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ausländischenKonkurrenzerzeugnisse, derenBewerbungderheimischen Industrie
Schaden zufügen konnte.476 Somit lag der inoffizielle Grund, einemnicht-österrei-
chischen Film ein Prädikat zu verweigern, im Bedürfnis, die österreichischeWirt-
schaftvor fremderReklameschützenundletztlichprotegierenzuwollen.
ProtestegegenüberalsKulturfilmegetarntenWerbefilmengabesaberauchsei-
tensderFilmbranche.Auf eineklareTrennung (die so tatsächlichoft nichtmöglich
war) legtemanausreinwirtschaftlichenGründenWert.477Wurden„kulturelleKurz-
filme“ auch allzu eindeutig fürWerbezwecke eingesetzt, so waren Einbußen beim
reinen Reklamefilmgeschäft die Folge. Es verwundert daher nicht, dass es gerade
Vertreter der Kurzfilmproduzenten, die sowohl Kultur- als auch Lehr- undWerbe-
filme herstellten, waren, die diesbezüglich Aktivitäten setzten.478 Das Einblenden
vonMarkennameninder„ständestaatlichen“WochenschauÖBUT,dieebensounter
dieRubrik„Kurzfilm“ fiel, erregtedabeibesonderenUnmut.DerBeitragBLEISTIFTER-
ZEUGUNG IN ÖSTERREICH (Nr. 33b/1934) wurde von derÖsterreichischen Film-Zeitung
entsprechendkommentiert:
In der letztenWochenschau erlebten wir aber noch eine besondere Überraschung. Man be-
glückte uns zurAbwechslungmit einemFilmüber die Bleistiftfabrikation, inwelchemdirekt
ReklamefürdieMarke ‚Kohinoor’ [. . .]gemachtwird.EinderartigerVorgangmussumsomehr
denschärfstenProtestherausfordern,alsdadurchdenprivatenFirmen,diesichmitderErzeu-
gungvonReklamefilmenbefassen, eineübermächtigeKonkurrenzgemachtwird,da ihnenei-
nerseits Aufträge entzogen werden, andererseits für die von ihnen hergestellten Filme ein
Aufführungszwang, wie ihn dieWochenschau leider genießt, nicht besteht. [. . .] Aber auch
derKinobesitzererleidetdadurcheinenSchaden,daer fürdieVorführungvonReklamefilmen
eineBezahlung erhält, diewegfallenwürde,wennesModewerden sollte, derartigeReklame-
filme imregelmäßigenRahmenderobligatorischenWochenschauerscheinenzulassen.479
Tatsächlich nahm die ÖBUT regelmäßig Aufnahmen von Industriebetrieben und
Produktionsabläufen indieBerichterstattung auf.Mankamdamit einemWunsch
476 ÖStA, AVA, BMU, Volksbildung: Film, 1935, Ktn. 495, Fasz. 476, Gschz. 38976-VB, 1935,
Ggstd.: Filmbegutachtung: „Sticken, Stopfen, Flicken,Nähen, alles geht imHandumdrehen“, Film
desUnternehmensSinger,Dezember1935.
477 DerWienerFilm,„Kulturfilm?“,Nr.6,9.Februar1937,S.6.
478 EinsprüchehinsichtlichderAnerkennungvonFilmenmitReklameinhalten legteetwawieder-
holt der Kurzfilmhersteller Karl Köfinger bei den Sitzungendes Filmbeirats ein. Vgl.:WKW, Film-
akten, Paket 3137/1, M 2, „Protokolle des Filmbeirats 1934–1937“, Verhandlungsschrift der 129.
SitzungdesFilmbeirats vom17. Jänner 1934undVerhandlungsschrift der 175. SitzungdesFilmbei-
rats vom6. Februar 1936 sowie ebd., „Gutachter Kollegium für obligatorischeKultur-Kurztonfilme
1935–1938“,Verhandlungsschriftder42.Sitzungvom3.November1937.
479 Österreichische Film-Zeitung, „Reklame in der Wochenschau“, Nr. 4, 27. Jänner 1934, S. 1.
Achenbach,Michael: „ . . .wennderErfolg gewährleistet sein soll“. Hintergründe zueinemPropa-
gandainstrument des Ständestaates, in: Achenbach,Michael/Moser, Karin: Österreich in Bild und
Ton.DieFilmwochenschaudesaustrofaschistischenStändestaates,Wien2002,S.89 f.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur