Seite - 141 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Zusätzlich kamen noch Lizenzgebühren proMeter zum Tragen, die auch für jede
weitere Filmkopie abzugeltenwaren. Als besonders problematisch empfanden die
Werbefilmproduzenten, dass die „Selenophon“ das ausschließliche Herstellungs-
recht fürReklamefilmevertraglichaneineprivateFirma,nämlichandasUnterneh-
men von Robert Reich, weitergegeben hatte.626 Damit wäre ein Submonopol
eingerichtetworden,dadieBeschwerde führendenKurzfilmherstellernurmit einer
Bewilligung der Firma „Robert Reich & Co“ und gegen Leistung einer hohen Ab-
standssummeFilmeproduzierenkonnten.627Somit lägeeinklarerWettbewerbsvor-
teilgegenüberdenrestlichenReklamefilmproduzentenvor.
DiestaatlichenStellenreagiertenunmittelbaraufdieseInterventionundveranlass-
ten die „Selenophon“, eine „möglichst gleichmäßige Beschäftigung aller in Betracht
kommenderAufnahmeleiter“ zu gewährleisten.628 Garantiertwurde ein besseresAus-
kommenderHersteller schließlichmit der Regierungsverordnung zur obligatorischen
VorführungvonKurzfilmen im Jahr 1934.DenGrundstein fürdieRichtlinie legtendie
Branchenvertreter bereitsmit ihren Aktivitäten in den Jahren zuvor. Sie wiesen etwa
daraufhin,dassangesichtsdesstarkenRückgangsderheimischenKurzfilmproduktion
Kultur- bzw. Lehr- und Industriefilme, die den österreichischen Tourismus beleben
unddenGlauben indie alpenländischeWirtschaft festigenkönnten, ausblieben.Hin-
gegendominierten in den „inländischenKinos ausländische Industrie- undHochleis-
tungsfilme, die in dem Österreicher ein Minderwertigkeitsgefühl auslösen“.629 Eine
Unterstützung der Kurzfilmer wäre demnach auch von staatspolitischem Interesse.
Man empfahl der Regierung zudem, bewusst Einfluss auf den Inhalt und die Gestal-
tungderartigerKurzfilme zunehmensowiedie österreichischenKinobetreiber zuver-
pflichten, mindestens 15 Prozent ihres Programms mit heimischen Filmen zu
bespielen.630 Der Erlass der Vorführverpflichtung für staatlich protegierte Kurzfilme
sowie die Forcierung dieses Genresmachen den Erfolg der gezielten Lobbyingaktion
klar ersichtlich.631Allerdingsbedeutetedas aucheinedaraus resultierendeAbhängig-
keitvonstaatlichenAufträgen.
626 Ebd.
627 DieVerfasser des SchreibenswarenGustavMayer, Rudolf Lechner,WilhelmHipssich, Lothar
Rübelt,KarlKöfinger,HansBrückner,BrunoLötschundEgonLahousen.
628 ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Ktn. 3483,Grz. 95604–9/33,Gschz. 97128–9/L/33,Ggstd.: Lehr-, Pro-
paganda- undWochenschaufilmerzeuger. Denkschrift betr. Belebungder heimischenKurztonfilm-
Industrie, 22.April 1933.
629 ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Ktn. 3483,Grz. 95604–9/33,Gschz. 97128–9/L/33,Ggstd.: Lehr-, Pro-
paganda- undWochenschaufilmerzeuger. Denkschrift betr. Belebungder heimischenKurztonfilm-
Industrie, 22.April 1933.
630 Ebd.
631 Hier trafensichdie Interessender„Selenophon“undderKurzfilmhersteller.Auchdie„Seleno-
phon“ versuchte seit 1932, Beamte und Regierungsmitglieder von der Bedeutung einer spezifisch
österreichischenKurztonfilmproduktionzuüberzeugen.Vgl.:Heiß/Klimeš:KulturindustrieundPo-
litik,S.429. 8.2 Umbrüche 141
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur