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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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2Z8 harnten, waldc nnd dem überwundenen Gczäun vor der Kollnitzcr-Hüttc der Grasteppich über dem Urschicfer im Albitgncis etwas dünner nnd die Kahlstückc haben Posto gefaßt i noch ei» paar Etuuden, die nahen Grenzlinien finkcn tiefer und tiefer, bis endlich der Thron errungen! Die Aaigcnlust hier, an der Grenze zweier breiter Flußthälcr, welchen gegen Sonnenaufgang nichts Ebenbürtiges mehr gcgenüberragt, bei eiuem Stande von 2134 Meter Höhe, kann wol geahnt werden. Dort starrt die krainische Südwand, die ganze schimmernde Karawankcnkcttc von den Sulz- bachern aufwärts mit den Kerngestaltcn von Petzen, Obir, Sclenitza, Triglav bis gegen Manhart; es folgen sich die Dämmcrbildchcn von Tubratsch und dein Schimmcrspiegcl des Wörthcrscc's, ein Häuscrspiclzcug mit aufgesteckter Spitze blinkt Klagenfnrt, wie eine glizcrnde Schlange der Traulanf, wie vor den tiefen Thoren prange» friedlich die Thäler von Griffen her bis St. Panl nnd St. Andrea: über dem wetteifernd erschwungenen Rücken des Sau- almzuges tauchen all die Hochhäuptcr vom Ankogl her auf, bis Königsstul und Weitalm, und so — schauen wir ins neue Land hinüber, in's steierische Gebiet mit seinem Hochschwab und Hochlantsch, Schocket und Wechsel, dem nahe vorgestellten Roscnkogl, da flimmert das grazcr Feld mit seinem dolomitischen Schloßbergblock und den weiße» Häuscr- streifen, das lange Murthal, im alleräußersten Lufthintrrgrundc die Ebenen des Ungarlaudes, die Zinken von Eruatien. Pflücken wir hier das unscheinbare, aber höchst wolduftige Pflänzchcn des Speit; vom gelben und weißen sind manche Kuppen der vor uns aufgerollten Ganbilder benannt bis hinauf zu Ttieleck nnd den taningcr Köpfen. Ehe- mals ging das viclgcsuchtc Gewürz Spikanard in die Adriastädtc nnd in den Orient, aber seit anderweitigem Ent- satze theilen sich nun die weihraucheifrigen Bürger und Bancrn darin mit dem Apotheker. Drüben auf der grazcr Seite, nicht allzuweit vom Kur, dem Fclsrnnd um ein blinkendes Wasscraugc, von wannen die grollenden Nebel und eilenden Wolken aufsteigen und die Sulin-Wellche» hinabtänzeln, ragen Sturzwändc in ein graues Huhlthal. Nicht nach dein steierischen Schwanbcrg, anch nicht in's Bärcnthal werden wir absteigen, welches gleich der Vrandhuhc und der Kuhalm seine Gewässer in den Prössinggraben hinausscndet, nm sie noch unter- halb Et. Gertraud mit der Lavant zu vereinen, nein, nach einer Einkehr im höchst wirtlichen, breiten, hinter woligem Schutzhügcl belcgcnen Touristenhause, seit ein paar Jahren eröffnet, wenden wir uns über die Almlciten zur einsamen Hipflhüttc, erreichen das Waldgchcimniß der Siebenbrnnnen und steigen beim „Jäger am Eck" in die städtischen Umgebungen hinunter. Wir stehen vor den Pforten des Obcrlauantthales, welches zwischen St. Gertraud und Zellach mit einem langen düsteren Schlucht-Prologe anhebt- das liebliche obst- und ährenreiche Flachgcbict, dessen Höhcnbegrenznng fast zu sagen mit dem Saume der weitläufigen Almen zusammenfällt, ist nur südwärts gebreitet. Innerhalb eines anmutigsten Kranzes von Gehöften, Dorfschaftcn, Schlössern und Waldhügcln heißt uns Wolfsbcrg willkommen. Das ist ja die Stätte, von welcher eine ganze Windrose crinnerungsreicher Wege ausläuft: zu den Marmortempeln des Gumitsch (von Jägern für gemeine Fuchslöcher erklärt), zum Mohrcngrabc von Schackenau, zu den bistümlichen Tanzsälen von Schloß Thürn und zum lieblichen Lindcngchöfte von Neisenau; auf diesen Höhen, allem Kahlen und Wilden fremd, glomm in den Dämmerstunden des OstcrmorgenZ dein unter warmem Herzschlag forschenden Auge das erste Frendcnfeuer auf und es belebten in grauendem Zwielicht sich die Abstiege der Bergrippen durch die wandelnden Kicnspan-Flammen, bis daß diese athmende Lichterzeilc hier um ein niedriges Bergkirchlein sich kranzartig herum - wand, dort nach der Thalsohle herunter sich verlief. Welche blendenden Leuchtkugeln, den wolbckannten Knppen und Vorhügcln aufgesetzt, bis das Murgenrot mit siegendem Scheine sie erblassen macht, welch ein Gerölle und Geknatter der Pöller durch die frühlingsfeuchtc Nacht! Doch jetzt in „Wolschburg" eingetreten. Wie laut umwogt zur Zeit des Kolmani- und Schönsonntag-Marktes, so still nnd friedlich eröffnen fich uns heute seine Häuserreihen. Nach dem Rauhwild geuannt, schmückt die sanfteste Thalstellc ein freundliches Städtchen, wirtlich und behage lich, an den innersten Stellen fast würdigen Ernstes, heiter nnd einfach in den Auslaufen, das ruinenhafte Winkel' werk in den Seitengassen fast gänzlich verbannt! An die Abhänge des Schloßberges sich lehnend, stellt das Stadtbild
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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