Seite - 121 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Bild der Seite - 121 -
Text der Seite - 121 -
entsprechendwahrgenommenwerden. Zudembliebder SaalwährendderWerbe-
vorführungen, die vor Beginn des Hauptprogramms und in den Pausen erfolgte,
oftmals halb oder ganz erleuchtet.509 Die vonWerbefilmproduzentenwiederholt
beschworene, konzentrierte Aufmerksamkeit der Zuschauer im abgedunkelten
Raumwarsonatürlichnichtgewährleistet.
Der Umstand, wonach derWerbeteil oftmals lange vor Beginn des Hauptpro-
gramms (etwa 10 Minuten früher) und zwischen zwei Vorstellungen lief, führte
dazu, dass immer nur ein geringer Teil der Kinobesucher die Reklame tatsächlich
sah. Die Präsentation desWerbeblocks nach derWochenschauwurde schließlich
vorgeschlagen,umdie sichereAnwesenheitdesgesamtenPublikumszusichern.510
Kritikermerkten zusätzlichan,dassdie volleAuslastungderSäle auchnicht gege-
ben sei. AusDeutschlandmeldeteman 1935, dass im Jahresdurchschnitt nur etwa
30Prozent des Platzangebots in den Lichtbildtheaternwirklich genutztwurden.511
VergleichszahlenausÖsterreichwarennichtzuermitteln.
BeanstandetwurdedesWeiterenauchdie fehlendeodermangelhaftemusikali-
scheBegleitungderReklamebilder.DerEinsatzvonSchallplattenmitKlängenund/
oderSprechtextwar inderStummfilmzeitbereitsdurchausüblich.Beimgesproche-
nenWortmachte imSpeziellenderSynchronismusvonBildundTonProbleme.Als
„unpassend“ und „peinlich“ empfundene Dialoge wurden ebenso von den Fach-
blättern der Kaufmannschaft bekrittelt und als „primitiv“ abgelehntwie Schlager,
die von „süßlich-wabbliger Stimme“ sowie „albernerMelodie und Text“ bestimmt
waren.512
AufgrundalldieservorgebrachtenMängel standenvorallemdieReklamebüros
im Kreuzfeuer der Kritik,513 die hinsichtlich Buchung und Vorführung derWerbe-
filmemit den KinobetreibernVerträge abschlossen und die ordnungsgemäßeDar-
bietung der Werbebilder gewährleisten und kontrollieren sollten. Seitens der
Werbefilmproduzenten und der Lichtspielunternehmer verstärkte sich im Verlauf
der 1930er-JahrederUnmutgegenüberdenReklamepächtern.Letzterenwurdeeine
völlig unstringente Geschäftsgebarung vorgeworfen. Klare preisliche Vereinbarun-
gen blieben aus, ein permanentesUnterbieten hatte Dumpingpreise sowie dieUn-
terverpachtungeinzelnerVorführungenzurFolge. Zudemwürdensie „die erteilten
509 Österreichische Reklame, „Kino-Reklame“, Nr. 7, Jänner 1928, S. 23.Verkaufspraxis, „Was zur
Kinoreklamegesagtwerdenmuß“,Nr. 7,April 1930,S.405 f.
510 Verkaufspraxis,„WaszurKinoreklamegesagtwerdenmuß“,Nr. 7,April 1930,S.405.
511 Verkaufspraxis,„Streu-undTreffmöglichkeiten inderKinowerbung“,Nr.8,Mai 1935,S.484.
512 Verkaufspraxis, „Was zur Kinoreklame gesagt werdenmuß“, Nr. 7, April 1930, S. 406 sowie
ebd.,„ÜberdieakustischeAusgestaltungderKino-Reklame“,Nr. 10, Juli 1934,S.601–603.
513 Auf kritische Stimmenbezüglich der VorführungderWerbefilme in Kinotheatern folgtenmit-
unter klare Stellungnahmen seitens der Reklamepächter. Siehe:Verkaufspraxis, „Was zur Kinore-
klameaußerdemgesagtwerdenmuß!“,Nr. 11,August 1930,S.665–669.
7.1 KinotheaterundReklamefilm 121
zurück zum
Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur