Seite - 142 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Bild der Seite - 142 -
Text der Seite - 142 -
Im Bereich der Kontingentregelungen konnten die Kurzfilmhersteller bereits im
Jahr 1930einenErfolg verbuchen.Ursprünglichhatteman imJahr 1926angesichtsdes
drohenden Zusammenbruchs der österreichischen Filmindustrie die Filmkontingentie-
rungeingeführt.DieserBestimmungzufolgewarderFilmimportnachÖsterreichdirekt
mitderheimischenEigenproduktiongekoppelt. 1925gingmandavonaus,dass fürden
inländischenKinobetrieb420FilmezurVerfügungstehenmussten.20Filme–diesoge-
nanntenStammfilme– solltenausÖsterreichkommen,400ausdemAuslandbezogen
werden.632UmalsStammfilmanerkanntzuwerden,mussteeinGroßteilderArbeitsleis-
tung inÖsterreicherfolgt sein,wobeiAtelierkosten,Gehälter,Ausstattungskostenusw.
eingerechnetwurden. Für jedenanerkanntenStammfilmstelltendieBehörden20Vor-
merkscheine aus, somit konntenproStammfilm20Filmimporte durchgeführtwerden.
DieseBescheinigungendientenalsGrundlage fürdie Filmimporteundkonntenandie
Filmverleiher übertragen bzw. verkauft werden. Zweck der Filmkontingentierungwar
es,dieEinfuhrausländischerFilmenachÖsterreichzubeschränkenundmittelsderein-
gehobenenKontingentgebührendieheimischeFilmproduktion zu fördern.DieBestim-
mung fand allerdings vorerst nur bei Spielfilmen ihre Anwendung. Für Kultur- und
Lehrfilme musste keine Importgenehmigung beigebracht werden, umgekehrt kamen
die Produzenten dieser Genres auch nicht in denGenuss vonVormerkscheinen. Dies
ändertesich1930,alsdurcheineneueRegelungauchKurztonfilmealsStammfilmean-
erkannt werden konnten und in diesem Sinne auch deren Produzenten Kontingent-
scheine zugewiesen bekamen.633 Der Wert eines solchen Belegs entsprach 1.000
Schilling,634wobeinundieVormerkscheinenurnochgestaffeltnachden tatsächlichen
Produktionskosten zur Ausgabe kamen.635 Auch Reklamefilme waren mit Vormerk-
scheinenversehenworden,allerdingsbloß ineinemAusmaßvon30Prozent jenesAn-
teils, der für abendfüllende Tonfilme und Kurztonfilme zur Veranlagung kam.636 Im
632 Diese Quote wurde im Verlauf der Jahre 1926 bis 1937 immer wieder adaptiert und entspre-
chendabgeändert.Vgl.:Loacker,Anschluss,S.75–77.
633 Ebd., S. 76–78. Um in denGenuss eines Kontingentscheins zu kommen,musste der Kurzfilm
einen Kostenaufwand von mindestens 6.000 Schilling aufweisen können. Zusätzlich hatte das
künstlerische und technische Personal in Österreich ansässig zu sein; sollte ein ausländischer
Künstlereingesetztwerden,sodurftendiehierfüraufgewendetenBeträgenicht indieHerstellungs-
kosten des Films eingerechnet werden. Vgl.: ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Ktn. 3439, Grz. 92121/32,
Gschz.92121/9L/32,Ggstd.:Filmkontingentierung1932, Jänner 1932.
634 ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Ktn. 3483,Grz. 92843–9/32,Gschz. 105.324–9/L/32,Ggstd.:Wünsche
derFilmerzeugerhinsichtlichFilmbeiratundFilmkontingentierung,21.Oktober 1932.
635 Davorwurde jedemStammfilm die gleiche Anzahl an Vormerkscheinen zugewiesen, egal ob
derFilmmitgroßemKostenaufwandoderbilligproduziertwordenwar.Dies führtebeidenHerstel-
lern von Großproduktionen zu Unmut. Eine Änderung des Systems im Jahr 1930 war somit die
Folge.Vgl.:Loacker,Anschluss,S.78.
636 Entwurf „ErlassKammer fürHandel,Gewerbeund Industrie inWien,Filmbüro.Anerkennung
von Stammfilmen. Kontingentquote, gültig vom 1. September 1932 bis auf weiteres“. Beigelegt:
ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Ktn. 3483, Grz. 90759/32, Gschz. 95121/L/32, Ggstd.: Neubesetzung im
Filmbeirat,9.April 1932.AuchhierbeiwarendieProduktionskostenvonRelevanz.
142 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
zurück zum
Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur