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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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einer vor demWerksgebäude arrangiertenArbeitsszenerie in der Totalen: An lang gereihten Tischbänken verrichten Frauen ihr „kriegswichtigen Tätigkeiten“. Über einenSchwenk inderHalbtotalenbiszuhalbnahenEinstellungenwirdderArbeits- vorgang immernäher indenFokusgerückt.SchließlichverbleibtmanbeiderGroß- aufnahme, die Frauen werden in der Folge anonymisiert. Die Kamera schwenkt über die eifrig arbeitenden Hände. Ein Arbeitsschritt folgt in akkurat rascher Ab- folge dem nächsten. Eine rationell organisierte Herstellung der Handleucht- RaketenundFriktionszünderwirdpräsentiert.DieArbeiterinnenstehenunter lauf- ender Beobachtung – nicht allein durch die Kamera, vielmehr durch männliche Kontrollorgane,diehinterdenFrauenaufundabgehen,prüfendüberderenSchul- tern blicken. Selbst der von denArbeiterinnen geleistete Transport sowie das Ver- und Abladen der verpacktenWaren am Firmengelände finden unter männlicher, teilsmilitärischer,Obhutstatt. DieBilder spiegeln realeMentalitätenwider. Trotz desdurchdenKriegbeding- ten Ausfalls männlicher Arbeitskräfte weigerten sich die Unternehmer vorerst oft- mals, Frauen in ihreDienste zunehmen.Selbst einErlass imOktober 1914,wonach dieNachtarbeit fürFrauengebilligtwurde,wennkeineMännerdieTätigkeitverrich- tenkonnten, führte zukeinemUmdenkenderFabrikanten.DerHauptgrund fürdie Ablehnungweiblicher Arbeitskräfte war der Umstand, dass diese nicht dermilitä- rischen Disziplin unterstanden. Die Aufnahmen aus der Munitionsfabrik Weiffen- bach beweisen, dass der zunehmende Mangel an männlichem Personal das Heranziehenweiblicher Mitarbeiter geradezu erzwang und dass auf andereWeise eineffektvollesÜberwachungssysteminstalliertwerdenkonnte.316 Der hier bereits präsente Topos der Kontrolle findet auf anderer Ebene eine Fortsetzung. DieQualitätsprüfung der Raketen auf ihre Brenndauer und Intensität hin wird visuell wirkungsvoll umgesetzt. Das abgedunkelte Labor wird durch die Probezündung in hellen Schein versetzt, leuchtender Dampf steigt empor, bevor derRaumwieder inDunkelheitversinkt. InderFolgekommteszurVorführungderFunktionsfähigkeitundzurDemons- tration dermilitärischen Bedeutung derWaren im Feld. Szenerie im Schützengra- ben (Amerikanische): Der Geschütz-Vormeister blickt auf die Uhr, hält einen Moment inne und betätigt schließlich die Zündschnur. Er blickt kurz über die Schanzmauer, gibt anschließend eineWeisung. Aufsicht auf den Schützengraben (Totale): Nach einemMoment des Abwartens klettern die bewaffneten Soldaten- trupps aus demSchutzwall und laufen über das Schlachtfeld. Zeitlich präzise und gezielt organisiert stellt sichdasVorgehenander Front dar.Die Szenenvermitteln 316 InWien erhöhte sichderAnteil anweiblichenBeschäftigten von 31Prozent (1913) auf 53 Pro- zent (1918). Über 50Prozent derArbeiter in denMunitionsfabrikenManfredWeiss undWöllerdorf waren Frauen, im Rüstungsbetrieb Enzenfeld lag ihr Anteil bei 45 Prozent.Vgl. dazu: Hanisch, Schatten,S. 206.Wegs,Robert J.:DieösterreichischeKriegswirtschaft 1914–1918,Wien1979,S.95 f. 5.3 „ZurDemonstrationökonomischerStärke“ 71
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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