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mieren und belehren. Uneinig waren sich die Experten auch darin, ob der kurze,
prägnanteund „einwenig primitive“FilmwerbenderArt erfolgreicher sei oder aber
längere,dramatischgestalteteStreifenmehrEindruckhinterließen.351
Dementsprechendverschiedenartigwaren auchdiewerbendenFilmeder 1920er-
und 1930er-Jahre. Genremischformen lassen sich bis in die 1930er-Jahre, vereinzelt
sogarbis indie1960er-Jahre,nachweisen.Werbe-undIndustriefilmedieserZeithatten
oftdieFunktionzuwerbenundzubelehren,oderauchzuwerbenundzuinformieren,
wie zahlreiche vonkommunalenEinrichtungen inAuftrag gegebeneFilmebeweisen.
ZugleichwirktenvieledieserProduktionenkulturfördernd, vermittelten regional- und
kulturgeschichtlichesWissen,wodurchder„werbendeFilm“bisweilenKulturfilmcha-
rakter hatte. Diese Filme verfolgten einenmehrfachen Zweck: Sie dienten als Lehr-
und Werbefilme und belegen interne und externe Kommunikationsverläufe. In der
Mitarbeiterschulungwurde die Belegschaft über Arbeitsprozesse informiert, per Film
trainiert und unterwiesen, mit dem Ziel, die Produktion und die Arbeitsabläufe zu
standardisieren. ZugleichwarenLehrfilmenicht seltenalsWerbeindustriefilmekonzi-
piert,dieHandelspartnern(aberauchLaufkundschaft) imZugevonMessenundFach-
tagungen alsWerkschau dienten und einemoderne und effiziente Produktionsweise
sowie formschöneundhochwertigeWarenpräsentierten.Durchbrochenwurdendiese
BilderoftmalsvonausführlichgestaltetenSequenzen,diesichderDarstellungsozialer
Einrichtungen (ärztliche Versorgung, Kinderbetreuungsstätten, sanitäre Anlagen,
Freizeiteinrichtungen)widmeten.DieUnternehmenskultur fügtesichsozueinemGan-
zen,dieSorgeumunddieVerantwortung fürdieBelegschaft solltediesenochstärker
an das Unternehmen binden. Und wiederum wurde derart auf mehreren Ebenen
kommuniziert: verhaltenssteuernd und integrierend gegenüber der Belegschaft, ver-
trauensfördernd und Integrität vermittelnd gegenüber potenzieller Handelspartnern
undwerbendgegenübermöglichenneuenMitarbeitern.352
DievonderSchweizerFilmwissenschaftlerinYvonneZimmermannkonstatierte
multiintentionale und multifunktionale Ausrichtung der (werbenden) Industrie-,
Lehr- undKulturfilme353 lag auch imnicht geringen finanziellenAufwand, dendie
Produktiondermeist technischsehrversiertenStreifenmit sichbrachte.NochMitte
351 DerFilmbote, „DerKinematograph imWerbefilm“,Nr. 24, 12. Juni 1920, S. 16–18.Verkaufspra-
xis,„DerKinobesitzer sprichtüberdenWerbefilm“,Nr. 6,März 1933,S. 369 f. sowieebd.,„Fehlleis-
tungen beim Werbefilm“, Nr. 3, Dezember 1933, S. 183 f. Contact, „Vortrag: Wie entsteht ein
Werbefilm?“,Nr. 7/8, Juli/August 1935,S. 29 f.Österr.Reklame-Praxis,„ReklamealsBegleiterindes
modernenMenschen“, September 1936, S. 22–23.Reklame-Presse, „FilmwerbungundWerbefilm“,
Nr. 2,September1936,S. 2.
352 Vgl. dazu:Moser, Vergessen – verloren –wiederentdeckt, S. 234–235. Sowie: Moser, „Hygie-
nisch -gesundheitsfördernd – schmackhaft“, http://www.medienimpulse.at/articles/view/641,
(30.11.2014).
353 Zimmermann, Yvonne: „Was Hollywood für die Amerikaner, ist der Wirtschaftsfilm für die
Schweiz“:AnmerkungenzumIndustriefilmalsGebrauchsfilm, in:Hediger,Vinzenz/Vonderau,Pat-
rick:FilmischeMittel, industrielleZwecke.DasWerkdes Industriefilms,Berlin2007,S.65.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur