Seite - 77 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Unterrichtszwecken, zur Förderung der Volksbildung und Volkswohlfahrt, zur
Werbearbeit für deutschösterreichische Interessen aller Art im In- undAuslande,
insbesondere zur Bekanntmachung gemeinnütziger Unternehmungen, zur He-
bungdes Fremdenverkehrs, des heimischenGewerbes, der Landwirtschaft, Tech-
nikund Industrieu.dgl. benötigtwerden.“331
DieprivatenFilmerzeugerprotestiertengegendieErrichtungder FHS, inder sie
ein staatlich getragenes Konkurrenzunternehmen zu erkennen glaubten. Die Stelle
solltedenBranchenmitgliedern zufolgebestenfalls koordinierendeFunktionenüber-
nehmen undAufträge zur Herstellung von Propaganda- und Lehrfilmen an Private
vermitteln.332Widerstanderregte imSpeziellendieAnkündigung,dassdieFHSauch
„künstlerischhochwertigeUnterhaltungsfilme“produzierenwolle,333wasseitensder
Filmindustrie als existenzbedrohend erachtet wurde. Die Vertreter der FHS lenkten
ein:Die geplantenkurzweiligenFilme solltennur einbescheidenesAusmaßderGe-
samtproduktion ausmachen und wären zudem nicht als populäre „Schlagerfilme“
angelegt.334Wissenschaftlicheundkulturelle Filmemit staatlichpropagandistischer
Ausrichtung – und somit geschäftlich nicht sehr einträgliche Genres – stünden im
Mittelpunkt. Vor allem teile die FHS in vieler Hinsicht die Interessen der Branche,
beidenginge es vornehmlichumdas „ErstarkenderheimischenFilmfabrikation“.335
DieAussprachemit den führendenKräftender Privatindustrie führte zu einer allge-
meinen Beruhigung und letztlich sogar zu einer anerkennenden Berichterstattung
überdieArbeitderFHSindenBranchenblättern.336
331 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1921, Ktn. 236, Zl.
1830,Ggstd.:EinholungvonVorschlägenvonSeitenderStaatsbehördenzurHerstellungvonFilms,
August 1921.
332 Moritz, Verena: Experimente, in:Moritz, Verena/Moser, Karin/Leidinger, Hannes: Kampfzone
Kino.Film inÖsterreich 1918–1938,Wien2008,S.44.Moritz,Verena:DasMediumFilm imDienste
der österreichischen Republik 1918–1924. Anmerkungen zur Geschichte der Filmhauptstelle, in:
Karner, Stefan/Mikoletzky, Lorenz (Hg.): Österreich. 90 Jahre Republik. Beitragsband der Ausstel-
lung imParlament, Innsbruck/Wien/Bozen2008,S.453 f.
333 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1921, Ktn. 236, Zl.
1830,Ggstd.:EinholungvonVorschlägenvonSeitenderStaatsbehördenzurHerstellungvonFilms,
August 1921.
334 Tatsächliche produzierte die FHSmit dem Komikerduo Cocl & Seff letztlich eine Reihe sehr
populärerundkommerziell erfolgreicherLustspiele.MiteinGrundfürdieHerstellungdieserUnter-
haltungsfilmewar sicher die personelle Besetzungder FHS:Als Betriebsdirektor fungierte bis 1921
derLeiterderCocl-Filmgesellschaft, RudolfWalter, alsRegisseur standu.a. JosefHolubunterVer-
trag.BeidewarenzugleichdieDarsteller vonCocl (Walter)&Seff (Holub).Vgl. dazu:Moritz, Expe-
rimente,S.47.
335 ÖStA, AdR, Staatskanzlei-BKA, alt, Varia, Staatl. Bundes-Film-Hauptstelle, 1919, Ktn. 234, Zl.
809/102, 809/103, 809/106, Ggstd.: Stellungnahme der Privat-Film-Industrie zur staatlichen Film-
Hauptstelle, Juni/Juli 1919.
336 Der Filmbote, „Die staatliche Film-Hauptstelle“, Nr. 52, 24. Dezember 1920, S. 35 sowie ebd.,
„VorführungderStaatlichenBundes-Filmhauptstelle“,Nr. 14,8.April 1922,S. 11.Sieheauch:ÖStA,
6.1 PropagandafürStaatundVolk–DieStaatlicheFilmhauptstelle 77
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Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur