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hatten die Streifen „vornehmePropaganda“ für das „Kultur- undKunstlandÖster-
reich“ zu betreiben.439 DerwerbendeAuftrag dieser Produktionenwurde demnach
klar deklariert, wobei der ihnen innewohnende Kulturanspruch die reklametechni-
scheAusrichtunglegitimierte.440
Während der Ära des Austrofaschismuswurde die Einordnung in die Gattung
„Kulturfilm“ jedoch nicht nur inhaltlich begründet, wie die „Filmwirtschaftlichen
Vorschriftender Periode 1935–1937“belegen: „Kulturfilme imSinnedieser Bestim-
mungensindsolcheTonfilme,welcheAusschnitteauseinemodermehrerenKultur-
gebieten behandeln und eine kommerzielle Auswertung wie normale Spielfilme
nicht erwarten lassen. Die Einreihung eines Films in diese Kategorie beinhaltet
keinekulturelle, sondernnur einewirtschaftlicheWertung.“Somitwurden sowohl
die obligatorischeVorführung dieser Filmewie auch diverse steuerliche Erleichte-
rungen,diediesenProduktionenzugutekamen, indiesemSinnesowohl„kulturell“
alsauch„ökonomisch“begründet.441
Abdem Jahr 1934produzierten die österreichischenKurzfilmhersteller imAuf-
trag des Amtes für Wirtschaftspropaganda und unter der Ägide der einzigen mit
einemTonfilmpatentausgestattetenheimischenFirma,der„SelenophonLicht-und
Tonbildgesellschaft m.b.H“ (kurz „Selenophon“),442 regimekonforme Kultur-
filme.443 Finanziertwurdendiese Streifen über Gelder, die sich aus der Einfuhrbe-
lastung ausländischer Filme und aus Gebühren, welche die Leihanstalten für die
Vorführung der obligatorischen Kurzfilme zu entrichten hatten, rekrutierten.444
Letztlich dominierten ab Mitte der 1930er-Jahre nicht die klassischenWerbefilme
dasVorprogrammder österreichischenKinos, sondern der „Volksaufklärung“und
„Volkserziehung“ dienende, die „ökonomische und kulturelle Gesamtidee“ propa-
gierende„Wirtschafts- undKultur-Kurzfilme“.445Bis zumJahr 1938wurden57obli-
gatorische Kulturfilme erzeugt, die thematisch ein weites Spektrum abdeckten:
Gschz. 111616-WPA/37, Grz. 92307-WPA/37, Ggstd.: Besuch desHerrn Bundesministers in Badgas-
teinundHofgastein imNovember1937,WerbungGasteinerFilm,November/Dezember1937.
439Wirtschaftskammer Wien (WKW), Filmakten, Paket 3173/1, Mappe 1, Volkswirtschaftlicher
Aufklärungsdienst,Nr. 35, 1. Jänner 1936,S. 5.
440 ZudemNaheverhältnisvonKultur-undWerbefilmamBeispielDeutschlandsieheauch:Goer-
gen, In filmoveritas,S. 357,363.
441WKW, Filmakten, Paket 3173/2, M 8, „Österreichische Filmkonferenz Allgemein 1935–1937“,
FilmwirtschaftlicheVorschriften,AbschnittB,Filmkontingentierung,AllgemeinerTeil,S.5.
442 Die Protegierung der Selenophon erklärt sich aus demNahverhältnis des Regimes zum Fir-
mengründerOskarCzeija.Vgl.Moser,Demokratie,S. 297.
443 Heiß/Klimeš:KulturindustrieundPolitik,S.429.
444 ÖStA,AdR,BMHV,581c,Ktn.3711,Grz.92247-WPA/37,Gschz. 110079,Ggstd.:Zeitungsbericht:
MinisterialratDr.Lanskesprach inderLessingHochschule, 1937.Moser,Demokratie,S.306.
445 Contact, „Wirtschaftspropaganda“, Nr. 5, Mai 1935, S. 9–10. ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Ktn.
3766, Gschz. 92648-WPA 38, Grz. 92016, Ggstd.: Obligatorische Kurzfilme, Dezember 1937, Jänner
1938. 6.4 Kultur-undWerbefilm 105
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur