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bezogsichaufdieMitteilungdesVereinsandieBündederWienerLichtspieltheaterbe-
sitzer,wonaches sichbei demWeihnachtsfilmderMaar-Produktionum „Pfuscherar-
beit“handle.674ErfolgreichgingenschließlichdieorganisiertenKurzfilmherstelleraus
dem Konflikt hervor. Zwonko Maar wurde von der Bezirkshauptmannschaft Innere
Stadt zu „einerGeldstrafe von800Schilling, imUneinbringlichkeitsfall zuArrest ver-
urteilt“, daer, ohne imBesitz einerGewerbeberechtigungzusein,Werbefilme fürun-
terschiedlicheUnternehmungeninWienhergestellthatte.Außerdemverfügtemandie
BeschlagnahmevonverschiedenemFilmmaterialdesGenannten.675
Bereits seit 1933arbeitetendieKurzfilmproduzentendaran,denZugangausländ-
ischer Konkurrenten zum österreichischenMarkt zu beschränken. Vor allemwollte
man touristischmotivierte Aufnahmendurch internationale Filmanbietermöglichst
unterbinden. Man unterbreitete Handelsminister Guido Jakoncig den Vorschlag,
„Filmaufnahmen in Österreich durch ausländische Unternehmer nur nach vorher
schriftlich erteilter Bewilligung des Handelsministeriums“ durchführen zu lassen.
Manargumentierte, dass nur soder Schutz vor Filmwerken, die dasAnsehenÖster-
reichs schädigen könnten, gewährleistet sei. Tatsächlich ging es den Produzenten
vornehmlichumdieAusschaltung„unlautererKonkurrenz“.676DieKurzfilmindustrie
beklagte auch noch drei Jahre später, dass heimische Unternehmen ihre Reklame-
filmemitunter imAuslandherstellen ließen, umvermeintlichqualitativ bessereund
kostengünstigereProduktionenzuerhalten.Die InteressenvertretungderBetroffenen
unterstrich jedoch nachdrücklich, dass der österreichische Werbefilm mittlerweile
eine „künstlerische und technische Vollkommenheit“ erreicht hätte, Auslandsauf-
träge wären demzufolge überflüssig und schädigten einzig die heimische Filmwirt-
schaft.677 Diesmal hatte der Kurzfilmherstellerverbandmit seinemAnliegen Erfolg.
DasHandelsministeriumsprach sich für einenSchutzderösterreichischenKurzfilm-
hersteller aus.678 Für imAuslanderzeugteFilme,die für heimischeFirmenundPro-
dukte warben, waren steuerliche Belastungen vorgesehen. Künftig sollte es
österreichischenUnternehmenuntersagtwerden, Reklamefilmaufträge an ausländi-
scheFilmproduzentenzuvergeben.NeuerlichhattederVerbandderKurzfilmherstel-
lerdie InteressenseinerMitgliederdurchgesetzt.679
674 DerWienerFilm,„MaarklagtKurzfilm-Verband“,Nr. 33, 22.Dezember1936,S. 2.
675 Der Wiener Film, „Bestrafung wegen unberechtigter Kurzfilmherstellung“, Nr. 2, 12. Jänner
1937,S. 2.
676 ÖStA, AdR, BMHV, 581c, Ktn. 3483, Grz. 95604–9/33, Gschz. 97128–9/L/33, Ggstd.: Lehr-,
Propaganda- undWochenschaufilmerzeuger. Denkschrift betr. Belebung der heimischen Kurz-
tonfilm-Industrie, 22.April 1933.
677 DerWienerFilm,„SchutzderheimischenKurzfilmindustrie“,Nr. 12, 28 Juli 1936,S.3.
678 Ebd.
679WKW, Filmakten, Paket 3173/2, M 8, „Filmkonferenz Protokolle“, Verhandlungsschrift der 6.
SitzungdesÖsterr.Filmkonferenzvom27. Jänner 1937.
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur