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Klopainer
aber sie steht auch über einer folchen Gruftkirche. Wahrscheinlich erhob sich an der stelle des heutigen Chorherren
Stiftsgcbäudes, eines kräftigen Kaferncnbaucs, die Ritterburg auf dem Chrungcl, und als diefe gefallen, zogen auf
des Patriarchen Pcrcgrin Wink im Herbste 1154 die Augustiner-Chorherren ein. Dem cinundvierzigsten Prubstc
S. Kobel folgten die Jesuiten im Jahr 1603, weil man sie um jeden Preis mit Landbesitz und Einfluß gegenüber
den alten Landcsstiftungcn, namentlich Gurk zum Trotze, ausstaffieren wollte. Die Geschichte dieses Hauptnoviziats
der Lohola-Iüngcr, welches seit dem Neubaue vom Jahre 1754 fast den ganzen inncröstrcichischcn Adel heranzog,
welches in der Neltabgclcgcnhcit hier seine Geister drillte — fie ist noch immer erst zu schreiben.
Ein vortrefflicher Ausfichtsstand ist auf den schmalen Vorsprunglinien des aus dem Waldrande tauchenden
Georgibcrges gegeben und aus weiter Ferne zieht das unansehnliche weiße Kirchlcin die Blicke auf fich. Hier lohnt
von der Höhe (679 Meter, in einer Viertelstunde erreichbar) die köstlichste Umschau: Tobratsch, die Spitalcr-Bergc,
Görlitzcn, Wörthcrsee, Klagcnfurt bis zu den obersteierer und lavantthalcr Alpen, Schluß gen linterdrauburg, herr-
liches Südbild der Kalkschroffcn vom Rcchberg, den Vellachthalcr-Wänden, Oistrizza, Rinka bis Petzen und Ursulaberg.
Da schimmert der zwischen Wiesen gebettete, im Nordrand wcißkiesigc klare See von Klopain. Die thcilweis
sumpfigen Südnfcr in Fichtengehängc einbuchtend, Sommers bis zu achtzehn Grad warm und mit drei Badhütten
bestellt, bietet der Wasserspiegel mit den einsäumenden parkartigen Sandwegcn, dem grünen Gehänge mit seinen
Fuchsgeschlcifen, dem granweißlichen Obir-Stocke im Hintergrunde, ein gar reizendes Ruhebild, wie es auch Pcrnharts
Pinsel festgehalten hat. Schloß Wasserhosen, ein landwirtliches Hauptgut der St. Pauler, mit kräftigem Mühlwerk,
gehörte vor Zeiten den sonnecker Ungnaden und kam 1661 an die Jesuiten. Der Spitzthurm von Möchling taucht
drüben auf, gcnüber den kahlen Abstürzen des Ekarbin. Dem Begründer Markgraf Albuin ist jener Grabschrein
in der Scitcnkapellc gewidmet, welcher, als ein Meisterstück gothischer Bildschnitzkunst unter Bischof Wicry 1868
wieder aufgefunden, zur wiener Weltausstellung gebracht und den öffentlichen Sammlungen eingereiht worden ist.
Dnrch die kunstgcübtc Hand eines sanctpauler (Andre sagen admonter) Mönches innerhalb zehn Jahren um 1450
gearbeitet, stellt der Rcliauienschrcin in durchbrochener Holzarbeit eine gothische Kirche vor, abschließend mit steilem
tammgezierten Dache, kein Maßwerk oder irgend welches andre Motiv wiederholend, von bewundernswertem Eben-
maße, ferne aller Ueberladung und durchsichtig fein wie ein zartes Spinngewebe aufgebaut. Das vergessene alte
„Vogelhans" — Ferfouz, wie es die Leute nannten — restaurierte der krainische Bildhauer Joseph Schega.
Von Galizicn her und der Abtei, deren Hochkirchlein ein A. Dürer oder L. Kranach zugeschriebenes Bild
birgt, vereinen sich die Wege zu den Sittersdorfcr-Bergen; nach der einen Seite fort geht es zum großen Miklautzhof
und gen Sittersdorf hinaus, nach dem Vellachbache, südlich in die Bergschlucht hinein, in die Eiscnkappel. Draußen
am Rande der Ebene wachen auf steilem Waldhügcl die Ruinen von Sunneck, seit 1442 an Hans Ungnad-Wcitzcnwolf
übergeben. Ein Christoph Ungnad war es, welcher vor 1484 aus Spanien die Eeidenzucht Hieher eingeführt und
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918