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der 1920er-JahrewarenesvorallemkapitalkräftigeFirmen,dieaufdiesesexklusive
Werbemittel setzten.354 Mit der wachsenden Verbreitung des kostengünstigeren
Schmalfilmsund imZugeder langsamenZunahmeankurzenWerbefilmen imVer-
lauf der 1930er-Jahre leisteten sich mitunter auch Einzelhändler und Dienstlei-
tungsbetriebedieseFormderReklame.355
Die oftmals vielschichtige und detaillierte Präsentation von Arbeitsprozessen,
Unternehmensphilosophie und Produktwerbung führte zwangsläufig zu gewissen
Längen, die sich auf 10 bis 30Meter (ca. 40 Sekundenbis 1Minute) oder auchauf
150bis 350Meter (ca. 5,5bis 13Minuten)belaufenkonnten. 15Minutenbis zueiner
Stunde waren durchaus üblich. Doch selbst kurze, rein produkt- und dienstleis-
tungsbezogeneReklamefilmewiesennicht selten eineLaufzeit vondrei bis vierMi-
nuten auf.356 Prinzipiell unterschied man in den Fachblättern zwei Kategorien:
Einerseits den von seiner Laufzeit länger angelegten und vornehmlich beiMessen,
Matineen, Ausstellungen und Vereinen gezeigten werbenden Industrie-, Werk-,
Lehr-, Bildungs- bzw. Kulturfilm. Andererseits den kurzen für das Kino geeigneten
sketchartigen Reklamefilm, der oftmals als unterhaltsamer Trickfilm angelegt
war.357BeidekamenparallelzumEinsatz.
6.2 Werks-, Lehr-undWerbefilm
BloßeAbbildungen industriellerUnternehmungenmachensehroftdenEindruck,alshabeder
Illustrator verschönt, geschmeichelt. Das nach derWirklichkeit aufgenommene belebte und
bewegliche Filmbild wirkt immer glaubhaft und wahr, niemals reklamehaft, weil der Be-
schauer alles gleichsam miterlebt. Auch die Darstellung und Herstellungsweise von Fabri-
katen, der Verkaufs- und Versendungsräume im belebten Filmbilde wirkt werbend. Der
Zuschauer empfängt den Eindruck von der Größe der Unternehmungen, der Begehrtheit der
Fabrikate,underschließtunwillkürlichdarausauf ihreVorzüglichkeit.358
Mit Beginnder 1920er-Jahregabendiverseösterreichische IndustrielleWerksfilme in
Auftrag, die den Produktionsprozess ihrer Produkte anschaulich verdeutlichen soll-
ten und aufgrund ihrer oft erklärend-pädagogisch angelegten Machart sowohl für
interne Schulungen herangezogen werden konnten, als auch den Kunden und
354 Reklame-Praxis (Stuttgart-Cannstatt), „Werbefilm“, Nr. 3, November 1925, S. 79. Westbrock, Der
Werbefilm, S. 41. Hediger, Vinzenz/Vonderau, Patrick, „Einleitung“, in: Hediger,Vinzenz/Vonderau,
Patrick:FilmischeMittel, industrielleZwecke.DasWerkdesIndustriefilms,Berlin2007,S.11.
355 Vgl.Eckardt,Boehner-Film,S.70 f.
356 Moser, Vergessen– verloren–wiederentdeckt, S. 234–235.Moser, „Hygienisch -gesundheitsf
ördernd–schmackhaft“,http://www.medienimpulse.at/articles/view/641 (30.11.2014).
357 Contact, „Österreichische Filmwerbung“, Nr. 5/6, Mai/Juni 1936, S. 21 sowie ebd., „Werbung
durchdenFilm“,Nr. 12,Dezember1933,S.16–20.Fleischmann,WieerhöheichdenUmsatz,S.95 f.
358 NeueKino-Rundschau,„DieWirtschaftspropagandadurchdenFilm“,Nr. 206, 1921,S. 7.
6.2 Werks-, Lehr-undWerbefilm 83
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur