; man bewarf mit Steinkugeln den Hauptthurm und brach ihn vollends,
da die funkelnden Ketten und Gehänge und Ringe nicht ausgefolgt wurden. Vergebens gieng ein flehender Sendling
nach der gräzer Burg; endlich verstand sich der bischöfliche Herr, in Güte den Schaden zu ersetzen und die Breschen
auszufüllen. Andre schreiben die Schuld den Edelherren selbst zu und nennen die Herzogin die Beschädigte.
Auf dem Kalvarienberge steht noch ein alter Karner, im Achteck geformt, architektonisch ohne besondere
Formen, jedoch umzogen von ursprünglich achtundzwanzig figuralischen Bildern, welche den Tudtentanz darstellen.
Die Zeit möchte um 1470 sein; die beigegebenen Verse sind nur mehr Stückwerk.
Aus dem dichtverschlossencn Höhcngcbicte, wo der Felfernigbach, der Schar- und Schachmarbach grenzbildend
sind, führt uns nicht Lokomotive, nicht Stellwagen wieder in die bewegte Welt hinaus; wir ersteigen daher den
Mödringberg und kehren durch den Feistritzgraben über den Zienizen nach Friesach zurück.
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918