Seite - 136 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Bild der Seite - 136 -
Text der Seite - 136 -
8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,
Organisation,Einflusssphären
8.1 Einzelkämpfer füreinneuesWerbemittel
InWien spielen heute zirka 80Kinos 7 Tage in derWoche. Setzenwir den Fall, dass nun40
Kinossichbereit erklären,unserenkaufmännischenPropagandafilmzubringen,soergibtdies
bei 3VorstellungenproTag 120Vorstellungen.Nehmenwir perVorstellungnur 500Zuseher,
so ergibt dies für einen Tag 60.000Menschen, die denFilmgesehenhaben. Ohne gegenun-
sere in jeder BeziehungvortrefflichePresse nur imEntferntesten Stellungnehmenzuwollen,
glaube ich doch sagen zu können, dass auch die allergeschickteste und aparteste Annonce
nicht an die Wirkung des Kinos heranreichen kann. Darin liegt die Bedeutung, respektive
enormeWerbekraftdesFilms [. . .].598
„Der FilmalsWerbemittel“wurde 1919 vomAbteilungsleiter der „Sascha FilmA.G.“,
Major derReserveKarl J. Zitterhofer,wie imZitat ersichtlich, nachhaltig angepriesen.
Nicht ohne Grund– hatte doch das von Zitterhofer vertreteneUnternehmenmit der
„Sawerb“bereitswährenddes ErstenWeltkriegs eine eigeneWerbefilmabteilung ein-
gerichtet. Doch schon im Jahr 1914 lässt sichmit der „Preiss Film Ges.m.b.H.“ eine
Leihanstalt inWien finden,dieu.a. explizit„Reklamefilms“ imRepertoire führt.599 Im
selben JahrweistLehmann’sAdressbuch fürWienauchdas „Erste österreichischeRe-
klamefilm-Institut“unterderLeitungvon JuliusAdamaus,„konzessioniert vonderk.
k.niederösterreichischenStatthalterei zurFörderungvon Industrie,Handel,Gewerbe,
Fremdenverkehr,AusstellungswesenundKongressen im In-undAusland“.600 Inden
nachfolgenden Jahrenscheintder letztgenannteBetrieb imBranchenverzeichnisnicht
mehr auf –weder in der Rubrik „Kinematographen. Filmfabrik. -Leihanstalten und
-Händler“ noch im Bereich „Reklameunternehmungen“. Erst in der Nachkriegszeit
bewerbenFirmen auch ihre Reklame- undPropagandafilmproduktionen, so etwa
die„PrimaxKinomaschinenfabrikundFilmges.m.b.H.“, die„VOXReklameu.Film
G.m.b.H.“, die „Pavo-Film“, die „Sawerb“ oder die „Lido-Film“.601 Ab Mitte der
1920er-Jahre lassensichReklamefilm-Pachtanstaltenbelegen.602
598 DerFilmbote,„DerFilmalsWerbemittel“,Nr. 37, 19.April 1919,S. 7 f.
599 Die„PreissFilmGes.m.b.H.“ lässt sich inLehmann’sAdressbuch (Wien) inden Jahren1914bis
1916 (Rubriken„Kinematographen“,„Film-Fabriken, -Leihanstaltenund–Händler“)nachweisen.
600 Lehmann’sAdressbuch (Wien)1914,Rubrik„Reklame-Unternehmungen“.
601 Siehe dazu Lehmann’s Adressbuch (Wien) 1919– 1924, (Rubriken „Kinematographen“,
„Film-Fabriken, -Leihanstalten und -Händler“, „Propagandafilme“, „Werbefilme“, „Reklame-
Unternehmungen“). Insgesamt wurden die Ausgaben von Lehmann’s Adressbuch (Wien) der
Jahre 1896– 1939herangezogen.
602 Vorallemzunennensinddie„AllgemeineKinoreklameG.m.b.H.“ sowiedie„ÖsterreichischeAn-
zeigen-GesellschaftA.G.Siehe:Lehmann’sAdressbuch (Wien)1925–1928, (Rubrik„Kino-Reklame“).
OpenAccess.©2019KarinMoser,publiziert vonDeGruyter. DiesesWerk ist lizenziertunterder
CreativeCommonsAttribution4.0Lizenz.
https://doi.org/10.1515/9783110622300-008
zurück zum
Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur