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und der österreichischen Kaufmannschaft zur Aktion ‚Kauft österreichische
Waren!’“zusammengeschlossen.484
Hierbeihandelt es sichnichtumeinspeziell österreichischesPhänomen.Staat-
lich getragene, ökonomisch versierte Werbeaktivitäten häuften sich im und in
FolgedesErstenWeltkriegs sowie imZugederWeltwirtschaftskrise. Sowohl inden
VereinigtenStaatenalsauch inEuropagabesbereitsdiversedurchauserfolgreiche
Vorbilder von „Buy national“-Kampagnen.485 Die Kriterien, die den Erfolg der auf
volkswirtschaftliche und nicht etwa auf betriebswirtschaftliche Aspekte setzenden
Werbeform garantieren sollten, wurden eingehend diskutiert: Weniger defensiv
bzw.aggressivablehnendgegenüberderKonkurrenz, sondernvielmehrpositivver-
bindlich und auf den persönlichenVorteil abzielendwären die im Zuge der Kam-
pagne eingesetzten Reklamemittel zu gestalten. Leicht verständlich hätteman die
Argumente vorzubringen. Zudembrauche die „Erziehung und Belehrung“ der Be-
völkerung ihre Zeit, ein verfrühtes Abbrechen „des Feldzuges“ könne demzufolge
nur kontraproduktiv sein.486 Bezogen auf Österreich hieß das, „der Bevölkerung
vor Augen zu führen, dass dasWohlergehen jedes einzelnen abhängig ist von der
Erstarkungder eigenenVolkswirtschaft, derenGrundfesten inderProduktiongele-
gensind“.487
Umunter anderemdieseBotschaft zu vermitteln, gingmandaran, vielgestal-
tigeAktivitätenzusetzen. Inseratewurdengeschalten, entsprechendeAufsätze in
Tages-undFachzeitungenpubliziert.WerbeplakatederArbeitsgemeinschaftwur-
den in Lokalen, Auslagen und in den Straßenbahnen ausgehängt. Ein „Haus-
frauenbüchlein“ informierte über österreichische Bedarfsartikel, Vorträge und
RadiosendungenunterstütztendieKampagne.ZurFindungeinesösterreichischen
Warenzeichenswurdeeinkreativer, grafischerWettbewerbdurchgeführt, dieprä-
mierte Bildmarke zierte fortan heimische Produkte.488 Auch der Filmwurde zur
Propagierung der Aktion „Kauft österreichische Waren“ genutzt. Eine eigene
Plattformbothierbei abMärz 1934derWochenschau-Abspann,derdieZuschauer
484 Kontakt,„KauftösterreichischeWaren!“,Nr.8, Juli/August 1930,S. 12.
485 Zu erwähnenwären vor allem die „Buy national“-Kampagnen der Schweiz, Großbritanniens
undderUSA. Siehe auch:Kühschelm,Oliver/Eder, FranzX./Siegrist,Hannes: Einleitung. Konsum
undNation, in: Kühschelm, Oliver/Eder, Franz X./Siegrist, Hannes: KonsumundNation. Zur Ge-
schichte nationalisierender Inszenierungen in der Produktkommunikation, Bielefeld 2012, S. 14.
Vgl.weiters:Kontakt,„Die letzteEntwicklungunddienächstenAufgabenderReklame.Mit beson-
derer Berücksichtigung der Gemeinschafts- und behördlichen Reklame“, Nr. 1, Jänner 1931, S. 5
f. sowieebd.,„KollektivreklameinDeutschland“,Nr. 10,Februar1928,S. 15.
486 Kontakt, „Rationalisierung von Verkauf und Reklame“, Nr. 5/6, Mai/Juni 1929, S. 3 f. sowie
ebd.,„Die letzteEntwicklungunddienächstenAufgabenderReklame.MitbesondererBerücksich-
tigungderGemeinschafts-undbehördlichenReklame“,Nr. 1, Jänner1931,S. 5 f.
487 Kontakt,„KauftösterreichischeWaren!“,Nr.8, Juli/August 1930,S. 12.
488 Ebd., S. 13.ÖsterreichischeReklame,„DerWettbewerb fürdieAustria-Marke“,Nr. 8, 1931, S. 9
f.Gries,Produkte&Politik,S.78.
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Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur