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jederüberflüssigeArbeitsschritt durchdenEinsatz vonMaschinenoderdieAnpas-
sung der vorhandenen Gerätschaften an den täglichen Arbeitsprozess vermieden
wurde. Arbeitswissenschaftliche Studien lagen dieser Umstrukturierung zu-
grunde.378 Die Reorganisation der Betriebseinheiten führte in einzelnen Abtei-
lungen zu einer Produktivitätssteigerung von bis zu 25 Prozent, aber auch zu
einerReduzierungdesPersonalstandsum35Prozent.379DaMeinl jedoch indie-
sem Prozess auf das Engste mit den Gewerkschaften zusammenarbeitete, blie-
ben Belegschaftsproteste aus. Vielmehr wurden dem Unternehmen von
Vertretern der Arbeiterschaft und vom sozialdemokratischen Wiener Bürger-
meisterKarl SeitzhöchstesLob fürdieKooperationmitdenMitarbeiterorganisa-
tionen ausgesprochen.380 Dies war auch das Ergebnis einer umfassenden
Informations- undWerbekampagne, die seitens der Firmaunternommenwurde.
Nationaleund internationaleGrößenausPolitikundWirtschaftwurdenzueiner
Besichtigung der Meinl-Werke eingeladen. In Fachzeitungen und im hauseige-
nenBlatt berichtetmanüberdieneueneffizientenAnlagen,wobei umfassendes
Bildmaterial zur Veranschaulichung diente.381 Der Generaldirektor der Julius
Meinl A.G., Kurt Schechner, hielt umfangreiche Vorträge, in denen er unter an-
deremdie Vorteile der Rationalisierungsmaßnahmen für die Arbeiterschaft und
dieösterreichischeVolkswirtschaftunterstrich.382
ObwohldasgroßangelegteundpropagierteRationalisierungsprojektdesUnter-
nehmens keine filmische Reflexion fand, blieb das Laufbild in den nachfolgenden
Jahren nicht völlig aus der Lehr- undWerbestrategie der Firma ausgespart. Hatte
man schonabMitte der 1920er-JahreWerbedias in denKinos eingesetzt,383 so ging
man ab 1935 daran, gezielt per Lehr- undWerbefilm fürMeinl und seineWaren zu
werben. Sowohl imZentralgebäudedesUnternehmens im 16.Wiener Gemeindebe-
zirk als auch in den Betriebsräumlichkeiten in der Mariahilfer Straße 31 wurden
LehrkurseundVorträgeabgehalten. InderenRahmen führteman–vornehmlich in
378 Meinls Monatsschrift, „Aus dem Forschungsinstitut Julius Meinl-Konzern“, Nr. 12, Dezember
1928,S. 14.
379 Kühschelm,Meinl,S.47.Lehrbaumer,Womitkannichdienen?,S.46.
380 Meinl-Archiv:Bericht:BesichtigungderMeinl-Zentralwerke,Wien, imDezember1928.
381 Kontakt, „Bilder vom Messestand der Julius Meinl A:G:auf der Wiener Herbstmesse 1930“,
Nr. 10,Oktober 1930, S. 23 f.MeinlsMonatsschrift, „DurchdieMeinl-Betriebe. II. Fortsetzung“und
„AusderPralinéfabrik“,Nr. 10,Oktober 1928,S.8 f. sowieebd.,„DurchdieMeinl-Betriebe IV.Fort-
setzung“,Nr. 12,Dezember1928,S. 14.
382 Schechner, Menschenbehandlung, S. 1–22. Meinl-Archiv: Bericht: Besichtigung der Meinl-
Zentralwerke, Wien, im Dezember 1928. Vgl. auch: Meinl, Julius jun.: Vorträge gehalten an der
Hochschule fürWelthandel,Wien1937,S.56–62.
383 Lehrbaumer,Womitkannichdienen?,S. 186. 6.2 Werks-, Lehr-undWerbefilm 89
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur