Seite - 134 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Bild der Seite - 134 -
Text der Seite - 134 -
„zulässige Anzahl gleichzeitig anwesender Zuseher wäre in angemessenemMaße
zubeschränkenwieauchdieMeterlängedervorzuführendenSchmalfilme“.592
Oftmals gabdasMagistrat denVertreternderKinounternehmen recht undver-
weigerte die Ausstellung einer Vorführkonzession. Ein schlagkräftiger Grund für
eine Zurückweisung des Gesuchs war die Aufführung von Filmen, die nicht aus-
schließlich der Bewerbung von Produkten oder Dienstleistungen dienten, sondern
vielmehrKulturfilm-, Sportfilm-, Landschaftsfilm-, Spielfilm- oderAktualitätencha-
rakter aufwiesen.593 Davon betroffen war etwa auch die Firma „Julius Maggi
Gesellschaftm.b.H.“,dieneben ihrenklassischenWerbestreifenauchdenReisefilm
VONWIEN BIS BREGENZ zur Vorführung brachte. DemUnternehmenwurde die Prä-
sentation dieses Films „zumSchutz der Lichtspielbetreiber“untersagt. DieWerbe-
leitervon„Maggi“ reagiertenpromptundersetztendenReisefilmdurchDiapositive
mit demgleichen Inhalt. DasReklamekonzept, das auf derDarbietung vonWerbe-
filmenundeinemVortrag (Letzterer nun ebenmitHilfe vonLichtbildern) basierte,
blieberhalten.DieKinobetreiberwarenmitdieserLösungzufrieden.594
Anders verlief eineAuseinandersetzung rundumdieBeantragungeinerWan-
derkinokonzession seitensderFirma „Persil-GesellschaftHenkel&Voithm.b.H.“.
Gegen deren Bewilligung erhoben die Kinounternehmer aus „Konkurrenzgrün-
den“Einspruch.DasUnternehmensetzte sichgegendiesenProtest zurWehrund
brachte zahlreiche Argumente vor, die für die positive Beurteilung des eigenen
Gesuchs sprachen. Vorerst erklärte die „Persil-Gesellschaft“, mit ihren kostenlo-
sen Werbe- und Waschvorführungen in keinerlei Wettstreit mit dem regulären
Kinoprogrammzustehen.Man„entziehe“ somit„einemHaushaltniemalsden für
dieUnterhaltungmöglichenBetrag“.VielmehrhättedieFirmamit ihrenPräsenta-
tionen inbäuerlichenKreisenoft erstmalsderen InteresseamTonfilmgeweckt. In
der Folge wären viele Persilabend-Besucher zu Kinobesuchern avanciert. Über
lange Zeit habe dasUnternehmen zudemseine Filme ausschließlich inKinos zur
Aufführunggebracht.AlleinderEinsatzdesFilmsWÄSCHE-WASCHEN-WOHLERGEHEN
hätte den österreichischen Lichtspielbetreibern 175.173,60 Schilling an Kinomie-
ten eingebracht. Es habe sich jedoch als notwendig erwiesen, eigeneVorführein-
richtungen zu nutzen, da die Kinobetreiber abendfüllendeWerbefilmemeist nur
592WStLA,MA 104, Zl. K 673, „Hoffmann&Co., Konzessionsansuchen, 44 Standorte“, 25. März
1936.Vgl.weiters:Ebd., Zl.K 1215,„KonzessionsansuchenHeleneKletzka,bislangVertreiberinvon
kosmetischenProdukten“, 22. Oktober 1936. Ebd., Zl. K 1870, „Konzessionsansuchender Konsum-
genossenschaftWienundUmgebung“, 10.September1937.
593 Siehe z.B.:WStLA,MA104, Zl. K 555, „Konzessionsansuchen für Schmalfilmvorführungen im
Direktionsgebäudeder städtischenGaswerke“, 22.November 1935.Ebd., Zl.K452,„Konzessionsan-
suchenKodak“, 2.Oktober 1935.Ebd.,Zl.K673,„Hoffmann&Co.,Konzessionsansuchen,44Stand-
orte“, 25.März1936.
594WStLA,MA 104, Zl. K 1710, „KonzessionsansuchenMaggi“, 18. November 1929. Sowie unter
demgleichlautendenBetreff:Ebd.,Zl.K1806,3. Jänner 1930.
134 7 Der„richtige“Ort fürden„richtigen“Film
zurück zum
Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur