Seite - 146 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
Bild der Seite - 146 -
Text der Seite - 146 -
Lanske (Handelsministerium) erhobman vehement Einspruch. Lebzelter zog sich
daraufhinsofortvondemMandatzurück.646
Mit Nachdruck verfolgte der Verein auch seine Vertretung im Filmbeirat,
wobeiman sowohl bei der StadtWien als auch beimHandelsministerium vor-
stellig wurde.647 Anlass war der Umstand, dass mit 30. April 1936 die Funk-
tionsperiode des damals aktiven Filmbeirats auslief und dieser daher neu zu
bestellen war.648 Der damit beauftragte Obermagistratsrat Dr. Pamperl em-
pfand das Ansinnen des Verbandes und sein Gebaren als unpassend und zu-
dringlich. Ein erster Versuch, die Vereinsmitglieder mit dem Hinweis auf die
ohnehin bereits zu hohe Anzahl an Beiräten abzuwehren, blieb erfolglos. Mi-
nisterialrat Lanske gegenüber erklärte Pamperl zudem, dass es ihmunklar sei,
„was gerade Kurzfilmhersteller für ein Interesse an der Zensur“ hätten, da
doch „ihre Produkte kaumGegenstand einer Kampfabstimmung imFilmbeirat
sein werden“. Und „selbst wenn dem einmal so wäre“, so werde „schon aus
Solidaritätsgefühl der Vertreter der Filmerzeuger ohnehin als ihr Anwalt fun-
gieren“. Zudemkonstatierte Pamperl, dass „der Jahresumsatz aller österreichi-
schen Kurzfilmhersteller kaum an die Herstellungskosten eines großen
Spielfilmsheranreiche. IhrewirtschaftlicheBedeutungsei daherohnehinnicht
sehr groß. „Das Rathaus“ kam laut Aktenvermerk zur Feststellung, dass der
„Kurzfilmherstellerverband nicht unbedingt dabei sein muss“. Sollte Lanske
jedoch der Meinung sein, dass „eine Vertretung des Verbandes im Beirat ge-
rechtfertigt“ sei, so solle man demGesamtverband der österreichischen Film-
produktion nahelegen, in seine Besetzungsvorschläge auch ein bis zwei
Vertreter desKurzfilmherstellerverbandes aufzunehmen.649DenVereinsvertre-
tern erwiderte Pamperl in einem Schreiben ergänzend, dass mit Robert Reich
in der gegenwärtigen Periode ohnehin „einer der ältesten Erzeuger vonRekla-
mefilmen inÖsterreichdemFilmbeirat“angehöre.650
646 ÖStA,AdR,BMHV, 581c,Ktn. 3711, Grz. 92034-WPA/37, Zl. 101099, „Schreiben Josef Lebzelter
(Selenophon)anMinisterialratEugenLanskebezüglichTeilnahmeander InternationalenFilmkon-
ferenz“, 19.Mai 1937.
647WStLA,MA104,Zl.K4983,„SchreibenPamperlanVerbandderKurzfilmhersteller,Vertretung
im Filmbeirat“, 10. September 1935. ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Ktn. 3591, Grz. 103819–9/35, Zl.
113273, „Schreiben Kurzfilmherstellerverband anAmt fürWirtschaftspropaganda/Handelsministe-
rium,VertretungdesVerbandes imFilmbeirat“, 16.Dezember1935.
648 ÖStA,AdR,BMHV,581c,Ktn.3649,Grz.92064-WPA/36,Zl. 97456,„SchreibenObermagistrats-
ratDr.Pamperl (MagistratWien,Abteilung6)anMinisterialratEugenLanske,VertretungderKurz-
filmhersteller imFilmbeirat“, 21.März1936.
649 Ebd.
650WStLA,MA104,Zl.K4983,„SchreibenPamperlanVerbandderKurzfilmhersteller,Vertretung
imFilmbeirat“, 10.September1935.
146 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
zurück zum
Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur