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Das Iaunthal sammt Nebenthälern.
den Rebenbau. Noch breiten sich genug der alten Maulbeerbäume im Schloßhofe aus, daher rührt auch der Name
Seidendorf, und daß wir auf kärntnerischem Weinboden stehen, das eben führen wir uns stark zu Gemüte.
Genugsam ist das Land uor dreihundert Jahren noch mit Weingeländcn besetzt gewesen. Jetzt besteht die ganze
kärntnerische Weingartfläche in einhundertundvierzehn Jochen mit neunhundertundfünf Eimern Rebensaftes im Werte
von 5177 Gulden. Der Sittcrsdorferwein, dem Grüncbcrgcr um eine SilenuZkopflängc voraus, eine Art Schilcher,
etwa dem nunmehr auch historisch gewordenen grazer Schloßbcrger vergleichbar, theilwcise in Bouteillen gelagert, im
Ortsbereiche ausgeschänkt, übrigens auch bis auf zwanzig Bahnstationen verschickt, kaum in Tirol mehr bekannt, hat
seine Vorgeschichte und wie immer, wo der Glaube das Stärkste leisten muß, seine Wundcrgeschichte. König
Karl I I I . trank sich aus diesem Safte Heilung von seinem Gichtlcidcn, wornach er bei seinem Madeira, Xeres,
Alicante vergebens gestrebt; es hatte nämlich um 1760 der Gesandte Fürst Franz von Nosenbcrg seines Weines
aus Sonneck nach Madrid kommen lassen und mit echtem Sittersdorfer ist bei der Verlobung der Prinzeß Luuisc
mit dem Erzherzog Leopold toastirt worden. — Auf der kleinen Insel des Sittersdorfer-Sees wächst die viclblättrigc
Andromcda in der Torfflora.
Gewaltige Schluchtbilder thun sich auf nach den Zeilen der in die Felsen geschlagenen und dem geröllreichcn
Strande des Vellachbaches nahegcbettetcn Kunststraße, die nach Kappet führt. Eisenkappel heißt die Gegend wegen
des uralten Eisenhandels, der durch Seeland und den Kankerpaß seine Richtung nach Kram nahm. In prächtiger
Wildheit sitzen sich da die Berge, man möchte sagen, auf dem Genick, ein Kofl hinter dem andern reckt sein Haupt
und streckt den plattigen Fuß vor, bis endlich weit drinnen nach mancherlei
Wcgwindnngen in den Felsklammern nur mehr Wasserrinncn und thorartigcs
Mauergethürm Platz hält, rechts und links von fast hcrniederstürzenden
Schroffen überragt. Da grollt das Gewässer, schäumend eingesperrt in dunkelnde
Fclstiefen und hoch oben nur waltet ein freundlicher Sonnenblick auf den
abenteuerlichen Zinnen der Bcrgfronten. Schon vom hochgelegenen Nechberg
weg, einem alten Burgsitze von sanctpauler Lehensleuten, oder von den Türken-
fchanzen und in der Zauchcn, von Wildcnstcin, am besten aber auch von Kappet
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918