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Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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dieHerkunft derWare, die imKreis tänzelnden Schillinge unterstreichen den pat- riotisch richtigenKauf. EineVerhaltensänderunghat stattgefunden. EineVerände- rungderAusgangssituationwird impliziert. Die hier zu erreichendeZielgruppe ist jeneder Frauen. Sie tätigendie Einkäufe undsollenzueinerbewusst„österreichischenWahl“animiertwerden.500Eine junge Angestellte ist die zweite zentrale weibliche Figur, die im letzten Drittel des Films auftritt. Sie profitiert bereits vom veränderten Kaufverhalten. Im Betrieb werden Kündigungenaufgehoben, eswird sogarneues Personal eingestellt. DieMitarbeite- rinbekommt ihrenLohnausgezahlt. IhreHeimattreue lässt sichbereits aneiner rot- weiß-roten Masche an ihrem Kragen erkennen, die sie sofort wiedererkennbar macht. Auf der Textebene wird die Leitlinie vorgegeben: „O Freude angestellt zu sein!VomerstenGeldkauf ichgleichein–abernurösterreichischeWaren!“Wir fin- denunsneuerlich imausdemerstenTeil bekanntenGroßgeschäftwieder. Diesmal wähltdie jungeFrauProdukte„Made inAustria“,wieeineTafelausweist.DemZwi- schentitel „Und richtigwieder ausgegeben, bringt er demLandeneues Leben!“ fol- gen statt der Animation „reale“ Bilder, welche die Folgewirkung des moralisch richtigenWarenerwerbs erlebbar machen sollen: Die strahlende Kundin hebt eine Vielzahl an Paketen hoch, wiegt sich glücklich hin und her. Per Trick erscheinen tanzendeSchillinge,welchedieösterreichischeVorzeigekonsumentinumkreisen. Das Konsumerlebnis, das hier allerdings mit moralischen Inhalten gekoppelt ist, verheißtMomentedesabsolutenGlückszustands. Ethischentkoppeltwirkt hin- gegeneineSzene imMittelteildesFilms.HiermühtsicheinTischler inseinerWerk- statt alltäglich ab. Seine kleine Tochter betritt den Arbeitsraum. Sie erwartet Taschengeld. InGroßaufnahmewirdnundieReaktiondesMädchens eingefangen: Siewendet denKopf ab, rollt verärgert die Augen,während dieHände des Vaters im Sack nachMünzen suchen. Mit einemAchselzucken verlässt sie die Szenerie, derMannstreicht ihrnochkurzüberdenKopf.ErblicktgenHimmel, schüttelt ver- zweifelt den Kopf und gehtwieder ansWerk. Szenenwechsel: Der Handwerker ist zum Kleinunternehmer geworden, drei Arbeiter sind unter seiner Aufsicht tätig. WiederbetrittdasKinddenSchauplatz.EsnimmtsanftdenArmdesVaters, liebäu- gelt mit ihm. Er reicht demMädchen sein Portemonnaie, sie blickt hoch, er nickt bejahend. Sie zieht einenGeldschein ausder gefüllten Tasche, lächelt freudig und danktdiesmalmiteinemKopfnickenundeinerUmarmung.BeseeltblicktderMann derTochternachundseufzt. 500 Zudemwar das Kinopublikum ein vornehmlichweibliches. Ein Artikel des Jahres 1935 über diedurchschnittlicheKinobesucherfrequenz inDeutschlandverweist etwadarauf,dasssichdasKi- nopublikumzu rund70Prozent ausweiblichenundnur zu30Prozent ausmännlichenBesuchern zusammensetzte. Siehe: Verkaufspraxis, „Streu- und Treffmöglichkeiten in der Kinowerbung“, Nr. 8,Mai 1935, S. 486.Vgl. dazuauch:Bernold,Monika:Kino.Über einenhistorischenOrtweibli- chen Vergnügens und dessen Bewertung durch die sozialdemokratische Partei. Wien 1918–1934, Dipl.Wien1987,S. 15–19. 6.4 Kultur-undWerbefilm 117
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Der österreichische Werbefilm Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Titel
Der österreichische Werbefilm
Untertitel
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Autor
Karin Moser
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-062230-0
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
316
Schlagwörter
Culture of memory, media history, advertising
Kategorie
Kunst und Kultur
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