Seite - 157 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Eterna-Krägen und -Ärmeln wird in ER, SIE UND DAS WUNDER in einer von den
Darstellern exaltiert umgesetzten Realfilmszene und in einer nachfolgenden
Trickaufnahme vorgeführt. Das gleiche Prinzip der Anwendungs-Doppelung in
Animation- und Realfilm kommt in DIE SPHINX BEI DER MORGENTOILETTE zum Tra-
gen, wobei hier der Gebrauch von Zahnpasta demonstriert wird. Die Funktions-
weise eines Rundfunkempfängers steht wiederum im Zentrum des Streifens
DER RADIO-AUTOMAT.
Animationstricks finden sich in allen erhaltenen Reklame-Produktionen Hans
LudwigBöhms, oft zur Präsentation vonProduktverpackungen imabschließenden
Packshot,wobeiKartonsundTuben inStopptricktechnikaneinandergereihtoder in
Bewegunggebrachtwerden. InDERRADIO-AUTOMATdientdieAnimationdazu,kom-
plexe technischeAbläufevereinfachtdarzustellen. InDIESPHINXBEI DERMORGENTOI-
LETTEwirddas ThemaMund- undZahnhygiene verspielt umgesetzt. Sowohl die ob
ihrer dunklenZähne verzweifelte „Sphinx“als auchder zurHilfe eilendeAffe sind
in ihrer grafischen Konzeption an den Disney-Stil angelehnt. Die Zeichner Bruno
WozakundKarlThomasbedientensichhier invereinfachterVersionundmit redu-
ziertenMittelndesamerikanischenVorbilds.Diehier zumAusdruckkommendeÄs-
thetik des „Disney-Kopismus“war in der 1930er- bis 1950er-Jahren in Österreich
durchausverbreitet.710
Gänzlich anders gestaltet sich hingegen die Produktion PUSZTAKLÄNGE. Hier
wird vornehmlich auf Atmosphäre und Stimmungsbilder gesetzt. Mittels Bildern aus
derPuszta,ungarischerVolksmusikundAufnahmenausdemGastronomiebetrieb„Pa-
taky“wirddasgleichnamigeungarischeWeinhaus inderWienerSpiegelgasse10stim-
mig präsentiert. Zu Beginn des Streifens unterlegen „Pusztaklänge“ Bilder einer
Steppenlandschaft.DieMethodedes„Underscoring“ lässteineunmittelbareVerortung
derSzenerie zu.EineMusikgruppe (gekleidet inungarischerTracht) zieht–eine tradi-
tionelleWeise spielend–durchdie Pusztaebene. Das Bild transformiert sich, erstarrt
zum„FreezeFrame“und findet sich letztlichals stimmungsvollesWandbild imWein-
lokalwieder. In rascherAbfolgewerden–demMusikrhythmus folgend–bestens ge-
launteGäste,derGastronomPataky,eineMusikkapelle,SpeisenundGetränke insBild
gesetzt. Schnelle Schnitte, Kameraschwenks, Blenden und wechselnde Einstellungs-
größenbringenBewegung indenFilm,vermittelneinevomMusikstückgetragenebe-
lebte,positiveStimmung.
Das Prinzip, ein musikalisches Motiv als Stimmungs- und Informationsträger
zu verwenden, kommt auch in dem Streifen IN DER GANZENWELT zur Anwendung.
Der „Donauwalzer“verweist hier aufdieWienerHerkunft des „weltbekanntenPro-
dukts, Dostal’s Toilette Perlen“. Filmtitel und Anfangssequenz werdenwie in der
710 Renoldner, Thomas: Animationsfilm in Österreich – 1832 bis heute, in: Dewald, Christian/
Groschup,Sabine/Mattuschka,Mara/Renoldner,Thomas (Hg.),DieKunstdesEinzelbilds.Anima-
tion in Österreich – 1832 bis heute, Wien 2010, S. 84–101. Siehe dazu auch das Unterkapitel
„Animationskunst“. 8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 157
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Buch Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938"
Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur