Seite - 191 - in Der österreichische Werbefilm - Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
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Vor allemgeben die einleitenden Texttitel vor, wie die anschließenden Indus-
trieaufnahmen zu lesen sind: „Und sobekamSeff zu sehen,was diemeistenMen-
schen nicht wissen: Wieviel Mühe, Wirtschaft und Technik aufgewandt wird, bis
die einwandfreie Milch auf den Frühstückstisch kommt.“ Von rechts nach links
schwenktdieKameraeinenvonMaschinendominiertenRaumab.DerVordergrund
wird von einer „mechanischen Landschaft“ eingenommen: Röhren undmetallene
Streben dominieren das Bild. Ein überdimensional großes Rad dreht sich in der
dahinterliegendenEbene.VorderMaschinenanordnungundhinterderRadvorrich-
tung laufen Arbeiter durch das Bild. Die Aufnahmen dienen zur raschenOrientie-
rung und belegen optisch, worauf die Zwischentitel insistieren: technische
Effizienz,maschinelleGrößeundimplizitauchwirtschaftlicheStärke.836
In SEFF AUF DEMWEGE ZUKRAFT UNDSCHÖNHEIT bleibt dieMehrzahl derArbeiter
gesichtslos, selbst wenn Aufgaben zu erfüllen sind, welche die Maschine noch
nicht leistenkann:Bei derErstprüfungderMilch, bei derKontrolle derGerätschaf-
ten, beimBetätigenvonHebeln, beimBefüllenvonLeerflaschen, beimEntnehmen
abgefüllter Behältnisse (z.B. Eisbecher) und speziell bei Verpackungssequenzen
werdenWerksarbeiter bevorzugt in halbtotaler,mitunter in halbnaher Einstellung
beobachtet.Meist sind siederKameraabgewandt, zeigennur eineSeiten- oderRü-
ckenansicht,mitunter sind einzig ihre betriebsamenArmeundHände inGroßauf-
nahme zu sehen. Ihre Gliedmaßen sind ergänzender Teil der Maschinenteile
geworden. IhreArbeiterfolgtdiszipliniertundstandardisiert.
Der völlige Entzug der menschlichen Arbeitskraft wird auf der Textebene als
positiverEffekthervorgehobenundalsBeleg fürverbesserteHerstellungsmethoden
und somit einwandfreie, hochwertige Produkte vorgebracht. „Automatisch“ gehen
Transportwege vor sich, „mechanisch“ vollziehen sich Mischvorgänge, „maschi-
nell“erfolgtdieReinigungderFlaschenunddieFormungderButter. ImSpeziellen
setztdermitNachdruckvorgebrachteHygienetoposaufeinesuggerierende Innova-
tionsrhetorik. Die Verpackungsmaschinen seien so „sinnreich konstruiert“, dass
jedeBerührungderMargarinemit denHändenvermiedenwerde.Die „maschinelle
Reinigung“derMilchflaschen garantiere deren „Sterilität“. Die „automatische Fül-
lungderEskimobecher“erfolgtohne jeglicheBerührungmitderHand.
Ist der Vorgang filmisch „beweisbar“, werden die Gerätschaften in Nah- und
Großaufnahmendargeboten. Laufbänder, automatische bewegliche Vorrichtungen
unddampfendeDüsenbieten sichzur rasant-technischenundoptischansprechen-
den Verdeutlichung der Behauptungen an. Ist die „Beweisführung“ über das Bild
nichtmöglich, dienenMaschinen befüllende und entladendeWerktätige alsMittler
zwischender technisierten Innen-undAußenwelt.Mitunterwidersprecheneinander
836 Die nachfolgendenAusführungen entsprechen überweite Teile hinweg einer Analyse, die von
der Autorin dieser Arbeit 2012 erstellt und veröffentlicht wurde. Siehe: Moser, „Hygienisch -
gesundheitsfördernd–schmackhaft“,http://www.medienimpulse.at/articles/view/641, (30.11.2014).
8.4 Werbefilmproduzenten imPorträt 191
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Der österreichische Werbefilm
Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Titel
- Der österreichische Werbefilm
- Untertitel
- Die Genese eines Genres von seinen Anfängen bis 1938
- Autor
- Karin Moser
- Verlag
- De Gruyter Open Ltd
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-062230-0
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 316
- Schlagwörter
- Culture of memory, media history, advertising
- Kategorie
- Kunst und Kultur