Seite - 237 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
Bild der Seite - 237 -
Text der Seite - 237 -
Das Tavantthal. 23?
dein aus Nheinfrankcn besitzlos nach Bayern und in's Alpcnland hereingekommenen Spanhcimcr Siegfried. — Aus
der Pfarrkirche nebenan erhob sich ein frühester Paulusdom nach 1064 und der fromme Sinn des Sohnes Engelbert,
dessen Aeltern der blasse Tod in weiter Ferne erreicht hatte, errichtete an den Stätten lauten Weltgetriebes das
Kloster der Benediktiner 1091. Der Grafenfohn selber nahm das Mönchskleid, aus Spanheim gab der Magdeburger
Erzbischof zu kostbaren Schatzstücken den Leichnam Richardens hierher, die Familie spendete mit vollen Handen nnd
schon nm das Jahr 1100 waltete der Abt eines weiten Besitzkreises. Die neuesten Restaurationen laufen von Abt
E. Steinringer 1852 ab, ihm verdankt hauptsächlich das Stiftsbild sein freundlich gewinnendes Ansehen.
Der Kreidemerkel-Fels von 400 Meter Höhe hebt den Stiftsbau aus seiner Umrahmung von Obstbäumcn,
Weihern, nähcrem nnd fernerem Mittelgebirge, und aus einem Fruchtgcfild, das bis an die 4000 Fuß Berghohe
Kirche in 5t. Andrea,
reicht. Heruntcrwärts vom Griffnerbcrg bedräuen Dich vom
keck aufstrebenden Basaltfcls die Bollwerke von Kolnitz.
Auf duntelfichtiger Berghöhe, hinter welcher der große Draubogcn bei Schwabeck hereingezogen ist, ruhen die Reste
von Nabcnstein. Die lohnendste Aussichtsstelle, welche die Patres mit Vorliebe aufsuchen, ist der Kaspaurstein,
(839 Meter), botanisch durchforscht von dem als Goethe-Kenner und Altcrthumsfreund hochgeschätzten P. Rainer
Graf, geboren Üaibach 1811, gestorben 1872 zu Bad Villach.
In des Unterlavantthales Mitte erscheint einer sanften Anhöhe nächst den vorzeitigen Ufern des Flusses
aufgesetzt, die kleine Stadt St. Andrea. Hauptsächlich in einer Häuserzeile hiuerstreckt, gewinnt sie durch die
Lorcttokirchc einen freundlichen Abschluß. Die geschwungene Baute uberitalienischen Stiles mit mächtigem Portale
ist unter dem lavanter Bischöfe Franz K. von Stadion 1673 — 1704 aufgeführt worden und zeigt eine Hallenzicr
der Rowcozcit.
Wir setzen den Wanderstock ein und wandern in der Richtung gen Sicbending und St. Ulrich feldein,
in Sicht die Korkuppe und den Speitkogl. Dahinauf wollen wir!
Vor nns in der Sicht gegen das schlußgekröntc Wolfsbcrg taucht Hartneidstcin, der wcttcrgraue Thurm, ans
dem Föhrcndickicht; da lebten die Hartcnbcrge wol eben nicht einzig von dein Himmclsgcschenke der gepriesenen Fern-
schau, die nahe», Stadtleute fürchteten die Hartlsteiner. Kräftiger Waldwuchs wechselt mit eingesprengten Leiten und
nach wackerem sfel^gekletter stehen wir beim Jäger iu der Gooing. Da wird allgemach nach durchschrittencm Nadel-
Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Titel
- Unser Vaterland
- Untertitel
- Steiermark und Kärnten
- Autoren
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Verlag
- Gebrüder Kröner
- Ort
- Stuttgart
- Datum
- 1877
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 28.1 x 42.23 cm
- Seiten
- 344
- Schlagwörter
- Wandern
- Kategorien
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918