Seite - 160 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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im Aufenthaltsraum ein. Sie plaudern gelöst und vermitteln „Gemeinschaftssinn“.
Dass die innerbetrieblicheVerbundenheit einAnliegenderÖsterreichischenTabakre-
gie „alsArbeitgeber“ ist, lassendienachfolgendenSequenzenerkennen.EinzelneAr-
beiterundArbeiterinnenwerdenzurUntersuchungbeimFabriksarztgerufen.Herzlich
begrüßtmansich imWartezimmer,unterhält sichmitdenKollegenundKolleginnen.
InderOrdinationwerdenkörperlicheBeschwerdenvorgetragen, dieBelegschaftwird
untersuchtundunmittelbarperWärmebestrahlungentherapiert.
EineBadeszeneamEndedesStreifensbringtnichtnureinevoyeuristischeKompo-
nenteein(verhülltesEnthüllen),dasThema„Körperpflege“ergänztzudemdenBereich
der Gesundheitsvorsorge. Die Bilder der betriebseigenen Badeanstalten hinterlassen
einGefühl der Intimität. DasUnternehmen ist einStück „Zuhause“,woGemeinschaft
und die Sorge umdasWohlergehen gepflegt werden. Ist Teil eins des Streifens eine
MischungausLehr-undIndustriewerbefilm,soentsprichtTeilzweieinemImagefilm.
VonHansBrückners vier Kurzwerbefilmen, die eine Laufzeit von 2,5 bis zu vier
Minuten(bzw.eineLängevon58bis113Meter)aufweisen,sinddreinocherhalten.723
Die Streifen bewarben Tabakerzeugnisse, Gymnastikartikel,724 die Österreichischen
Bundesbahnen725 sowie eine Klassenlotterie.726 Zwei dieser Arbeiten sollen seinen
Stilveranschaulichen.
Der FilmFAHRT DURCH DAS SCHÖNEÖSTERREICH trägt aufgrund zahlreicher Land-
schaftsmomentaufnahmen Kulturfilmelemente in sich. DieWiederverwertung von
Bildern,dieursprünglich für andereFilmprojektehergestelltwurden, ist nicht aus-
zuschließen. Der Reklamefilmbeginntmit einemansprechenden Titelbild: Ein per
Hand schwungvoll (und keinesfalls symmetrisch korrekt) gezeichneter Schienen-
verlauf präsentiert an der Spitze einen dahinrasenden Zug. Die fliehende Zeichen-
führung unterstreicht dieses Bild. Die vonWolken umgebene Bahn lässt mit dem
erscheinendenSchriftzug „Fahrt durchdas schöneÖsterreich“mehrereDeutungen
zu. Einerseits wird eine „himmlische Reise“ angetreten, andererseits bewegt sich
derZugschnellwiederWind,derdieWolkenvorsichhertreibt.
Als Identifikationsfigur fungiert eine „gutbürgerliche“ jungeDame, diewir auf
ihrer Reise beobachten. Im eleganten Kostümmit einem Schoßhund an der Leine
tritt sie ihreBahnfahrt an. Eingeführtwird siemit einem „männlichenBlick“–die
Detailaufnahmemit Fokus auf denZugeinstieg zentriert sich auf dieHüfte unddie
BeinederFrau. ImmerwiederwirdsievonerhöhterKamerapositionaufgenommen,
723 Der FilmHOBBY EXTRA (A ca. 1928), der imAuftrag der Österreichischen Tabakregie entstand,
istallerdingsaufgrunddesMaterialzustandsderzeitnichtabspielbar.Siehe:BestanddesFAA.
724 VITA-RAUMRAD(A1930,L:58m), siehe:Paimann‘sFilmlisten, 23.Dezember1930,o.S.
725 FAHRT DURCH DAS SCHÖNE ÖSTERREICH (A 1936, L: 100m), siehe: Paimann‘s Filmlisten, 22. Mai
1936,o.S.
726 MESALLIANCE (A 1933, L: 71 m). Vgl.: WStLA, MA 104, Zl. K A 10, 1–297, Mappe „Jugendfreie
Filme1932–1935“, JugendverzeichnisApril 1933.
160 8 DieWerbefilmproduzenten:Etablierung,Organisation,Einflusssphären
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur